Anzeige
12. Juli 2016, 15:31
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Versicherer: “Keine großvolumige Anpassung auf Solvency II”

Der Kapitalmarktexperte Lutz Morjan, Head of Insurance Solutions bei NN Investment Partners in Frankfurt am Main, zieht eine Zwischenbilanz zum Finanzregelwerk Solvency II und erklärt die Anlagestrategien der Lebensversicherer im Nullzinsumfeld.

Morjan NN-Investment-Partners in Versicherer: Keine großvolumige Anpassung auf Solvency II

Lutz Morjan: “Die Einführung von Solvency II wirkt nicht schlagartig von einem Tag zum anderen. Es ist ein mehrjähriger Prozess.”

Cash.Online: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist im Juli mit minus 0,19 Prozent auf ein vorläufiges Rekordtief gefallen. Anleger sind demnach bereit, bei deutschen Staatsanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren quasi eine Gebühr zu bezahlen, statt Zinsen zu kassieren. Wie wirkt sich dieser Paradigmenwechsel auf die Anlagestrategien der deutschen Lebensversicherer aus?

Morjan: Zur Beurteilung der Entwicklung können zwei Aspekte unterschieden werden – die bereits bestehenden Investments und die Wiederanlage. Für die bereits bestehenden Investments ist die Entwicklung zunächst sehr positiv. Die fallenden Zinsen bewirken Kursgewinne. Solange sich der Zinstrend nicht umkehrt, kann sich diese Entwicklung noch weiter fortsetzen. Für die Wiederanlage stellt die Zinsentwicklung eine größere Herausforderung dar. Versicherer bevorzugen Kapitalanlagen, die stabile laufende Erträge generieren zum Beispiel in Form von Kuponzahlungen. Da die Kuponzahlungen für qualitativ hochwertige Staatsanleihen sehr niedrig sind, gehen wir zukünftig von einer im historischen Vergleich unterdurchschnittlichen Allokation der Neuanlage in Staatsanleihen aus.

Die beliebten laufenden Erträge sind nur noch in sehr wenigen Segmenten erzielbar. Diese werden mit viel Kapital stark nachgefragt. Ein Beispiel sind Unternehmensanleihen im Investment Grade-Bereich. Diese stehen auch im Fokus der Versicherer. Weitere Beispiele sind illiquide Darlehen und Immobilienanlagen. Auch stabile Aktien mit hoher Dividendenrendite bieten seit einiger Zeit höhere laufende Erträge als Anleihen. Allerdings haben Aktien ein ganz anderes Risikoprofil als Anleihen und verlangen ein besonderes Risikomanagement.

Die Versicherungsgruppe Signal Iduna erklärte jüngst, dass man künftig verstärkt in erneuerbare Energien investieren werde, da Staatspapiere kaum noch etwas abwerfen würden. Allein im vergangenen Jahr habe das Investitionsvolumen bei rund 300 Millionen Euro gelegen – auf den ersten Blick eine hohe Summe. Nun verwaltet die Signal Iduna Gruppe allerdings Vermögensanlagen von insgesamt rund 46 Milliarden Euro. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Möglichkeiten der Branche, die Abhängigkeit von festverzinslichen Wertpapieren zu lockern?

Zum dem von Ihnen skizzierten Fall können wir uns nicht äußern. Im Allgemeinen gehen wir aber auch in Zukunft davon aus, dass der bei weitem größte Teil der Kapitalanlagen in festverzinsliche Wertpapiere investiert sein wird. Der Effekt wird unter Solvency II nicht anders sein als unter Solvency I. Festverzinsliche Wertpapiere stellen eine natürliche Form der Bedeckung für die Zinsanforderungen der Passivseite dar. Die Struktur des Fixed Income-Portfolios wird sich jedoch ändern. Es wird in Zukunft stärker diversifiziert sein. Unter Diversifikation verstehen wir die Nutzung verschiedener Risikoprämien.

Seite zwei: “Solvency II ist ein mehrjähriger Prozess”

Weiter lesen: 1 2

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Axa strukturiert Vorstand um – Dahmen geht

Die Axa gibt ihrem Konzern in Deutschland zum 1. Januar eine neue Struktur. Dazu wird der Versicherer die Vorstandsressorts bündeln, um damit gezielt für weiteres Kundenwachstum aufgestellt zu sein.

mehr ...

Immobilien

Gebrauchtimmobilie: Gekauft wie gesehen?

Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie sollte nicht gleich der erste Eindruck entscheiden. Wer genauer hinschaut, kann teure Überraschungen vermeiden. Ist der Vertrag erst unterschrieben, wird es schwierig, Baumängel geltend zu machen.

mehr ...

Investmentfonds

Der Weg zur Planwirtschaft

Die expansive Geldpolitik lähmt Innovationen und lässt Blasen entstehen, die platzen werden. Die größte Gefahr ist, dass gescheiterte Unternehmen verstaatlicht werden. Davor warnte gestern auf dem Faros Institutional Investors Forum Professor Gunther Schnabl. Gibt es einen Ausweg aus diesem Szenario?

mehr ...

Berater

EZB-Präsident und Deutsche-Bank-Chef fordern Kapitalmarktunion

EZB-Präsident Mario Draghi und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing haben einmal mehr einheitliche Regeln für Banken und die Kapitalmärkte in Europa gefordert. Das sei die einzige Antwort auf die Bedrohungen denen sich die Währungsunion ausgesetzt sehe.

mehr ...

Sachwertanlagen

Noch immer Prozesse rund um die Göttinger Gruppe anhängig

Die Pleite der Securenta/Göttinger Gruppe im Jahr 2007 beschäftigt noch immer die Gerichte. Das belegt ein aktueller Beschluss des BGH: Er hatte in Zusammenhang mit einer überlangen Verfahrensdauer eines der Prozesse zu entscheiden. 

mehr ...

Recht

Kampf ums “Bayerische”: Watschn vom Richter

Nach langwierigem Prozess über zwei Instanzen wird ein Hahnenkampf zweier Versicherungen ums “Bayerische” aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Offensichtlichen enden: Ein bayerisches Unternehmen darf sich auch bayerisch nennen.

mehr ...