25. September 2017, 14:03
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bAV-Reform: “Wir sind noch lange nicht am Ziel”

Auf einer Fachtagung der Pensions-Akademie in Frankfurt am Main haben über 80 Vertreter von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (bAV), Politik und Wissenschaft über die Zukunft der bAV in Deutschland diskutiert.

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Nach Ansicht des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer haben die Beschäftigten durch den Verzicht auf Garantien nun die Chance auf mehr Rendite.

“Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) sind wir in der betrieblichen Altersversorgung einen wichtigen Schritt vorangekommen”, sagte der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Seiner Ansicht nach haben die Beschäftigten durch den Verzicht auf Garantien nun die Chance auf mehr Rendite. Er schränkte allerdings ein: “Wir sind noch lange nicht am Ziel. Gerade für die Beschäftigten in den kleinen, vielfach nicht tarifgebundenen Unternehmen wird das Betriebsrentenstärkungsgesetz aufgrund der Anknüpfung an Tarifverträge kaum Wirkung entfalten.” Auch hänge der Erfolg des BRSG nicht allein von monetären Faktoren ab, die bAV müsse unter anderem einfacher gestaltet werden.

Volker Rode, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung Main-Kinzig-Kreis, sagte: “Für den kleinen Unternehmer bleibt oft nicht die Zeit, um sich intensiv mit dem Thema bAV zu beschäftigen – so sieht die Praxis aus.“ Um eine größere Verbreitung der bAV zu erzielen, müssten greifbare und verständliche bAV Lösungen konzipiert und angeboten werden.

Digitalisierung von zentraler Bedeutung

Robert Müller von der S-Pensionsmanagement GmbH, dem bAV-Anbieter der Sparkassen-Finanzgruppe, betonte auf der Fachtagung, dass die gesetzlichen Neuregelungen zu einer höheren Komplexität führen werden, bei gleichzeitig steigenden Kostendruck. Die Digitalisierung ist deshalb seiner Ansicht nach zukünftig von zentraler Bedeutung für die bAV. “Dies ist nicht nur mit Blick auf die Jugend wichtig, die eine digitale Ansprache erwarten wird, sondern auch, um die Komplexität für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Prozesskosten zu reduzieren”, sagte er. (kb)

Foto: Picture Alliance

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2 Kommentare

  1. Siri hatte einige Schreibfehler verursacht, deshalb hier nochmals mein Kommentar:

    Die Verständlichkeit der bAV ist für viele Arbeitgeber schwierig und wird durch die Einführung Sozialpartnermodells (“bAV-Welt 2”) nicht einfacher.

    So bietet die “bAV-Welt 2” zwar eine Befreiung von der Einstandspflicht (nach §1 Abs.1 S.3 BetrAVG), allerdings:

    – keine vollständige Befreiung von der AG-Haftung

    – den Nachteil, dass der AG bei Teilnahme an der bAV-Welt2:

    1. einen Sicherungsbeitrag (§23 BetrAVG nF) leisten soll und dieser der höhe nach noch gar nicht bekannt ist.

    2. im Bereich der betrieblichen Altersversorgung keine eigene Entscheidung mehr treffen kann, da alles von dem entsprechenden Versorgungswerk vorgegeben wird.

    Konsequenz daraus ist, dass die Betriebsabläufe im Bereich der betrieblichen Altersversorgung durch das Sozialpartnermodell fremdbestimmt sind.

    3. ein Umstieg von der “bAV-Welt 2” zurück in die bisherige “bAV-Welt1” ist nicht möglich.

    Der Umstieg von der alten bAV-Welt 1 in die bAV-Welt 2 (Sozialpartnermodell) ist zwar möglich, allerdings führt dies nicht zu einer Haftungsbefreiung der bestehenden Anwartschaften.

    Darüber hinaus bestehen für den Arbeitnehmer zwar größere Chancen auf einen höheren Ertrag, allerdings auch erheblich höhere Risiken durch die Anlagemöglichkeiten.

    Für Arbeitnehmer, die eine geringe Rente in der betrieblichen Altersversorgung aufbauen, ist dies ein Risiko. Die geringe zusätzliche Rente kann noch geringer werden, da eine Garantie fehlt.

    Auch die bisherige “bAV-Welt 1” ist für viele Klein- und Mittelunternehmen nicht immer einfach zu organisieren.

    Neben den Verjährungsfristen (z.B.: 6 und 10 Jahre) sind beispielsweise auch Haftungen vorhanden, die zur Aufbewahrung der Unterlagen über einen sehr langen Zeitraum notwendig machen (zB.: § 18 a BetrAVG, 30 Jahre).

    Darüber hinaus sind im Steuerrecht und in der Sozialversicherung viele Dinge zu beachten, die nur durch standardisierte Prozesse möglich sind.

    Ebenso sind während der Zusegezeit (Anwartschafts- und Leistungsphase) Vertragsanpassungen notwendig (Beispiele: Umstellung auf Vollzeit, Teilzeit, Heirat, Scheidung, Tod, Privatinsolvenz des AN), die auch Einfluss auf die betriebliche Altersversorgung haben.

    TIPP: Im Novemebr erscheint ein „bAV-Leitfaden für Arbeitgeber, der die Anpassungsprozesse (workflow) darstellt und die notwendigen Schritte aufzeigt. Der #bAV-Leitfaden für Arbeitgeber behinhaltet nicht nur die bisherigen Regelungen, sondern auch die notwendigen Anpassungen durch das Betriegsrentenstärkungsgesetz (BRSG). Aus redaktionellen Gründen (offene Fragen, die durch das BMAS und BMF noch geklärt werden) ist der Leitfaden für Arbeitgeber in der betrieblichen Altersversorgung erst im November verfügbar.

    Link: https://www.notfallordner-vorsorgeordner.de/notfallordner/betriebsrentenstaerkungsgesetz-leitfaden-betriebe/index.php

    Kommentar von Werner Hoffmann — 26. September 2017 @ 11:32

  2. Die Verständlichkeit der bAV ist für viele Arbeitgeber schwierig und wird durch die Einführung der “bAV-Welt 2” nicht einfacher.
    So bietet die “bAV-Welt 2” zwar eine Befreiung der Einstandspflicht (nach §1Abs.1 S.3 BetrAVG), allerdings:
    – keine vollständige Befreiung von der AG-Haftung
    – den Nachteil, dass der AG bei Teilnahme an einem bAV-Welt2:
    1. einen Sicherungsbeitrag (§23 BetrAVG nF) leisten soll und dieser der höhe nach noch gar nicht bekannt ist.
    2. im Bereich der betrieblichen Altersversorgung ich keine eigene Entscheidung mehr treffen kann, da alles von dem entsprechenden Versorgungswerk vorgegeben wird. Konsequenz daraus ist, dass die Betriebsabläufe im Bereich der betrieblichen Altersversorgung kann fremdbestimmt sind.
    3. ein Umstieg von der “bAV-Welt 2” zurück in die bisherige “bAV-Welt1” ist nicht möglich. Der Umstieg von der alten bAV-Welt 1 in die bAV-Welt 2 ( Sozialpartnermodell) ust zwar möglich, allerdings für das nicht zu eine Haftungsbefreiung der bestehenden Anwartschaften.
    Darüber hinaus bestehen für den Arbeitnehmer zwar Grüße eure Chancen auf einen höheren Ertrag, allerdings auch erheblich höhere Risiken durch die Anlage Möglichkeiten. Für Arbeitnehmer, die eine geringe betriebliche Altersversorgung aufbauen, ist dies ein Risiko, dass die geringe zusätzliche Rente auch nach unten fallen kann, da eine Garantie fehlt.

    Auch die bisherige “bAV-Welt 1” ist für viele Mittelständler und Kleinunternehmen nicht immer einfach zu organisieren.
    Neben den Verjährungsfristen sind beispielsweise auch Haftungen vorhanden, die zur Aufbewahrung der Unterlagen über einen sehr langen Zeitraum notwendig machen.
    Darüber hinaus sind im Steuerrecht und in der Sozialversicherung viele Dinge zu beachten, die nur durch standardisierte Prozesse möglich sind.
    Hierzu wird im November ein bAV- Leitfäden bei http://www.notfallordner-vorsorgeordner.de erscheinen.

    Kommentar von Werner Hoffmann — 26. September 2017 @ 10:56

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