Anzeige
18. Mai 2017, 10:06
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Mit der Bürgerversicherung ‘kurzen Prozess’ machen”

Im zweiten Teil des Interviews mit Cash. sprach Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische, über seine Meinung zur Bürgerversicherung und zur Betriebsrenten-Reform.

Bürgerversicherung

Martin Gräfer: “Wir haben keine ‘dummen Verbraucher’, die vor allem und jedem und am besten vor sich selbst geschützt werden müssen.”

Cash.: In diesem Jahr steht die Bundestagswahl an. Welche Erwartungen haben Sie an die Politik, auch mit Blick auf die von der SPD angestrebte Bürgerversicherung?

Gräfer: Mit der Bürgerversicherung möchte ich gerne am liebsten “kurzen Prozess” machen – denn sie ist weder gerecht, noch bringt sie einen nachhaltigen Mehrwert. Auf den Punkt gebracht ist das Beste an diesem Konzept der Name. Das war es aber schon. Aber persönlich habe ich schon große Erwartungen an die zukünftige Bundesregierung und die Politik. In den vergangenen Jahren ist es unserem Land gelungen, aus schweren Krisen sehr gut, vielleicht sogar gestärkt hervorzugehen. Aber die Politik muss sich noch mehr auf das einlassen, was die Bürger wirklich bewegt. Und da geht es eben nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, es geht auch darum, das Gefühl zu bekommen, an einer beeindruckenden Entwicklung teilhaben zu können. Die Unsicherheiten sowohl in Deutschland selbst als auch in Europa und in der Welt wachsen sehr rasch. Hier gilt es, mutig die Themen anzugehen, die verändert werden müssen. Ich bin sehr gespannt, ob es uns gelingt, diese Veränderung so aufzunehmen, dass wir als Gewinner daraus hervorgehen. An die Politik habe ich den Wunsch, hier mehr zu gestalten und weniger zu formalisieren.
Wir haben keine “dummen Verbraucher”, die vor allem und jedem und am besten vor sich selbst geschützt werden müssen. Die Politik soll den Menschen die Chance geben, für sich und andere wieder selbst Verantwortung zu übernehmen.

Ein großes Thema bleibt die Betriebsrenten-Reform. Vielfach wird kritisiert, dass die geplante Reform mit dem neuen Durchführungsweg “Sozialpartnermodell” das System noch komplizierter mache, statt es grundlegend zu vereinfachen. Stimmen Sie dem zu?

Die Idee, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken, ist sehr gut und richtig. Und ich freue mich darüber, dass es weiterhin möglich bleiben wird, das bisherige bAV-System zu erhalten und sogar durch eine Ausdehnung der Möglichkeiten, im Rahmen etwa einer Direktversicherung, steuerlich gefördert mehr zu sparen. Die angedachte Lösung im Sozialpartnermodell ist ebenfalls sehr spannend, aber warum sollen Garantien – die die Menschen aktiv nachfragen – zwangsweise verboten werden? Warum darf dieses Modell nur Tarifparteien gegenüber geöffnet werden? Wenn
ich über das Betriebsrentenstärkungsgesetz nachdenke, habe ich immer mehr den Eindruck, dass es vielleicht eher darum geht, die unglaublich vielen Unternehmen des Mittelstandes, die heute nicht Mitglied eines Tarifvertrages sind, in solche Verträge hineinzuführen. Noch mehr Reglementierung wäre die Folge – als Mittelständler aber kommt es darauf an, selbst gestalten zu können und die wichtige Personal- und Vergütungspolitik nicht auf Dritte zu verlagern. Wir stehen voll zu der bisherigen bAV-Welt und werden auch in diesem Jahr noch mehr Aktivitäten unternehmen, um Unternehmen, Selbständigen und Gewerbetreibenden Lösungen anzubieten, die dabei unterstützen, Mitarbeiter zu finden und für sich zu begeistern.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Die Bayerische


Mehr aktuelle Artikel:

LVRG-Bilanz: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

BU-Streitfälle vor Gericht: Wie stehen Ihre Chancen?

LVRG und Maklersterben: Schlimmer geht immer

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

2 Kommentare

  1. Herr Gräfer, einzig richtig “”””keine “dummen Verbraucher”””””” der Rest ist pure Ignoranz der wirklichen Situation in D.

    Kommentar von Manfred Janz — 18. Mai 2017 @ 14:30

  2. Das ist sehr vernünftig formuliert und sachlich richtig.

    Da ich mich nicht für ein großes Unternehmen politisch korrekt (zurückhaltend?) äußern muss: Mit dem aktuellen Wahlprogramm sollte die SPD keinen Erfolg haben!

    Kommentar von Fred Rupprecht — 18. Mai 2017 @ 12:02

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset – Kfz-Policen – Immobilieninvestments – Ruhestandsplanung

Ab dem 13. September im Handel.

Jubiläumsheft

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Zukunft der Versicherungsbranche + Unangenehme Wahrheiten: Vermittlerzahlen täuschen

Versicherungen

bAV: Nürnberger stellt Pensionsfonds neu auf

Die Nürnberger Pensionsfonds AG erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten in der betrieblichen Altersversorgung (bAV). So kann sich beim bilanzförmigen Pensionsfonds die Kapitalanlage zukünftig automatisch an aktuelle Marktentwicklungen anpassen, um eine langfristig stabile Wertentwicklung zu erreichen. Mit Fidelity International konnte zudem ein neuer Partner im Bereich der Fondsanlage gewonnen werden.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Zinsen werden volatiler

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschäftigt sich unter anderem mit der finanziellen Lage Italiens, während die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wieder einmal am Leitzins gedreht hat.

mehr ...

Investmentfonds

Sieben Anlagestrategien für den Spätzyklus

Die USA erleben ihre zweitlängste wirtschaftliche Expansion, die bereits zehn Jahre andauert. Und auch wenn derzeit kein Ende in Sicht ist, stellt sich die Frage, wie lange dieser noch anhalten wird. Laut Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, spricht vieles dafür, dass sich die US-Konjunktur im Spätzyklus befindet. Er nennt sieben Strategien, mit denen Anleger ihre Portfolios defensiver Ausrichten können.

mehr ...

Berater

Fintechs: Die fairsten digitalen Finanzberater

Auf dem deutschen Markt tummeln sich bereits über 300 verschiedene sogenannte Fintechs – Tendenz laut Experten steigend. Welche davon am fairsten aufgestellt sind, hat das Analysehaus Servicevalue in Kooperation mit Focus Money untersucht.

mehr ...

Sachwertanlagen

Falschberatung: Sparkasse muss zahlen

Mangelhafte Beratung kann den Berater teuer zu stehen kommen. Das erfährt eine oberpfälzische Sparkasse gerade am eigenen Leib, wie ein aktuelles Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth zeigt.

mehr ...

Recht

Heckenschnitt: Was gilt im Streitfall?

Landesrechtliche Regelungen geben oft vor, wie hoch eine Hecke auf einer Grundstücksgrenze sein darf. Nachbarn können jedoch nicht verlangen, dass der Eigentümer seine Hecke vorsorglich im Herbst und Winter so stark herunterschneidet, dass sie im Sommer die zulässige nicht Höhe überschreitet. Dies entschied laut D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH das Landgericht Freiburg.

mehr ...