6. November 2017, 06:00
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“Ein echter Paradigmenwechsel”

“Reformen wie die zur Betriebsrente verschlimmbessern die Situation, weil sie die gesetzliche Rente weiter schwächen und die Versicherten vollends der Willkür der Finanzmärkte unterworfen sind”, heißt es von Seiten der Linken.

Meissner: Ich sehe die gesetzliche Rente und die kapitalgedeckte Vorsorge als komplementäre Systeme. Die gesetzliche Rente soll stark sein und durch eine ebenso starke zweite und dritte Säule ergänzt werden. Natürlich wünscht sich jeder, dass die Niedrigzinsphase dem Ende zugeht. Damit auch in der bisherigen Vorsorgewelt mehr in Aktien investiert werden kann, wäre es allerdings sinnvoll, wenn die bisherigen 100-Prozent-Beitragsgarantien, zum Beispiel bei Riester oder der bAV, auf 80 Prozent abgesenkt werden könnten.

Bemängelt wird auch, das Problem, dass eine Betriebsrente bei häufigen Jobwechseln schnell unrentabel wird, bleibe bestehen.

Meissner: Wenn der neue Arbeitgeber die bisherige Betriebsrente fortführt, ist das für den Beschäftigten gar kein Problem. Wenn er das Kapital portiert, bleibt das Kapital unangetastet. Allerdings erhält der Beschäftigte für den neuen Vertrag nur noch die jeweils gültigen Garantiewerte. Das ist in anderen Ländern, die keine Garantien kennen, vollkommen normal. Auch bei der neuen reinen Beitragszusage gibt es nur noch eine Mitnahme des Kapitals.

Der Vorsitzende des Bundesverbands pauschaldotierter Unterstützungskassen befürchtet, dass der Markt und die Möglichkeiten für Vermittler und Makler durch die Reform sehr viel enger werden. Als Begründung führt er an, dass die Hoheit über die bAV künftig hauptsächlich bei den Tarifparteien liegen werde.

Meissner: Diese These teile ich nicht. Es wird weiter Bereiche geben, in denen – wie bisher – Tarifverträge eine weniger große Rolle spielen und Bereiche, in denen auch neue Versorgungswerke Fuß fassen. Für gut aufgestellte Berater bleibt da genug zu tun.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Angela Pfeiffer

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1 Kommentar

  1. Die Nachbesserung bezüglich der 15% ist dringend notwendig.
    So entstehen unendliche Diskusdionen darüber, ob hierbei auch die Beiträge zur gertzlichen Unfallversicherung oder gar Imlage 1, 2 und Insolvenzgeldumlage berücksichtigt werden müssen. Vor allem ist es bei der gesetzlichen Infallversicherung bei 5 BG der Fall, dass dort die Beitragsberechnung nicht mit der BBG übereinstimmt.
    Und besonders schwer ist es dann mit den 15% AG-Zuschuss, wenn der AN zwischen der Beitragsbemesdungsgrenze zur RV und KV der Verdienst liegt. Denn der Entwurf des BMF-Schreibens lässt eine Spitze Abrechnung zu.
    Und nicht zu vergessen ist die Diskusdion in Betrieben, ab wann der 15%ige AG-Zuschuss gezahlt werden soll, denn wenn die Zusage ab 1.1.2019 besteht, dann muss ab 1.1.2019 gezahlt werden, bei Altzusagen erst zum 1.1.2022.
    Auch hier wird kräftig schon diskutiert, was denn wohl passiert, wenn die Zusage beitragsfrei gestellt wird und ab 1.1.2019 eine neue Zusage vereinbart wird.
    Rechtlich ist dies dadurch möglich, weil der AN einen Ansoruch auf Entgeltumwandlung hat.
    Auch hier muss nachgebessert werden.
    Aber auch bei §100 EStG (Geringverdiener) besteht Nachbesserungsbedarf. Denn der ungezillmerte Tarif kann auch erheblich teurer sein, als ein grzillmerzer Tarif. Insbesondere ist dies bei Frauen (Teilzeit wegen Kindererziehung) und AN die zB 2-4 Jahre vor der Rente auf Teilzeit umgestellt wird und die bestehende bAV von Entgeltumwandlung auf AG-Zuschuss umgestellt wird.
    In vielen Punkten ist hier dringend die Nachbesserung notwendig.
    Am Rande bemerkt: das BMF kann zwar steuerrechtlich Erhänzungen vornehmen, allerdings werden viele Punkte aus arbeitsrechtlicher Sicht durch sogenannte Einzelfsllentscheidungen wieder beim BAG entschieden.
    Unternehmen ist dringend anzuraten, mindestens 15% des umgewandelten bAV-Betrages zeitgleich an alle Mitarbeiter zu bezahlen. Das vermeidet erhebliche Reibungsverluste!
    Und bei Personalknappheit sollten Unternehmen ggf. Auch prüfen, ob die Weitergabe der AG-Ersoarnus nicht beitragsneutral pauschal erfolgen sollte. Dies wären dann ca 23,5-25,3%

    Kommentar von Werner Hoffmann — 6. November 2017 @ 11:23

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