17. März 2017, 07:02
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Garantien? Ja, aber die richtigen!

Es war noch nie so wichtig, sich auf diejenige Garantie zu beschränken, die der jeweilige Kunde unbedingt benötigt. Eine Reduktion der nominellen Kapitalgarantie würde die Chance auf eine höhere Kaufkraft der Rente erhöhen – dies verlangt allerdings ein Umdenken von Beratern und Kunden.

Gastbeitrag von Professor Dr. Jochen Ruß, Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften

Garantien

“Kein Produkt ist gut oder schlecht. Es kommt immer auf die Risikoneigung und Risikotragfähigkeit des Kunden an”, sagt Professor Dr. Jochen Ruß.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Niedrigzinsphase wird oft behauptet, dass Altersvorsorgeprodukte mit Garantien grundsätzlich nicht mehr sinnvoll seien, weil Garantien zu teuer sind.

Außerdem liest man oft, dass sich die deutschen Versicherer in großer Zahl “von der klassischen Versicherung verabschieden”.

Körnchen Wahrheit

In beiden Aussagen steckt ein Körnchen Wahrheit. Beide Aussagen sind aber in dieser absoluten Form schlicht falsch.

Stellt man sich die Frage, was Versicherer besonders gut können, so landet man unweigerlich beim sogenannten Kollektivprinzip: Über ein Versichertenkollektiv werden Risiken, die für den Einzelnen nicht beherrschbar sind, abgesichert.

Nur die klassische Versicherung wendet das Kollektivprinzip auch auf Kapitalanlagerisiken an. Dies führt zu einer Stabilität der Erträge, die bei vergleichbarer Rendite nirgendwo anders zu finden ist.

Probleme der Branche

Die derzeitigen Probleme der Branche sind nicht durch diese Glättungsmechanismen verursacht, sondern dadurch, dass in der Vergangenheit dieses System mit (aus heutiger Sicht zu) großzügigen Garantien kombiniert wurde.

Aufgrund des unbestrittenen Nutzens der kollektiven Kapitalanlage erwarten wir daher, dass dieses erhalten bleibt, aber mit anderen Garantiezusagen kombiniert wird. Viele Versicherer bieten daher klassische Versicherungen mit alternativen Garantien an (sogenannte neue klassische Produkte) oder nutzen die Klassik als Baustein zur Garantieerzeugung in chancenreicheren Garantieprodukten wie Hybridprodukten oder Indexpolicen.

Die meisten Versicherer setzen also auf Produktstrategien, in deren Zentrum nach wie vor Produkte auf klassischer Basis stehen. Produktstrategien, die komplett ohne klassische Bausteine auskommen, sind hingegen die absolute Ausnahme.

Seite zwei: Garantien per se sind nichts Schlechtes

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2 Kommentare

  1. Das dumme an der Beitragsgarantie ist der Realverlust wegen der Inflation.
    Gepaart mit den Kosten für die Garantie, sollten ausgewiesen werden, schon fast eine Katastrophe!

    Kommentar von Wilfried Strassnig Versicherungsmakler — 20. März 2017 @ 20:43

  2. Der Wunsch nach einer nominalen, d.h. 100% Garantie, wird leider immer vorherrschen. Denn es ist ein Urwunsch eines jeden Menschen, Verluste zu vermeiden.

    (Nominelle) Verluste schmerzen kultur-, alters- und länderunabhängig etwa 2,5x mehr als (nominelle) Gewinne Freude machen. Daher wird ein Kunde (jeder von uns ist auch selber manchmal Kunde!) immer nur dann zufrieden sein, wenn er “mehr herausbekommt als er eingezahlt hat”. Hand auf´s Herz: Sie haben vor 10 Jahren ein Haus für 350.000 € gekauft und wollen es jetzt verkaufen. Ab welchem Verkaufspreis sind Sie zufrieden? Natürlich ab 350.000 €. Diese Botschaft kann man auch schön Freunden weiter erzählen (“hab so viel bekommen, wie ich bezahlt habe”).

    Insofern müssen wir Berater uns mit dem Ur-Wunsch einer 100% Garantie schon fast abfinden. Der Kunde, der auf Garantien verzichtet, tut das im Wesentlichen aus einem Grund: Weil ihn Statistiken überzeugt haben, dass er (fast garantiert) ja sein Eingezahltes wieder herausbekommen wird 😉

    Kommentar von Prof. Dr. Claus Kriebel — 17. März 2017 @ 11:48

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