14. August 2017, 09:00
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Restschuldversicherung: Unsachliche Diskussion hilft nicht

Aus Verbrauchersicht ist es korrekt, dass die Kosten einer Kreditabsicherung in den Effektivzins eingerechnet werden, wenn der Kunde keine Wahlmöglichkeit hat und abschließen muss.

Systematisch sind Versicherungsbeitrag und Zins trotzdem zu trennen. Die Versicherung ist eine zusätzliche Leistung mit einem eigenen Preis. Sie hängt nicht mit den Kosten für die Geldleihe, dem Zins, zusammen, sondern mit der Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter, versicherter Risiken.

Niemand würde bei einer Baufinanzierung auf die Idee kommen, die Kosten für Risikolebensversicherung, BU oder Wohngebäude, auf den Effektivzins aufzuschlagen.

Die Zahl der Kunden wächst

Für mich das Schlimmste: Die aktuell geführte Diskussion hilft weder dem Markt noch dem Kunden. Es gibt einen dynamisch wachsendes Umfeld für Konsumfinanzierungen. Die Zahl der Kunden wächst. Mit ihnen steigt der Bedarf an Absicherung.

Wie jede Zielgruppe haben auch Ratenkreditkunden ihr ganz eigenes Risikoprofil. Statt über Einzelbeispiele abstruser Prämien zu schimpfen, sollten wir über Bedingungsstandards und Kundenberatung diskutieren.

Das hilft den Kunden und nur so gelingt die Weiterentwicklung des Angebots in deren Sinne. Leider wird diese Chance regelmäßig vertan.

Tobias Haff ist COO des B2B-Insurtech-Unternehmens massUp. Davor hat er Procheck24, den B2B-Bereich des Vergleichsportals Check24, aufgebaut. Bereits seit 1997 entwickelt er Internetprojekte mit dem Fokus auf Finanzdienstleistungen. Er hat den Markt für unabhängige Ratenkreditvermittlung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt, Produktinnovationen zur Einkommensabsicherung und Online-Vertriebstools für Finanzvermittler erfolgreich am Markt eingeführt.

Foto: Tobias Haff

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3 Kommentare

  1. Die Aussage ohne Gesundheitsprüfung ist falsch denn aus eigener Erfahrung wenn Vorerkrankungen bestehen gibt es definitiv keinen VS Schutz!!!

    Kommentar von C.Hoff — 16. Januar 2018 @ 13:29

  2. “Es handelt sich ganz klar um eine Versicherung, welche für die Vermittlung die Vorraussetzung braucht, nach § 34 d Abs. 1 GewO, eine entsprechende Ausbildung vorzuweisen.”

    Das ist mitnichten so. In fast allen Fällen ist der Abschluss einer Restschuldversicherung gar keine Versicherungsvermittlung, denn der Versicherte hat gar keinen Versicherungsvertrag abgeschlossen. Vielmehr schließt diesen die Bank selbst ab, als Versicherungsnehmer. Gegenüber dem Versicherten selbst bestehen also gar keine Beratungs- oder Informationspflichten zum Versicherungsvertrag.

    Oft handelt es sich um “Gruppenversicherung”, die die Bank abschließt. Genau daher hat der Gesetzgeber bei der IDD-Umsetzung nun auch für diese Gruppenversicherungen Pflichten der Bank zum Schutz der Versicherten eingeführt.

    Allerdings kann die Bank die Restschuldversicherung auch ebenso ganz ohne den Weg über Gruppenversicherungen abschließen. Nämlich selbst als Einzelversicherungen. Also wie wenn man – auch ohne diese zu beraten – für seine Hunde keine Zwingerhaftpflicht, sondern für jeden seine eigene abschließt, auch ganz ohne Vermittlerzulassung des Hundehalters.

    Man nennt dies dann – auch bei Restschuldversicherten – einfach “Verschaffung von Versicherungsschutz”.

    Was die Bank diesem auf die Prämie, die sie an den Restschuldversicherer zahlen muss – für diese Verschaffung oben aufschlägt, bleibt der Bank überlassen. Es handelt sich nicht um Provisionen, sondern einen Gewinnaufschlag der Bank.

    So geht Restschuldversicherung ganz ohne Vermittlerpflichten und ohne IDD-Umsetzung ganz einfach. Es gibt zahlreiche Banken, die dies seit vielen Jahren genau so umgesetzt haben, von der BaFin geprüft und für korrekt befunden.

    Die Bank darf nur – um nicht unter die IDD-Umsetzung zu fallen – nicht den Fehler machen, mit dem Versicherer einen Gruppenversicherungsvertrag ausdrücklich abzuschließen.

    Kommentar von Peter Schramm — 15. August 2017 @ 15:14

  3. Es handelt sich ganz klar um eine Versicherung, welche für die Vermittlung die Vorraussetzung braucht, nach § 34 d Abs. 1 GewO, eine entsprechende Ausbildung vorzuweisen. Ich unterstelle, dass die Mehrheit diese Ausbildung, wie z. Bsp. ein Autohaus, ein Autohändler, ein Bankangestellter u.s.w. nicht aufweist. Heißt im Umkehrschluss: eine Beratung und Vermittlung von einer Risikolebensversicherung (wie in der RSV integriert) dürfte so nicht an den Verbraucher gelangen. Wir selbst haben einige Beispiele, die zeigen, dass hier lediglich der Verkauf mit eintsprechender Provision im Vordergrund steht, denn anhand der wirklichen Gesundheits- oder aber auch Lebenssituation dürften die Verbraucher zwar diese RSV abschließen, aber im Ernstfall NICHTS an Leistung des Rückversicherers bekommen. Und an dieser Stelle MUSS dringend eine anständigen Lösung geschaffen werden.

    Kommentar von St. Wagner — 15. August 2017 @ 09:17

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