Anzeige
23. Januar 2018, 10:06
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Allianz kontra Autoindustrie: Forderung nach Treuhänder für Autodaten

Nach jahrelangem heftigem Gerangel um die Zugriffsrechte auf Fahrzeugdaten geht die Allianz in Stellung gegen die Autohersteller. Deutschlands größter Versicherungskonzern fordert die Einsetzung eines unabhängigen Treuhänders, der den Zugang zu Fahrzeugdaten gewährleistet.

Shutterstock 701942455 in Allianz kontra Autoindustrie: Forderung nach Treuhänder für Autodaten

Die Fülle an Daten, die moderne Autos erzeugen, gewinnen stetig an Bedeutung, sowohl für die Unfallaufklärung als auch für kommerzielle Angebote.

Joachim Müller, Chef des Allianz-Sachversicherungsgeschäfts in Deutschland, begründet das mit der Aufklärung von Unfallursachen. “Bei hochautomatisierten Fahrzeugen muss aufgeklärt werden können, wer für den Unfall verantwortlich ist, der Fahrer oder die Technik?”

Aufgrund der Bedeutung der Daten plädiere die Allianz dafür, “dass diese Daten an einen unabhängigen Treuhänder übertragen werden”, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. “Wichtig ist dabei, dass weder die Autohersteller, die Versicherer, noch andere beteiligte Interessengruppen einen exklusiven Zugang auf die Daten erhalten.”

Die Fülle an Daten, die moderne Autos erzeugen, gewinnen stetig an Bedeutung, sowohl für die Unfallaufklärung als auch für kommerzielle Angebote. Neben den großen Konzernen sind unter anderem ADAC, Tüv, Werkstätten, Zulieferer und IT-Branche interessiert. Allein die Bewegungsdaten eines Autos sind wertvoll – etwa für Parkplatz-Apps oder den Hinweis auf die nächst gelegene Werkstatt im Display.

In der Novelle des Straßenverkehrsrechts hatte der Bund 2017 den Einbau von Datenspeichern in automatisierte Fahrzeuge vorgeschrieben. “Der Gesetzgeber hat aber nicht ausreichend geregelt, wie diejenigen, die aufgrund Gesetz oder Einwilligung dazu berechtigt sind, Zugang zu diesen Daten bekommen”, sagte Müller.

Nach dem Konzept der Autoindustrie sollen die Daten auf sichere Server der Hersteller überspielt werden, Interessenten wie die Versicherer sollen dann auf dem Umweg über diese Server Zugriff erhalten. Das missfällt nicht nur den Versicherern, sondern auch dem Tüv – befürchtet wird, dass der Zugriff auf die Daten damit vom Wohlwollen der Hersteller abhängen würde.

Rechtliche Details sind offen

Nicht nur für die Versicherer, auch für die Justiz ist das automatisierte Fahren eine neue Herausforderung. Laut Rechtslage ist der Autohersteller für Fehler bei automatischer Steuerung verantwortlich, der Fahrer hingegen bei manueller Steuerung.

Die Details aber sind offen. “Der Gesetzgeber hat zu Recht bewusst keine genauen Vorgaben für die zulässige Ablenkung und Übernahmeprozedur vorgeschrieben”, sagte Müller. “So macht es einen gewaltigen Unterschied, ob der Fahrer mit 50 km/h auf einer Ringstraße unterwegs ist oder vor einer Schule. Wenn gerade Schulschluss ist und die Kinder alle über die Straße laufen, erwarten wir natürlich noch mal eine erhöhte Aufmerksamkeit.”

Teilverantwortung bleibt beim Fahrer

Auch beim automatisierten Fahren bleibe eine Teilverantwortung beim Fahrer, sagte Müller. “Dies gilt zumindest, solange noch ein Lenkrad im Fahrzeug ist.” Für die Fahrer gilt die Kfz-Haftpflicht, auch wenn ein Fahrzeug im Automatikmodus in einen Unfall verwickelt wird.

Langfristig erwartet die Allianz geringere Schäden, wenn sich das automatisierte Fahren durchsetzt. “Wir erwarten, dass die Entschädigungsleistungen in den nächsten 15 Jahren um sieben bis 16 Prozent zurückgehen werden, je nach Verbreitung der neuen Systeme.” (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

“Silver Surfer” erobern das WorldWideWeb

Die Digitalisierung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das ist eines der Ergebnisse der Studie “D21-Digital-Index 2018 / 2019”, die die Initiative D21 heute gemeinsam mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie präsentiert.

mehr ...

Immobilien

Dr. Klein: Boom im Osten, Rekorde im Norden

Ob nun Hamburg, Hannover, Berlin oder Dresden – im Norden und Osten der Bundesrepublik steigen die Immobilienpreise in allen Metropolregionen an. Trotzdem gibt es deutliche Preisunterschiede.

mehr ...

Investmentfonds

Kryptowährungen: Schwankende Coins an Gold binden

Seit jeher suchen Menschen Stabilität. Bei Währungen, der Basis unseres Wirtschafts- und sozialen Lebens ist dies nicht anders. Das hart verdiente und ersparte Geld soll nicht durch Inflation oder andere Unwägbarkeiten entwertet werden.

Gastbeitrag von Harald Seiz, Karatbars International GmbH

mehr ...

Berater

Kartellwächter: Mastercard muss Millionenstrafe zahlen

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen Verstößen gegen EU-Kartellvorschriften 570 Millionen Euro bezahlen. Das teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Auf den US-Konzern könnten zudem Schadenersatzklagen zukommen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Ernst Russ AG verliert beide Vorstände auf einen Schlag

Sowohl der Vorstandssprecher Jens Mahnke als auch Vorstandsmitglied Ingo Kuhlmann werden im Juni beziehungsweise Ende März aus der Ernst Russ AG (ehemals HCI Capital) ausscheiden. Ein bisheriges Aufsichtratsmitglied springt ein.

mehr ...

Recht

Pflegeunterhalt: Wenn Kinder für ihre Eltern haften

Die Deutschen werden immer älter. Damit wächst auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Die Kosten hierfür sind hoch. Vielfach benötigen Eltern in diesem Fall die finanzielle Hilfe ihrer Kinder. Für diesen Fall gibt es genaue Regeln, wie eine Übersicht des Arag-Rechtsschutzes zeigt.

 

mehr ...