Pflegereform: „Die Systemfrage muss gestellt werden“

Prof. Dr. Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung an der Universität Bremen, fordert die Diskussion über die Reform der Pflegeversicherung auszudehnen. Inhaltlich sei die Frage einer Reform der staatlichen Pflegepflichtversicherung nicht umfänglich genug. Warum er sich für die Aufhebung der Grenze von privater und sozialer Pflegepflichtversicherung einsetzt.

Pflegevorsorge in Deutschland: Privat und gesetzlich immer getrennt?

Unbestritten ist, dass das derzeitige Pflegesystem seine Grenzen längst erreicht hat. Seit einigen Monaten diskutiert Gesundheitsminister Jens Spahn unterschiedliche Ansätze zur Frage der künftigen Finanzierung von Pflegeleistungen. Nachdem sich im Januar bereits Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats, für die Zusammenlegung von Kranken- und Pflegeversicherung plädierte, erhält er nun prominente Unterstützung: Glaeske geht noch einen Schritt weiter als Wagner. Er fordert die Auflösung der Trennung privater und sozialer Pflegepflichtversicherung.

„Derzeit sind gesetzliche und private Pflegeversicherung streng getrennt, obwohl ihre jeweiligen Leistungen identisch sind.“

Dafür spricht in den Augen des Wissenschaftlers vor allem die Aufgabenzuweisung: Beide Systeme leisten am Ende dasselbe. Tatsächlich sieht er ein Ungleichgewicht zwischen den Personen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung. So beziehen Privatversicherte ein höheres Gehalt und hätten deshalb auch höhere Beiträge zu entrichten, so Glaeske gegenüber der Saarbrücker Zeitung.

Würde man nun beide Systeme zusammenlegen, dann hätte man eine nachhaltigere Finanzierung der Pflege. Im Unterschied zu den derzeitigen Reformansätzen sei dies insofern vorteilhaft, als dass eine Konzentration auf zusätzliche Steuermittel wie sie derzeit seitens der SPD vorgeschlagen nur kurzfristig hilft. (fm)

Foto: Shutterstock

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