„Die Regierung fährt auf Sicht“: DAV fordert nachhaltige Diskussion über Zukunft der Altersvorsorge

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Maximilian Happacher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DAV

Bei der gesetztlichen Rente fährt die Regierung auf Sicht. Dr. Maximilian Happacher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), drängte auf einer Pressekonferenz der DAV auf eine nachhaltige Reform des Altersvorsorgesystems. Zwar helfe übertriebener Alarmismus niemandem: "Die notwendigen Veränderungen des Alterssicherungssystems dürfen aber nicht von einer Regierungskommission in die nächste delegiert werden", sagte er.

So müsse nach Überzeugung der deutschen Aktuarinnen und Aktuare eine „unabhängige und ideologiefreie Debatte“ darüber geführt werden, wie das bislang dreisäulige Rentenkonzept in Anbetracht des demografischen Wandels und der voraussichtlich noch auf Jahre anhaltenden Tiefzinssituation weiterentwickelt werden könne. In der Rentenversicherung sei Nachhaltigkeit gefragt. Die Politik fahren bei der gesetzlichen Rente aber auf Sicht. Happacher kritisierte, dass die Neigungen, bequeme Lösungen zu finden, auf der politischen Ebene zu groß seien. Allerdings würden kurzfristige Reformen in 20 oder 30 Jahren zum Bumerang werden.

1970 waren 30 Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahren. Im Jahr 2021 sind es nunmehr rund 18 Prozent. Die Entwicklung habe zwangsläufig auch Folgen für die auf dem Umlageverfahren basierende Gesetzliche Rentenversicherung, so Happacher. Insofern müsse über die „Nachjustierung aller Stellschrauben“ der gesetzlichen Rentenversicherung gesprochen werden, ohne einerseits den sozialen Frieden hierzulande zu gefährden und andererseits die Sozialabgaben deutlich über 40 Prozent und die Steuerzuschüsse extrem steigen zu lassen.

Rente zukunftsfest machen

„Um die gesetzliche Rente zukunftsfest zu machen, werden alle Beteiligten Zugeständnisse machen müssen“, prognostiziert Happacher. Dazu gehöre auch eine „sachliche Diskussion“ darüber, welche Auswirkungen die weiter steigende Lebenserwartung auf das Renteneintrittsalter habe.

Daneben sieht die DAV auch politischen Handlungsbedarf in der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Nach der gescheiterten Riester-Reform hätten bereits viele Anbieter angekündigt, sich aus diesem Marktsegment und der Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung ganz oder teilweise zurückzuziehen.

„Dieser Leerraum muss gefüllt werden, um die erwartbaren Rentenlücken der nächsten Generationen zu schließen. Und die Pläne einer Deutschland-, Generationen- oder Aktienrente sind in ihrer bisherigen Form aus aktuarieller Sicht noch nicht die Lösung“, so Happacher. Denn all diese Konzepte würden ausschließlich die Ansparphase in den Blick nehmen, die hoch komplexe und vor allem jahrzehntewährende Auszahlungsphase aber außer Acht lassen.

Neue Wirklichkeiten am Kapitalmarkt

Zugleich seien aber auch die Bürgerinnen und Bürger gefordert, sich noch stärker auf die veränderten Kapitalmarktwirklichkeiten einzulassen. „Die alte Sparwelt wird es vielleicht nie wieder geben. Nur durch Investitionen in Substanzwerte wie Aktien oder Immobilien können künftig Renditen oberhalb der Inflation erzielt werden“, so Happacher weiter. Diese Aussage bleibe auch vor dem Hintergrund der heftigen Kapitalmarktschwankungen des vergangenen Jahres richtig. Insofern sei es positiv, dass die Aktienbesitzquote hierzulande zuletzt gestiegen sei.

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