Cybersicherheit: Das unterschätzte Risiko

Foto: Alexander von Spreti, München
Ole Sieverding, Geschäftsführer Cyberdirekt

Das Risiko eines Cyberangriffs ist sehr hoch, die Schäden können für Firmen existenzbedrohend sein. Und obwohl 48 Prozent aller Mittelständler einen Cyberangriff fürchten, ist die Absicherungsquote mit 21 Prozent viel zu gering. Eine komplexe, erklärungsbedürftige Produktwelt trifft auf ein immer noch fehlendes Verständnis für die Gefahren und ihr Schadenpotenzial. Von Jörg Droste, Cash.

Cybercrime scheint ein lohnendes Geschäft: 143.363 Delikte listet das Bundeslagebild Cybercrime des BKA für das Jahr 2021. Umgerechnet sind das etwa 392 Attacken pro Tag. Heißt: 392-mal wurden Firmen und Unternehmen hierzulande auf digitalem Wege angegriffen. Ein Anstieg von rund zwölf Prozent gegenüber 2020. Die Schäden, die diese Angriffe verursachten, lagen bei etwa 223,5 Milliarden Euro, schätzt der Branchenverband Bitkom. Das Bundeskriminalamt zeigt sich hochalarmiert.

„Und durch den Ukraine-Krieg spitzt sich die Lage weiter zu“, sagt Normen Klöpperpieper, Leiter des Kanals Partner für Finanzdienstleistungen bei IT-Sicherheitsunternehmen Perseus. Spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 besteht die reale Gefahr, dass sich der Krieg, der auch im Netz geführt wird, über die beiden Länder ausdehnt. Die Entwicklungen haben das Potenzial, als weiterer Katalysator für Cybercrime zu dienen, befürchtet das BKA.

Und auch die BaFin und der GDV sehen die Entwicklung kritisch und warnen die Wirtschaft. Laut dem aktuellen Risk Barometer der Allianz aus dem Jahr 2022 rangieren Cyber Incidents weltweit unter den Top Drei der wahrgenommenen Risiken. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Gothaer KMU-Studie, die der Versicherer Anfang Juni 2022 veröffentlicht hatte. Danach ist in den vergangenen fünf Jahren das Bewusstsein für das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, kontinuierlich gestiegen. Während 2017 lediglich 32 Prozent der befragten KMUs die digitale Gefährdung als größtes Risiko einschätzten, sind es mittlerweile 48 Prozent.

Das Risiko wird kaum wahrgenommen

Paradox ist in dem Zusammenhang aber, dass viele Unternehmen zwar das Risiko wahrnehmen, sich selbst allerdings für weniger gefährdet halten. „Hier folgen oftmals die Argumente, dass das eigene Unternehmen zu klein sei, um in das Visier von Cyberkriminellen zu geraten. Außerdem seien die eigenen Daten nicht interessant; oder man verlässt sich auf den Schutz, den man durch technische Aspekte umgesetzt hat. All diese Annahmen führen zu einem verfälschten Sicherheitsgefühl und eröffnen Lücken, die nur allzu gern von kriminellen Hackern ausgenutzt werden“, erklärt Perseus-Cyberexperte Klöpperpieper.

Seite 2: Herausforderung: Beratung zum Thema Cybersicherheit

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