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1. Februar 2013, 09:00
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Rendite-Risikoprofil: Mehr als 50 Prozent Aktien ist ungesund

Eine Rendite über der Inflationsrate ist auch 2013 möglich. Ein gut aufgestelltes Portfolio umfasse Staatsanleihen aus den Euro-Krisen-Ländern, die nach ihrem Absturz Kurspotential hätten, Unternehmensanleihen und Aktien.

Marktkommentar von Oliver Heidecker, Johannes Führ Asset Management GmbH

Rendite

Oliver Heidecker, Johannes Führ AM: “Die begonnenen Reformen der hochverschuldeten Länder müssen weiter fortgesetzt werden.”

Das Wirtschaftswachstum in Europa ist gering, auch in den USA und Japan liegen die Erwartungen bei rund zwei Prozent.

Diese Länder und Regionen kämpfen mit ihrer hohen Staatsverschuldung und haben noch einige Hausaufgaben zu bewältigen. China wird dieses Jahr voraussichtlich sieben bis acht Prozent Wachstum generieren.

Auch Südamerika entwickelt sich wieder besser: Das im Dezember 2012 geschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EU, Kolumbien und Peru wird weitere Impulse für die Region bringen. Es gibt also Regionen, in denen der Anleger gesundes Wachstum vorfindet.

Zusätzlich hat Nordamerika aus unserer Sicht großes wirtschaftliches Potenzial. Erstens gibt es deutliche Anzeichen für eine Besserung am Häusermarkt, welcher für die konsumgetriebene US-Wirtschaft von erheblicher Bedeutung ist.

Zweitens könnte die neue US-Energiepolitik mit neuen Erdgas- und Erdöl-Förderungstechniken zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und neuer Wettbewerbsfähigkeit der Schwerindustrie führen.

Aktienquoten über 50 Prozent bieten kein gesundes Rendite-Risikoprofil

Aufgrund der Zinsentwicklung haben Aktien zurzeit ein attraktives Rendite-Risikoprofil. Auch nach der starken Performance der vergangenen Monate gibt es noch viele interessante Titel mit attraktiver Bewertung.

Allerdings wird die Entwicklung der Aktienmärkte im Jahr 2013 stark von der europäischen Staatschuldenkrise und der US-amerikanischen Haushaltssituation beeinflusst.

Falls die Politik die richtigen Entscheidungen trifft, sind ein wirtschaftlicher Aufschwung in den USA und auch in Teilen Europas, und damit verbunden weiter steigende Aktienkurse, durchaus vorstellbar.

Der Anfang der Berichtssaison sieht bereits vielversprechend aus. Wir reden hier jedoch lediglich von einer erhöhten Aktienquote.

Qualitativ hochwertige Unternehmens- und Staatsanleihen haben weiterhin einen festen Stellenwert im Portfolio. Aktienquoten von 50-60 Prozent, wie sie zurzeit oft propagiert werden, haben für uns nichts mit einem gesunden Rendite-Risikoprofil zu tun. Dafür gibt es zu viele offensichtliche Risiken.

Unser Basisszenario: niedrige Zinsen, hohe Liquidität durch Zentralbanken

Unser Basisszenario besteht weiterhin aus niedrigen Zinsen und der Bereitstellung von hoher Liquidität durch die Zentralbanken, sowohl in Europa, in den USA, in Japan und auch in China.

Die begonnenen Reformen der hochverschuldeten Länder müssen weiter fortgesetzt werden. Dabei spielen in Europa die weitere Entwicklung in Frankreich, die Wahlen in Italien sowie die nächste Haushaltsdebatte bezüglich der Fiskalklippe in den USA wichtige Schlüsselrollen.

Eine Einigung im US-Haushaltsstreit ist ein wichtiger Bestandteil der weiteren Erholung der Weltwirtschaft. Es ist durchaus denkbar, dass es bis zu einer endgültigen Entscheidung im März an den Kapitalmärkten zu Verunsicherungen kommt. Dennoch erwarten wir am Ende einen Kompromiss beziehungsweise eine Einigung.

Euro legt zu: Spanien und Italien als mögliche Überraschungskandidaten

Die Tatsache, dass der Euro in den letzten sechs Monaten fast zehn Prozent an Wert gegenüber dem US- Dollar zulegen konnte, belegt das wachsende Vertrauen der Investoren in Europa.

Natürlich beruht dieses Vertrauen auch auf den Aussagen von Mario Draghi bezüglich des Ankaufs europäischer Staatsanleihen. Wichtig ist, dass diese Zusagen der EZB nicht zu Einschränkungen beziehungsweise zur Beendigung der begonnenen Reformen führen.

Besonders Frankreich und Italien müssen diesbezüglich ihre Hausaufgaben machen. Wenn dies geschieht, sind wir zuversichtlich für Spanien und Italien. Sie könnten dann die Märkte mit einer besseren Wirtschaftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte überraschen.

Deutschland ist kein Vorbild

Deutschland ist gut aufgestellt, aber dennoch kein großes Vorbild, wie manche meinen. Wenn man sich die Entwicklung der deutschen Staatsverschuldung in den letzten 30 Jahren anschaut, gibt es keinen Grund, von Deutschland aus Ratschläge zu erteilen.

Auch die deutsche Staatsverschuldung ist deutlich zu hoch und nur aufgrund der niedrigen Zinsen noch kein gravierendes Problem. Bundesanleihen sind mit ihrer heutigen Rendite nur relativ betrachtet eine attraktive Anlage.

Ohne Niedrigzinspolitik und Staatsschuldenkrise könnte auch die Bundesregierung gezwungen sein, einen höheren Zinssatz anzubieten. Steigende Zinskosten könnten dann sehr schnell deutlich machen, dass auch die deutsche Staatsverschuldung nicht zum guten Vorbild taugt.

Oliver Heidecker ist Mitglied des Portfolio-Managements bei der Johannes Führ Asset Management GmbH.

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