28. März 2014, 08:39

LV-Todesfallleistung: Erben versus Bezugsberechtigte

Im ersten Teil dieses Beitrags wurde erläutert, wie Erben das Bezugsrecht in einer Lebensversicherung widerrufen können und damit die Todesfallleistung in die Erbmasse fällt. Wird allerdings mittels einer Lebensversicherung der Großteil des Vermögens zuungunsten der Erben verschoben, so stehen diese nicht schutzlos dar.

Gastbeitrag von Jens Reichow, Kanzlei Michaelis

Rückkaufswert

“Durch den Abschluss einer reinen Risikolebensversicherung könnte dem Bezugsberechtigten der Ertrag (Zinsen und Überschussbeteiligung) und anteilig auch die Prämien – je nach Vertragslaufzeit bis zum Tode – zugesprochen werden, ohne dass Pflichtteilsberechtigte Zugriff haben würden.”

Im letzten Artikel wurde gezeigt, dass der Schenkungsvertrag zwischen Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigtem in notarieller Form geschlossen wird, um damit den gesetzlichen Formvorschriften zu genügen, sodass ein Widerruf der Erben nicht mehr möglich ist.

Wird also mittels einer Lebens- oder Rentenversicherung der Großteil des Vermögens zulasten der Erben verschoben, stehen diese jedoch nicht schutzlos dar. Sie können immer noch die Erbschaft ausschlagen und ihren Pflichtteilsanspruch geltend machen, soweit sie pflichtteilsberechtigt sind.

Pflichtteilsergänzungsanspruch: Schenkungen berücksichtigt

Zwar richtet sich der Pflichtteilsergänzungsanspruch grundsätzlich gegen die Erbmasse, erfolgte Schenkungen (beispielsweise in Form des Bezugsrechtes einer Lebensversicherung) sind jedoch anzurechnen.

Reicht die Erbmasse nicht aus, um diese Ansprüche des Pflichtteilsberechtigten zu befriedigen, so steht dem Pflichtteilsberechtigten auch gegenüber dem Beschenkten ein Pflichtteilsergänzungsanspruch nach Paragraf 2325 BGB zu. Dieser richtet sich also direkt gegenüber dem Bezugsberechtigten der Lebensversicherung.

Wert der Schenkung: LV-Rückkaufswert zum Todeszeitpunkt

Der Wert die Schenkung des Bezugsrechtes richtet sich nach dem Rückkaufswert der Lebensversicherung zum Todeszeitpunkt. Seine Rechtsprechung, wonach die eingezahlten Prämien maßgeblich seien, hat der BGH in seinem Urteil vom 28. April 2010 (Az.: IV ZR 73/08) aufgegeben und stattdessen auf den Rückkaufswert der Lebensversicherung zum Zeitpunkt des Todes abgestellt.

Damit steht dem Pflichtteilsberechtigten im Wesentlichen der gesamte Wert der Versicherung zur Verfügung.

Fraglich ist jedoch, wie jetzt der Wert einer Lebensversicherung zu bestimmen ist, welche über keinen Rückkaufswert verfügt (beispielsweise Risikolebensversicherungen). Da ein Rückkaufswert nicht besteht, kann die Schenkung trotzdem nicht wertlos sein.

Seite zwei: Kein Rückkaufswert: Rückgriff auf eingezahlte Beiträge

Weiter lesen: 1 2


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Brexit: Blau direkt rechnet mit großen Folgen bei angelsächsischen Versicherern

Der Brexit wird auch für die Versicherungswirtschaft weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur, dass zahlreiche Versicherer wie Standard Life oder Clerical Medical in Frage gestellt sind, auch zahlreiche deutsche Fondspolicenanbieter haben Ihr Fondsmanagement teils über London durchführen lassen, so der Lübecker Maklerpool Blau direkt. 

mehr ...

Immobilien

Pantera AG startet eigene Projekte

Die Pantera AG zieht eine positive Bilanz für die beiden abgelaufenen Geschäftsjahre 2014/2015. Neben dem Einzelvertrieb von Immobilien wurden auch die Entwicklung kompletter Immobilienprojekte für Dritte sowie der Globalverkauf an institutionelle Investoren gestartet.

mehr ...

Investmentfonds

Volks- und Raiffeisenbanken drohen höhere Kosten wegen des Zinstiefs

Deutschlands Volks- und Raiffeisenbanken müssen mit höheren Kosten wegen der extrem niedrigen Zinsen rechnen: Ab Anfang August werden sie für Geld, das sie bei ihrem Spitzeninstitut lagern, zur Kasse gebeten.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank dünnt Filialnetz aus und streicht 3.000 Stellen

Weniger Standorte, trotzdem mehr Beratung – so verkauft die Deutsche Bank die Einschnitte in ihrem Filialnetz. Nach langen Verhandlungen stehen erste Zahlen fest. Das Management hält den Sparkurs für alternativlos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Brexit: “Nicht einfach eine Tür, die zugeschlagen wird”

Die Anbieter von Sachwertanlagen bedauern, dass die Mehrheit der Briten gegen einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt hat. Mit Blick auf die eigene Branche könnte das Brexit-Votum zu weiter steigenden Anlagen im Bereich Sachwerte führen.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...