Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt 94 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro meldeten Insolvenz an. Das sind sieben Fälle mehr als im Vorjahr und ein Anstieg um acht Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade, der Großinsolvenzen seit 2015 systematisch auswertet.
Besonders stark betroffen war der Dienstleistungssektor. Hier verzeichnete Allianz Trade 14 Großinsolvenzen, darunter neun Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Ebenfalls deutlich unter Druck standen die Automobilbranche mit zwölf Fällen sowie die Chemie- und die Metallindustrie mit jeweils elf Insolvenzen. Es folgen das Baugewerbe mit zehn Fällen und der Einzelhandel mit neun Großpleiten.
Auch im internationalen Vergleich spielt Deutschland eine zentrale Rolle. Weltweit wurden 2025 insgesamt 475 Großinsolvenzen gezählt, ein neuer Negativrekord. Rechnerisch entspricht das einer Großpleite alle 18 Stunden. Deutschland steht dabei für rund 20 Prozent aller Fälle und zählt damit zu den wichtigsten Treibern der globalen Insolvenzdynamik.
Zweigeteiltes Jahr und starke Häufung im vierten Quartal
„Wenn es kracht, dann oft richtig. Wir sehen bereits seit vier Jahren deutlich ansteigende Großinsolvenzen, die 2025 den höchsten Stand seit 2015 erreicht haben – sowohl weltweit als auch in Deutschland“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Entwicklung innerhalb des Jahres sei dabei auffällig unterschiedlich verlaufen.
Während im ersten Halbjahr 2025 mit 30 Fällen noch ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu beobachten war, stieg die Zahl im zweiten Halbjahr deutlich an. Allein 64 Großinsolvenzen entfielen auf die zweite Jahreshälfte, davon 37 auf das vierte Quartal. Auch weltweit erreichte die Zahl der Großpleiten im vierten Quartal mit 147 Fällen einen neuen Höchstwert seit Beginn der Auswertungen.
Mit der steigenden Zahl großer Insolvenzen wächst auch das Risiko für die Lieferketten. „Das Problematische an vielen Großinsolvenzen ist der mögliche Dominoeffekt“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzanalyse bei Allianz Trade. Besonders kleine Unternehmen mit hoher Abhängigkeit von einzelnen Großkunden seien gefährdet.
Umsätze auf Rekordniveau, Deutschland gegen den Trend
Weltweit stieg der Gesamtumsatz der insolventen Großunternehmen 2025 um zwölf Prozent auf 208 Milliarden Euro. Die größten umsatzbezogenen Insolvenzen entfielen dabei auf die USA und China, die gemeinsam 17 der 20 größten Pleiten stellten. Entsprechend hoch fielen die Belastungen für Zulieferer aus.
In Deutschland zeigte sich hingegen eine leichte Entspannung beim Gesamtumsatz der betroffenen Unternehmen. Dieser sank von knapp 18 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf rund 12 Milliarden Euro. „Es gab 2025 zwar deutlich mehr Großinsolvenzen in Deutschland, aber die bei den Lieferanten dadurch verursachten Schäden gingen nach dem Höchststand 2024 zurück“, sagt Bogaerts.
Eine Entwarnung sei das jedoch nicht. Mit gut zwölf Milliarden Euro liege der Gesamtumsatz der insolventen Großunternehmen weiterhin auf dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2015. Unternehmen sollten daher ihr Risikomanagement weiter schärfen, auch bei großen und bekannten Geschäftspartnern.
Ausblick: Anstieg hält an, Erholung erst ab 2027
Nicht nur bei Großinsolvenzen, auch bei der Gesamtzahl der Unternehmenspleiten setzte sich der Aufwärtstrend 2025 fort. Weltweit stiegen die Insolvenzen um rund sechs Prozent, in Deutschland sogar um elf Prozent auf etwa 24.300 Fälle. Besonders starke Zuwächse verzeichneten unter anderem die Türkei, Hongkong, Griechenland, die Schweiz und Singapur.
Für 2026 erwarten die Experten von Allianz Trade einen weiteren, aber abgeschwächten Anstieg. Weltweit dürften die Insolvenzen um rund drei Prozent zulegen, in Deutschland um etwa ein Prozent auf rund 24.450 Fälle. Erst 2027 sei mit einer leichten Entspannung zu rechnen.
„2026 dürfte sich die Dynamik beim Anstieg der Unternehmensinsolvenzen etwas abflachen“, sagt Bogaerts. „Eine Trendwende und einen leichten Rückgang bei den Fallzahlen erwarten wir allerdings erst 2027.“ In Deutschland könnte die Erholung mit einem Rückgang um sechs Prozent etwas schneller einsetzen als im globalen Durchschnitt, allerdings von einem weiterhin hohen Niveau aus.















