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Altersvorsorgedepot: „Lieber unvollkommen starten als perfekt zögern“

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Teilnehmer des Altersvorsorgedepot-Roundtables
Foto: Dirk Beichert
Die Diskussionsteilnehmer (von links): Oliver-Alxander Elter, HDI Deutschland David Krahnenfeld, Ampega Martin Stenger, Franklin Templeton Michael Blümke, ETHENEA Thomas Buchholz, LV1871 Peter Härtling, DGFRP Andreas Morsh, DGFRP

Die Altersvorsorgereform könnte den deutschen Vorsorgemarkt grundlegend verändern. Kapitalmarkt, Wettbewerb und individuelle Verantwortung rücken stärker in den Mittelpunkt. Bei einem Expertengespräch im Vorfeld der DKM zeigt sich, welche Chancen und Herausforderungen auf Berater und Vermittler zukommen.

Herzlich willkommen zu unserem Vorgespräch zur DKM. In diesem Jahr dürfte es dort vor allem um drei Themen gehen: Altersvorsorge, Altersvorsorge und Altersvorsorge. Frühstartrente, Aktivrente und Altersvorsorgedepot bilden die zentralen Elemente der Reform. Ist das tatsächlich der große Paradigmenwechsel in Deutschland?

Härtling: Es könnte ein Paradigmenwechsel sein, wenn wir aus den Erfahrungen mit der Riester-Rente lernen. Millionen Verträge wurden abgeschlossen, viele bestehen heute nicht mehr. Gründe waren unter anderem intransparente Kosten und Produktgestaltungen, die nicht zu den Ergebnissen führten, die sich die Menschen vorgestellt hatten. Beim Altersvorsorgedepot müssen Verwaltung, Transparenz und Digitalisierung deshalb von Anfang an stimmen. Da die Verträge über Jahrzehnte laufen, brauchen wir eine dauerhafte, digital und künftig auch durch KI unterstützte Vermögensverwaltung.
Stenger: Der eigentliche Paradigmenwechsel beginnt eine Ebene darüber: Die Politik spricht endlich deutlich aus, dass die gesetzliche Rente allein nicht genügt, um den Lebensstandard zu sichern. Dafür braucht es gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge in der Zusammenschau. Zugleich entdeckt die Politik den Kapitalmarkt neu - nicht aus besonderer Sympathie für Fondshäuser, sondern weil die notwendige Rendite anders kaum zu erreichen ist. Entscheidend wird sein, eine deutlich höhere Marktdurchdringung als bei Riester zu erzielen. Gelingt das nicht, wächst der Druck auf den Staat, selbst stärker in die Produktwelt einzugreifen.
Krahnenfeld: Für mich ist es eindeutig ein Paradigmenwechsel. Staatlich geförderte private Altersvorsorge war bislang stets mit Garantie und Leibrente verbunden. Nun sagt die Politik erstmals: Wir wollen Kapitalmarkt und Rendite stärker in die Altersvorsorge integrieren und ermöglichen dafür eine Förderung ohne Garantiezwang. Das erhöht den Wettbewerb. Jeder kann vor allem zwei Faktoren beeinflussen: wie früh er beginnt und welches Renditepotenzial beziehungsweise Risiko er wählt. Ob jemand mit zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren startet, macht wegen des Zinseszinseffekts einen erheblichen Unterschied.
Blümke: Die Chance besteht darin, aus einem Volk der Sparer ein Volk der Investoren zu machen. Wir investieren nicht mehr nur in Sparbuch und Festgeld, sondern in Unternehmen und damit in produktives Kapital. Die Rendite können wir zwar nicht bestimmen, wohl aber das Risiko, das wir eingehen. Die erzielbare Rendite ist dann eine Funktion dieses Risikos. Insbesondere für die jüngere Generation eröffnet das die Möglichkeit, kapitalmarktbasiert vorzusorgen.Elter: Ich teile die Einschätzung, möchte aber die andere Seite betonen. Bisher gehörten zu geförderter Altersvorsorge eine Garantie und die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Mit dem neuen Modell werden Kapitalmarkt- und Langlebigkeitsrisiken stärker auf den Einzelnen verlagert. Es geht um einen essenziellen Teil der Alterssicherung, der im Ruhestand tatsächlich reichen muss. Deshalb muss den Menschen klar sein, welche Verantwortung sie übernehmen. Ein weitgehend beratungsfreies Vorgehen ist dabei nicht automatisch die beste Lösung.
Buchholz: Positiv sind die höhere Flexibilität und die einfachere Förderlogik. Bei Riester war die Verwaltung komplex; Zulagen wurden teilweise nicht abgerufen, und der administrative Aufwand verursachte Kosten. Künftig kann der Kunde eher entscheiden, ob er Garantien benötigt und wie die Auszahlung gestaltet werden soll. Beratung bleibt trotzdem wichtig und wird eher wichtiger: Neben dem neuen Depot bestehen Riester-, Basisrenten- und andere Vorsorgeverträge weiter. Der Berater muss die Gesamtsituation erfassen, Wünsche, Liquidität und bestehende Verträge einordnen und daraus eine langfristige Finanz- und Ruhestandsplanung ableiten.

„Es könnte ein Paradigmenwechsel sein, wenn wir aus den Erfahrungen mit Riester lernen.“ - Peter Härtling

Bedeutet die größere Freiheit also zugleich, dass Beratung wichtiger wird?
Stenger: Ja, auch weil der Markt der Anbieter breiter wird. Versicherer, Banken, Direktbanken, digitale Plattformen und möglicherweise weitere branchenfremde Unternehmen werden Kunden ansprechen. Das Thema wird so präsent sein wie nie. Entscheidend ist daher, wie sich Beratung positioniert - ob durch Ausschließlichkeit, Makler, Vertriebsorganisation oder Bank. Außerdem wird beim Entsparen oft übersehen, dass der Auszahlplan nicht zwingend mit 85 enden muss; möglich sind auch 90 oder 95 Jahre. Gerade solche Entscheidungen verlangen eine realistische Betrachtung der Lebenserwartung und der gesamten Versorgungssituation.
Krahnenfeld: Die drei Säulen dürfen nicht getrennt betrachtet werden. Ein bestehender Vertrag, die Situation rentennaher Jahrgänge und die Ruhestandsplanung lassen sich nicht mit drei Klicks lösen. Beratung wird nicht zum Verlierer, nur weil es günstige digitale Angebote gibt. Berater müssen allerdings ihre Kompetenz sichtbar machen und sich entsprechend qualifizieren. Das Altersvorsorgedepot ist eine Chance, die private Vorsorge in die Breite zu tragen. Gelingt das der Branche nicht, wird der Ruf nach einer staatlichen Lösung lauter.
Buchholz: Zur ganzheitlichen Beratung gehören auch biometrische Risiken. Die höchste Förderung hilft wenig, wenn der Kunde berufsunfähig wird und seine Beiträge bis zum Renteneintritt nicht mehr zahlen kann. Ausgangspunkt müssen Wünsche und Bedürfnisse des Menschen sein, nicht das Produkt. Erst daraus ergibt sich, welche Kombination aus Vorsorge, Risikoabsicherung und Liquidität sinnvoll ist.

„Die Ausgangslage hat sich gegenüber den Neunzigerjahren deutlich verbessert.“ - Andreas Morsh

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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