Atradius: Deutschlands Unternehmen blicken mit großer Sorge auf 2024

Mann im Anzug und Regenschirm sucht Schutz vor Unwetter
Bildagentur PantherMedia / Robert Neumann
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist besorgniserregend

Da braut sich etwas zusammen. Deutschlands Unternehmen blicken mit großer Sorge auf das nächste Jahr: 88 Prozent der Unternehmen bewerten die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr eher trübe, erwarten mehrheitlich eine Stagnation oder gar Rezession.

Das ergab eine Umfrage des internationalen Kreditversicherers Atradius unter mehr als 480 Firmen. „Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist besorgniserregend. Hält dieses Klima noch über einen längeren Zeitraum an, wird es für den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich schwerer, erfolgreich zu bleiben“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland beim Kreditversicherer Atradius. 

54 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine Stagnation der Konjunktur und 34 Prozent eine Rezession. Lediglich zwölf Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Erholung. Als größte Herausforderungen sieht die Wirtschaft nach wie vor die anhaltend hohen Energiekosten, den Fachkräftemangel, die Inflation, die geopolitischen Entwicklungen sowie die schwache Konjunktur. „Die Wirtschaft tut ihr Möglichstes, um Produktionsstandorte und Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, doch die Politik muss dafür verlässliche Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Liebold.  

Fachkräftemangel bereitet der Wirtschaft erhebliche Probleme

Insbesondere der Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen inzwischen ein Problem. Nur etwas mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen (37 Prozent) gab an, den Mitarbeiterbedarf decken zu können. 14 Prozent dagegen können es nicht und knapp die Hälfte nur zu einem Teil. „Deutschland braucht gut geschulte Arbeitskräfte dringender denn je. Die Zuwanderung qualifizierter Personen ist zwingend notwendig, um den Mangel an Nachwuchs in Deutschland auszugleichen“, so der Atradius Deutschland-Chef weiter.

Rohstoffmangel drückt, Insolvenzgefahr steigt

Auch auf der Rohstoffseite stehen die Zeichen nach Ansicht der Unternehmen nicht auf Entspannung. 59 Prozent erwarten eine Stagnation der Rohstoffpreise auf dem aktuellen Niveau. 34 Prozent gehen gar von einer Steigerung der Rohstoffpreise aus. Lediglich sieben Prozent rechnen mit einem Rückgang. 

Bei der Frage, in welchen Branchen die Unternehmen im Jahr 2024 überdurchschnittlich viele Insolvenzen erwarten, nannten die befragten Firmen vornehmlich die Baubranche, die Gastronomie und den Einzelhandel. „Damit setzt sich ein Trend fort, der sich schon in diesem Jahr abgezeichnet hat“, so der Atradius-Manager und ergänzt: „Die genannten Branchen haben auch 2023 bereits mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen gehabt. Daran wird sich auch im kommenden Jahr nichts ändern.“

Unzureichende Nutzung von künstlicher Intelligenz

Bemerkenswertes Ergebnis der Umfrage: Obwohl künstliche Intelligenz (KI) derzeit das alles beherrschende Thema ist, ist es für die befragten Unternehmen offenbar noch Neuland. Weniger als ein Prozent der über 480 befragten Unternehmen nutzt KI intensiv. Dagegen geben 44 Prozent an, KI gar nicht zu benutzen und 42 Prozent nur kaum. „Diese Technologie verändert die Wirtschaftswelt grundlegend. Umso wichtiger ist es, dass sich die deutschen Unternehmen damit verstärkt auseinandersetzen, sonst geraten sie im weltweiten Wettbewerb ins Hintertreffen“, betont Liebold. Trotz dieses mageren Ergebnisses im Bereich künstlicher Intelligenz sehen sich knapp 40 Prozent der Unternehmen gut bis sehr gut im Bereich Digitalisierung aufgestellt. 

Einhaltung von ESG-Kriterien von geringem Interesse

Interessant ist laut der Umfrage zudem, dass – trotz aller öffentlichen Debatten und der bereits bestehenden Berichtspflicht der ESG-Standards (Environmental, Social und Governance) – von Unternehmen, öffentlichen Körperschaften, Regierungen und Behörden – dieses Thema bei den befragten Unternehmen kaum eine Rolle spielt. Nur 16 Prozent von ihnen prüfen, ob ihre Kunden oder Lieferanten ESG-Kriterien einhalten. 54 Prozent prüfen dies nicht,  30 Prozent jedoch gaben an, dies in Zukunft zumindest tun zu wollen.

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