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„Benefits werden verkauft, aber nicht gesteuert“: Warum eine neue Beratungsgesellschaft antritt

Bernd Steinhart
Foto: Florian Sonntag
Bernd Steinhart

Benefits sollen Arbeitgeber attraktiver machen, erzeugen in der Praxis aber oft mehr Komplexität als Wirkung. Im Cash.-Interview erklärt der Gründer der "Benefitstrategen", Bernd Steinhart, wo er strukturelle Defizite im Markt sieht – und wie strategische Benefit-Beratung diese schließen soll.

Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt, mit den „Benefitstrategen“ eine eigene Beratungsgesellschaft zu gründen – und welches Problem im Markt wollen Sie damit lösen?

Steinhart: Der richtige Zeitpunkt ist genau jetzt, weil die bisherigen Angebote nicht mehr funktionieren. Arbeitgeber stehen unter enormem Handlungsdruck, während Benefits im Markt noch immer überwiegend operativ, produktgetrieben und isoliert gedacht werden. Das Ergebnis ist eine hohe Komplexität bei gleichzeitig überschaubarem Nutzen – sowohl für Arbeitgeber als auch für Mitarbeitende. In vielen Gesprächen habe ich erlebt, dass Benefits zwar verkauft, aber nicht wirklich gesteuert werden. Es gibt bAV-Lösungen, hier ein Gesundheitsbaustein, dort ein Zuschuss – aber selten eine klare strategische Klammer. Arbeitgeber wissen oft nicht, welche Wirkung ihre Investitionen tatsächlich entfalten. Genau dieses strukturelle Defizit werde ich lösen. Die „Benefitstrategen“ positionieren sich bewusst als strategische Instanz zwischen Arbeitgeber, Produktwelt und Umsetzung. Unser Anspruch ist es, Ordnung in ein zunehmend unübersichtliches Feld zu bringen.

Worin unterscheidet sich Ihr Ansatz von klassischen bAV-Beratern oder Maklerhäusern?

Steinhart: Der Unterschied liegt weniger im „Was“ als im „Warum“. Klassische bAV-Beratung und Maklerhäuser leisten fachlich wichtige Arbeit, denken jedoch zwangsläufig vom Produkt und von der Umsetzung her. Das ist legitim – beantwortet aber nicht die zentrale Frage des Arbeitgebers: Welche Benefits brauche ich eigentlich – und wozu? Wir setzen deutlich früher an. Bevor über Durchführungswege, Tarife oder Anbieter gesprochen wird, klären wir strategische Grundsatzfragen: Welche Rolle sollen Benefits im Unternehmen spielen? Welche Zielgruppen gibt es in der Belegschaft? Welche finanziellen und organisatorischen Leitplanken gelten? Erst daraus leiten wir konkrete Lösungen ab. Das ist auch eine klare Abgrenzung: Wir sind kein zusätzlicher Produktkanal, sondern ein strategischer Sparringspartner. Für Makler und Versicherer wird das übrigens ein echter Mehrwert sein, weil sauber strukturierte Arbeitgeberkonzepte die spätere Umsetzung deutlich effizienter und nachhaltiger machen.


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Sie sprechen von einer strategischen Beratung rund um Benefits: Welche Themenfelder stehen zum Start besonders im Fokus – und warum?

Steinhart: Zum Start fokussieren wir uns bewusst auf drei Bereiche, in denen der größte Handlungsbedarf besteht. Erstens die betriebliche Altersversorgung. Sie ist nach wie vor der wichtigste Benefit, wird falsch umgesetzt und häufig verwaltet statt gestaltet. Viele Modelle sind historisch gewachsen, kommunikativ schwach und strategisch nicht eingebettet. Hier setzen wir an – mit klarer Zieldefinition und zeitgemäßen Konzepten. Zweitens flexible Benefit-Systeme. Die Idee „ein Benefit für alle“ ist aus meiner Sicht überholt. Belegschaften sind heterogener denn je, Lebensphasen und Bedürfnisse unterscheiden sich massiv. Arbeitgeber brauchen steuerlich saubere, administrierbare Wahlmodelle statt weiterer Einzellösungen. Drittens die Benefit-Kommunikation. Das ist ein Punkt, den der Markt systematisch unterschätzt. Ein Benefit, den Mitarbeitende nicht verstehen, ist kein Benefit – sondern ein Kostenfaktor. Deshalb denken wir Kommunikation nicht als Beiwerk, sondern als integralen Bestandteil jeder Benefit-Strategie.

Was müssen Arbeitgeber 2026 aus Ihrer Sicht zwingend tun, um ihre Benefit-Strategie zukunftsfest und attraktiv aufzustellen?

Steinhart: Arbeitgeber müssen Benefits strategisch führen – nicht nur verwalten. Wer 2026 noch glaubt, mit einzelnen Maßnahmen oder „Standardpaketen“ attraktiv zu sein, wird im Wettbewerb um Fachkräfte verlieren. Es braucht klare Ziele, Prioritäten und Verantwortlichkeiten auf Managementebene. Zudem müssen bestehende Benefit-Landschaften kritisch hinterfragt werden: Passen sie noch zur Belegschaft? Werden sie aktiv genutzt? Und vor allem: Können Mitarbeitende den Wert überhaupt nachvollziehen? Transparenz und Verständlichkeit werden aus meiner Sicht entscheidender sein als immer neue Leistungen. Die Zukunft gehört Arbeitgebern, die Benefits als Investition mit klarer strategischer Rendite begreifen. Und genau dabei unterstützen wir mit den „Benefitstrategen“.

Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.

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