Clarity Act stockt: Was die US-Zwischenwahlen für den Kryptomarkt bedeuten

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Auswirkungen der Midterms auf den Kryptomarkt
Bild: KI-generiert
Was US-Midterms, Clarity Act und SEC-Kurs für die Regulierung digitaler Vermögenswerte und institutionelle Anleger bedeuten.

Die US-Zwischenwahlen könnten die Debatte über die Regulierung digitaler Vermögenswerte beeinflussen. Eine schnelle Änderung der Regeln ist laut 21shares-Stratege Adrian Fritz jedoch nicht zu erwarten. Entscheidend sind auch die Mehrheiten im Senat und der Kurs der SEC.

Investitionsausschüsse und institutionelle Anleger, die eine Erstallokation in digitale Vermögenswerte evaluieren, stellen sich im Hinblick auf die US-Zwischenwahlen im November 2026 vor allem eine Frage: Werden die Midterms die regulatorischen Spielregeln für Krypto entscheidend verändern?

Die kurze Antwort lautet: Nicht in dem Ausmaß, wie oft vermutet wird. Auch wenn politische Verschiebungen in Washington aufmerksam beobachtet werden, zeichnet sich bei genauerer Betrachtung ab, dass die Wahlen selbst das fundamentale Regelwerk kaum spürbar erschüttern dürften. Es ist für strategische Entscheider deutlich gewinnbringender, die konkreten Szenarien je nach Wahlausgang zu analysieren und jene regulatorischen Pfeiler zu betrachten, die völlig unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen im Kongress bestehen bleiben.


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Der Clarity Act vor der Pause: Warum der Gesetzgebungsprozess stockt 

Der Digital Asset Market Clarity Act („Clarity Act“) sollte die alltägliche Aufsicht über den Großteil des Handels mit digitalen Rohstoffen - also Krypto-Assets, die regulatorisch eher wie Gold oder Rohöl und nicht wie klassischen Unternehmensaktien behandelt werden - primär aus dem Zuständigkeitsbereich der Wertpapieraufsicht SEC herauslösen. Am 15. September 2026 geriet die Gesetzesinitiative im Senat jedoch vorerst ins Stocken. Bei einer Abstimmung zur Beendigung der Debatte (Cloture) verfehlte der Entwurf mit 49 zu 50 Stimmen die notwendige Supermehrheit von 60 Stimmen - obwohl die Republikaner 53 Sitze hielten.[1]

Ausschlaggebend für das Scheitern waren zwei Themenkomplexe, die wenig mit der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie zu tun hatten. Zum einen ging es um strenge Ethikregeln bezüglich privater Krypto-Bestände von Regierungsbeamten. Zum anderen entbrannte eine Debatte über Rendite-Mechanismen bei Stablecoins - also digitalen Token, die an den Wert einer Fiat-Währung gekoppelt sind. Regionale US-Banken intervenierten mit dem Argument, dass attraktive Stablecoin-Renditen den Abfluss von Kundeneinlagen aus dem traditionellen Bankensystem beschleunigen könnten. Zwar hat Senator Thom Tillis einen Formalantrag zur Neubeurteilung eingereicht, doch realistisch betrachtet gilt der Entwurf bis zum Zusammentritt des 120. US-Kongresses im Januar 2027 als blockiert.[2]

Republikanischer Kongress vs. Demokratisches Repräsentantenhaus 

Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus erobern, dürften Gesetzesentwürfe zur Krypto-Marktstruktur im neuen Kongress mit deutlich strengeren Vorgaben zum Verbraucherschutz, zu Interessenkonflikten sowie zu Offenlegungspflichten im Bereich Decentralized Finance (DeFi) versehen werden. Unter DeFi versteht man Finanzdienstleistungen wie Kreditvergabe oder Handel, die direkt über Blockchain-Protokolle anstelle von Banken oder Brokern abgewickelt werden. Zudem würden parlamentarische Anhörungen und Rechenschaftsforderungen gegenüber der SEC zunehmen. Dennoch bleiben die bereits etablierten Auslegungs- und Ausnahmeregelungen der Aufsichtsbehörde von einer geänderten Mehrheitsverteilung im Kongress unberührt.

Behalten die Republikaner hingegen die Mehrheit in beiden Kammern, würde dies den politischen Reibungsverlust reduzieren und Nominierungen für vakante SEC-Posten beschleunigen. Eine breite Mehrheit erhöht die Chance, dass ein Gesetzentwurf im Jahr 2027 dem aktuellen Text ähnelt. Allerdings hebt auch eine republikanische Mehrheit das Erfordernis von 60 Stimmen im Senat nicht auf. Weder Demokraten noch Republikaner werden diese Schwelle nach den Midterms allein überschreiten können.

Warum das Fundament der SEC-Regulierung stabil bleibt

Unabhängig vom Ausgang der Wahlen lässt sich beobachten, dass die SEC ihren Kurs fortsetzt: Weg von einer „Regulation by Enforcement“ - also der Setzung von Präzedenzfällen durch gezielte Einzelklagen gegen Krypto-Unternehmen - und hin zu verlässlichen Auslegungs- und Ausnahmeregelungen (Interpretive and Exemptive Framework).

Da dieses Auslegungsframework auf bestehenden gesetzlichen Befugnissen basiert und kein neues Bundesgesetz erfordert, wird es durch Machtwechsel im Kongress nicht automatisch infrage gestellt. Dies gilt insbesondere für die Klarstellung der SEC, mit der wesentliche digitale Assets nicht als Wertpapiere, sondern als digitale Rohstoffe eingestuft wurden. Für institutionelle Gremien ist daher weniger der Ausgang der Zwischenwahlen der entscheidende Faktor, sondern vielmehr die personelle Zusammensetzung und Führung der SEC, die primär vom Zeitpunkt von Nominierungen und Rücktritten abhängt.

Was bedeuten diese Entwicklungen für Investoren?

Um das Marktumfeld präzise zu bewerten, blicken professionelle Anleger verstärkt auf fundamentale On-Chain-Daten und Bewertungsmetriken, die Aufschluss über die Netzwerkgesundheit geben:

  • Hashrate: Die gesamte Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk. Eine kontinuierlich steigende Hashrate sichert die Proof-of-Work-Infrastruktur gegen Angriffe ab und signalisiert anhaltende Investitionen der Minenbetreiber in die physische Hardware.[3]
  • Realized Price-to-Liveliness Ratio: Dieses Verhältnis setzt den realisierten Preis (die durchschnittliche Basis der Anschaffungskosten aller im Umlauf befindlichen Coins) ins Verhältnis zur Netzwerkaktivität (Liveliness). Es dient als verlässlicher Indikator dafür, ob Langzeithalter (HODLer) ihre Bestände akkumulieren oder gewinnbringend liquidieren - ein zentraler Baustein zur Bestimmung makroökonomischer Bewertungsniveaus.

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Die Bitcoin-Hashrate (blau) im Vergleich zum aktuellen Bitcoin-Preis (schwarz). Eine steigende Hashrate deutet unabhängig vom Kurs auf eine steigende Aktivität im Bitcoin-Netzwerk hin.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen in den USA mögen sich politisch verlangsamen, doch die operative und technische Dynamik der Krypto-Märkte bleibt ungebrochen. Institutionelle Anleger finden in dem bestehenden SEC-Framework und den kontinuierlich nachgewiesenen Fundamentaldaten ausreichende Transparenz für langfristige Allokationsentscheidungen.

Autor Adrian Fritz ist Vice President und Chief Investment Strategist des Krypto-ETP-Emittenten 21shares.

[1] https://aminagroup.com/research/clarity-act-september-2026-why-the-senate-vote-failed-what-regulates-us-crypto-now/

[2] https://www.dlapiper.com/en/insights/publications/2026/09/senate-fails-to-advance-the-clarity-act

[3] https://www.blockchain.com/de/explorer/charts/hash-rate

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