Bitkom warnt vor KI-Phishing und Deepfake-Betrug

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Angestellter blickt nachts im leeren Büro auf einen Laptop mit einem verschwommenen Videoanruf-Fenster.
KI-generiert mit OpenAI
Gefälschte Videoanrufe vermeintlicher Vorgesetzter zählen laut Bitkom zu den neuen Betrugsmaschen.

Laut einer neuen Bitkom-Studie wurde in den vergangenen zwölf Monaten jeder elfte Internetnutzer in Deutschland Opfer von KI-manipulierten Videos, Fotos oder Sprachnachrichten - dreimal so viele wie im Vorjahr. Insgesamt waren 64 Prozent von Cyberkriminalität betroffen. Nur wenige erstatten Anzeige.

Die vermeintliche Tochter ruft weinend an und braucht sofort Geld. Ihre Stimme klingt täuschend echt, stammt aber von einer Künstlichen Intelligenz. Der klassische Enkeltrick mit KI-Stimme ist dabei nur ein Beispiel von vielen: Jeder elfte Internetnutzer in Deutschland wurde in den vergangenen zwölf Monaten mit einem gefälschten Video, Foto oder einer Sprachaufnahme getäuscht. Vor einem Jahr waren es erst drei Prozent. Das zeigt eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom zur Cyberkriminalität unter 1.126 Personen ab 16 Jahren. Der Verband stellte sie am 26. Oktober 2026 in Berlin vor, kurz vor der IT-Sicherheitsmesse it-sa 2026. KI-Phishing und Deepfake-Betrug stehen dabei für eine Entwicklung, die die Zahlen deutlich machen: Künstliche Intelligenz macht altbekannte Betrugsmaschen glaubwürdiger.

Insgesamt waren binnen zwölf Monaten 64 Prozent der Befragten von Cyberkriminalität betroffen, nach 61 Prozent im Vorjahr. Bitkom-Vorstandsmitglied Susanne Dehmel ordnet den Anstieg so ein: „Cyberkriminelle nutzen alle technischen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Und Künstliche Intelligenz macht Betrug leichter und glaubwürdiger.“ Eine bekannte Stimme oder ein täuschend echt wirkender Videoclip lasse bei vielen Menschen im ersten Moment die Vorsicht schwinden, erklärt Dehmel. Genau darauf setzten die Täter. Wer einen ungewöhnlichen Anruf erhalte oder zu einer dringenden Zahlung aufgefordert werde, solle sich deshalb stets über einen zweiten Kommunikationsweg rückversichern, bevor er reagiere, rät die Bitkom-Expertin.

Was hinter KI-Phishing und Deepfake-Betrug steckt

Neben der gefälschten Stimme in einer Notlage nennt Bitkom auch manipulierte Videos von Vorgesetzten oder angebliche Werbeclips prominenter Personen für Geldanlagen. Mit Künstlicher Intelligenz erzeugte oder veränderte Foto-, Video- oder Sprachaufnahmen wirken auf den ersten Blick täuschend echt. Dadurch sinkt die Hemmschwelle vieler Opfer.

Schadsoftware und Phishing bleiben häufigste Maschen

Trotz des Anstiegs bei Deepfakes dominieren weiterhin altbekannte Methoden das Bild. An erster Stelle steht Schadsoftware: Bei 32 Prozent der Befragten infizierten Viren oder vergleichbare Programme Computer oder Smartphone. Dahinter folgen mit 29 Prozent Betrugsfälle beim Online-Einkauf sowie mit 21 Prozent Phishing-Versuche per Mail, Kurznachricht oder Telefonanruf. Beide Werte sind gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Dehmel warnt zudem vor den Folgen gestohlener Zugangsdaten: „Zugangsdaten und digitale Identitäten sind für Kriminelle bares Geld wert. Wer einmal Zugriff auf ein E-Mail-Konto hat, kann von dort aus weitere Konten übernehmen, im Namen des Opfers Waren bestellen oder Freunde und Familie täuschen.“ Als wirksamsten Phishing-Schutz nennt sie ein einzigartiges, starkes Passwort für jeden Dienst. Hinzukommen sollte eine Zwei-Faktor-Authentifizierung oder eine neue Lösung wie Passkeys.

BetrugsmascheAnteil der Betroffenen
Schadsoftware (Viren und Co.)32 Prozent
Betrug beim Online-Einkauf29 Prozent
Phishing per Mail, SMS oder Telefon21 Prozent
Ausspähen von Zugangsdaten14 Prozent
Identitätsdiebstahl im Netz9 Prozent
KI-Deepfakes (Video, Foto, Stimme)9 Prozent
Diebstahl von Konto- oder Kreditkartendaten6 Prozent
Gefälschte QR-Codes5 Prozent
Betrug beim Online-Verkauf4 Prozent
Ransomware-Angriffe3 Prozent
Missbrauch des Online-Banking-Zugangs1 Prozent
Quelle: Bitkom

Die gefälschten QR-Codes führen laut Bitkom auf betrügerische Webseiten. Neben finanziellen Schäden erleben Nutzer im Netz außerdem persönliche Angriffe: sechs Prozent wurden sexuell belästigt, vier Prozent bedroht.


Das könnte Sie auch interessieren:

Im Schnitt 233 Euro Schaden

Bei 58 Prozent der Betroffenen entstand durch Cyberkriminalität ein persönlicher Schaden. Bei weiteren fünf Prozent übernahmen Händler, Bank oder Versicherung die Kosten. Im Durchschnitt belief sich der Schaden auf 233 Euro.

Nur jeder Fünfte erstattet Anzeige

Nach einem Vorfall reagieren die meisten Betroffenen zunächst selbst: 45 Prozent änderten ihr Passwort oder andere Sicherheitsinformationen, 17 Prozent löschten oder kündigten ihren Account bei der betroffenen Plattform. 42 Prozent sprachen mit Freunden oder Familie über den Vorfall.

Seltener wenden sich Betroffene an externe Stellen: 36 Prozent informierten das betroffene Unternehmen, 13 Prozent schalteten Behörden ein - etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik -, acht Prozent zogen einen Rechtsanwalt hinzu. Strafanzeige bei der Polizei erstattete hingegen nur knapp ein Fünftel - 19 Prozent, nach 26 Prozent im Vorjahr. 18 Prozent reagierten überhaupt nicht.

Wer tatsächlich Anzeige erstattet, macht häufig ernüchternde Erfahrungen. In 22 Prozent der Fälle wurde das Verfahren eingestellt, 27 Prozent haben den Eindruck, die Anzeige habe nichts bewirkt. Bei weiteren 22 Prozent dauert das Verfahren noch an, 15 Prozent warten bislang vergeblich auf eine Rückmeldung. Positive Erfahrungen sind dagegen seltener: 19 Prozent bekamen hilfreiche Informationen oder Unterstützung, 13 Prozent hatten das Gefühl, ernst genommen zu werden. Nur sechs Prozent bekamen ihr Geld oder ihre Daten zurück, aufgeklärt wurde der Fall in lediglich zwei Prozent der Fälle.

Dehmel mahnt, dass unangezeigte Taten dem Lagebild fehlten und unverfolgte Täter weitermachten. Polizei und Justiz müssten deshalb in personeller und technischer Hinsicht so ausgerüstet werden, dass aus Anzeigen tatsächlich Ermittlungserfolge resultierten.

Jeder Zweite weiß nicht, wohin im Ernstfall

Oft mangelt es bereits an grundlegender Orientierung: Weiterhin wissen 54 Prozent der Internetnutzer nicht, an welche Stelle sie sich nach einem Cyberangriff wenden sollen. Entsprechend fordern die Menschen mehr Engagement von Polizei und Politik: 87 Prozent wünschen sich eine stärkere Präsenz der Polizei im digitalen Raum, 86 Prozent sprechen sich für härtere Strafen bei Cyberkriminalität aus.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments