„Die EU sollte dieses Spiel nicht mitmachen“

Das Ifo Institut warnt Wirtschaftsminister Peter Altmaier und die EU-Kommission davor, sich in einen Handelskrieg der USA gegen andere Länder hineinziehen zu lassen. Langfristig sei es besser, sich schützend vor die Welthandelsorganisation WTO zu stellen als sich mit den USA zu einigen.

Gabriel Felbermayr: „Statt eines Handelskrieges mit Amerika droht Europa nun ein Handelskonflikt mit China. Das deutsche Handelsvolumen mit China lag aber 2017 um 20 Milliarden Euro über jenem mit den USA.“

Das Ifo Institut hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier und die EU-Kommission ermuntert, sich schützend vor die Welthandelsorganisation WTO zu stellen und sich nicht in einen Handelskrieg der USA gegen andere Länder hineinziehen zu lassen. Die USA seien nicht der wichtigste Handelspartner der EU.

Andere Handelspartner wichtiger

„Mehr als 85 Prozent des Außenhandels der EU finden nicht mit den USA, sondern mit anderen WTO-Ländern statt. Die langfristigen Kosten der Schwächung der WTO könnten die kurzfristigen Vorteile der vorläufigen Verhinderung eines Handelskrieges mit den USA aufwiegen. Die EU sollte dieses Spiel nicht mitmachen“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo Zentrums für Außenwirtschaft.

Riskiert die EU-Kommission, dass US-Präsident Donald Trump einen Keil zwischen die WTO-Mitglieder treibt, seien die langfristigen Folgen verheerender als ein Handelskrieg mit den USA:

„Die WTO bleibt geschwächt zurück. Mit dem Abschluss einer bilateralen Vereinbarung lässt die EU zu, dass Präsident Trump einen Keil zwischen die anderen WTO-Mitglieder treibt. Kleine und ärmere Länder bleiben allein zurück und haben kaum Aussicht auf Erfolg, die rechtswidrigen Zölle der USA zu bekämpfen. Das WTO-feindliche Vorgehen der USA bleibt ungeahndet“, warnt Felbermayr.

Drohender Handelskonflikt mit China

„Ein Teil der Abmachung zwischen EU und USA scheint ein verschärftes gemeinsames Vorgehen gegen China zu sein. Statt eines Handelskrieges mit Amerika droht Europa nun ein Handelskonflikt mit China. Das deutsche Handelsvolumen mit China lag aber 2017 um 20 Milliarden Euro über jenem mit den USA“, ergänzt Felbermayr.

„Davon abgesehen ist die US-Ausnahme für die europäische Stahl- und Aluminium-Industrie natürlich ein Erfolg. Ebenso ist positiv, dass eine unmittelbar drohende Eskalation abgewendet scheint.“

Foto: Ifo Institut

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