Eigenheim trotz Single-Status: So gelingt die Finanzierung allein

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Symbolbild.

Immer mehr Menschen in Deutschland leben allein, doch beim Immobilienkauf dominieren weiterhin Paare. Für Singles sind die Hürden höher, weil sie Finanzierung und Risiken allein tragen. Wie der Weg ins Eigenheim dennoch gelingen kann, erklärt die Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Der klassische Weg ins Eigenheim ist häufig auf zwei Einkommen ausgelegt. Frisch verheiratete Paare oder junge Familien gelten noch immer als typische Ersterwerber. Dieses Bild passt jedoch immer weniger zur Realität: 2025 leben rund 17 Millionen Menschen in Deutschland allein, dennoch ist nur knapp ein Fünftel der Ersterwerber ledig.

Der Hauptgrund liegt in den höheren Anforderungen an Alleinstehende. Sie tragen Finanzierung, laufende Kosten und Risiken ohne zweites Einkommen. Wie der Immobilienkauf dennoch gelingen kann, erläutert Thomas Billmann, Baufinanzierungsexperte bei Schwäbisch Hall.


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Grundsätzlich gelten für Singles dieselben formalen Kriterien wie für Paare. Maßgeblich ist die Bonität. Banken bewerten Alleinstehende jedoch häufig als risikoreicher, da sie weder Einkommen noch Fixkosten teilen können. Entsprechend verlangen Kreditinstitute oft mehr Eigenkapital und prüfen genau, ob Kreditrate, Lebenshaltungskosten und weitere Verpflichtungen dauerhaft tragbar sind.

Eigenkapital als entscheidender Hebel

Gerade für Singles ist Eigenkapital der zentrale Faktor. Gleichzeitig liegt hier eine große Hürde: Mehr als die Hälfte verfügt über weniger als 10.000 Euro Rücklagen. Umso wichtiger ist ein früher und kontinuierlicher Vermögensaufbau, etwa über Bausparverträge, ETFs oder Fonds.

Mindestens die Kaufnebenkosten in Höhe von zehn bis 15 Prozent sowie weitere zehn Prozent Eigenkapital sollten vorhanden sein. In der Praxis bedeutet das eine Quote von 20 bis 30 Prozent inklusive Nebenkosten. „Wer lediglich zehn Prozent Eigenkapital aufbringen kann, sollte unbedingt prüfen, ob lokale Landesförderinstitute mit zinsgünstigen, nachrangigen Finanzierungen unterstützen können“, rät Billmann.

Zusätzliche Sicherheiten können Konditionen verbessern

Neben Eigenkapital können zusätzliche Sicherheiten die Konditionen verbessern. Möglich sind ein Bürge oder ein weiterer Vertragspartner aus dem engen Familienkreis. Auch Schenkungen oder private Darlehen erhöhen die Kreditwürdigkeit.

Eine weitere Option ist die Einbindung von Immobilien innerhalb der Familie. Die Bank kann beispielsweise 70 Prozent des Beleihungswerts ansetzen; die fehlenden 30 Prozent lassen sich über eine anteilige Grundschuld auf eine lastenfreie elterliche Immobilie absichern. „Gerade die Einbindung von Familiensicherheiten wird oft unterschätzt – kann aber den entscheidenden Unterschied machen“, so Billmann. Allerdings: Sollte die Finanzierung in Schieflage geraten, kann bei dieser Variante das Elternhaus gefährdet sein.

Förderprogramme gezielt nutzen

Förderprogramme spielen für Alleinstehende eine wichtige Rolle, werden jedoch häufig nicht ausgeschöpft. „Gerade für Einzelpersonen können Förderungen und ihre Kombination ein echter Gamechanger sein“, so Billmann. „Unter bestimmten Voraussetzungen stehen ihnen die vergünstigten Kredite der KfW sowie zahlreiche regionale Förderungen zur Verfügung.“

Beispiele sind das Wohnraumförderprogramm für Privateigentum des Landes Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2023 bis 2027, das Z15-Darlehen der Landesbank Baden-Württemberg im Rahmen der Eigentumsfinanzierung BW (Voraussetzung: mindestens ein Kind) oder das Wohneigentumsprogramm der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Bausparer können zudem von vermögenswirksamen Leistungen, der Arbeitnehmersparzulage, Wohn-Riester oder der Wohnungsbauprämie profitieren.

Drei bis sechs Nettogehälter als Reserve

Wer allein finanziert, sollte seine Einnahmen und Ausgaben detailliert analysieren. Als Richtwert gilt, maximal 30 Prozent des Nettoeinkommens für die monatliche Kreditrate aufzuwenden. Um Zinsrisiken zu begrenzen, empfiehlt sich eine vorausschauende Zinsstrategie mit längeren Zinsbindungen oder der Kombination unterschiedlicher Laufzeiten.

„Das ist keine Pflicht, aber ratsam, um zu verhindern, dass Zinsänderungen den Kreditnehmer nach zehn Jahren aus der Bahn werfen.“ Ebenso wichtig sind Rücklagen in Höhe von drei bis sechs Nettogehältern, um Engpässe bei Krankheit oder Jobverlust abzufedern, so die Bausparkasse. Laufende Kosten wie Nebenkosten oder Hausgeld bei Eigentumswohnungen müssen realistisch einkalkuliert werden.

Zusätzliche Absicherungen können sinnvoll sein. „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung gibt den meisten Kreditnehmern zusätzliche Sicherheit, ist aber nicht entscheidend für die Kreditvergabe.“ Auch bei der Immobiliensuche empfiehlt es sich, künftige Lebenssituationen mitzudenken und ausreichend Flexibilität einzuplanen.

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