Der europäische Fondsverband EFAMA hat einen offenen Brief an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments geschickt. Darin fordert der Verband die Abgeordneten auf, die finale Fassung der EU-Kleinanlegerstrategie in der anstehenden Plenarsitzung in der kommenden Woche abzulehnen.
Die sogenannte Retail Investment Strategy ist im deutschen Sprachgebrauch als EU-Kleinanlegerstrategie bekannt. Sie ist das Ergebnis von rund zwei Jahren Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Rat und Parlament.
Unterzeichnet hat den Brief EFAMA-Generaldirektor Tanguy van de Werve. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben eine Branche, die europaweit rund 34 Billionen Euro an Vermögen verwaltet. Organisiert ist EFAMA in 28 nationalen Mitgliedsverbänden, 46 globalen Vermögensverwaltern und 29 assoziierten Mitgliedern.
Diese fünf Kritikpunkte nennt EFAMA an der EU-Kleinanlegerstrategie
In ihrem Brief begründet die Fondsbranche ihre Ablehnung mit fünf Hauptargumenten gegen den vorliegenden Gesetzestext:
| Kritikpunkt | Kernaussage von EFAMA |
|---|---|
| Ziele verfehlt | Die Strategie verbessere den Ablauf für Anleger nicht, sondern errichte neue statt weniger Hürden für Kleinanleger. |
| Rahmen bleibt offen | Zentrale Fragen sollen erst über nachgelagerte Durchführungsbestimmungen geklärt werden. Wer zustimmt, votiert laut EFAMA für ein Regelwerk, dessen praktische Wirkung noch unbekannt ist. |
| Mehr statt weniger Bürokratie | Neue „Value for Money“-Bewertungen, ein „Inducement Test“ für Provisionen und zusätzliche Meldepflichten erzeugten doppelte, operativ schwer umsetzbare Pflichten ohne erkennbaren Nutzen für Anleger. |
| Binnenmarkt zersplittert | Weil „Value for Money“-Prüfungen auf nationaler und europäischer Ebene übereinandergelegt würden, drohten so viele unterschiedliche Regime wie es Aufsichtsbehörden gibt - das Gegenteil der geplanten Spar- und Investitionsunion. |
| Wettbewerbsfähigkeit sinkt | Zusätzliche Kosten, Verwaltungsaufwand und regulatorische Komplexität schwächten eine Branche, die bereits einem der weltweit umfassendsten Anlegerschutzregime unterliege. |
Besonders deutlich richtet sich die Kritik gegen die neuen Value-for-Money-Vorgaben der EU-Kleinanlegerstrategie. Anbieter müssten künftig an mehreren Stellen gleichzeitig nachweisen, dass ihre Produkte ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Das gilt auf nationaler Ebene ebenso wie auf europäischer.
Zudem nimmt der geplante Inducement-Test Provisionen und Zuwendungen an Vermittler in den Blick. Er sorgt laut EFAMA für zusätzlichen Prüf- und Meldeaufwand bei Aufsichtsbehörden und Anbietern gleichermaßen.
BVI schließt sich der Kritik an der Kleinanlegerstrategie an
Der deutsche Fondsverband BVI zählt zu den Mitgliedsverbänden von EFAMA. Er schließt sich der Kritik an. Die EU-Kleinanlegerstrategie erreiche keines ihrer selbst gesteckten Ziele. Zusätzliche Kleinanleger kämen dadurch nicht an die Kapitalmärkte, wohl aber ein höherer bürokratischer Aufwand für Aufsichtsbehörden, Kunden und Anbieter. Das schwäche langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzbranche, so der Verband.
Neben dem Einsatz für die Spar- und Investitionsunion wirbt EFAMA nach eigenen Angaben auch für mehr Verbraucherschutz im Finanzwesen. Hinzu kommen nachhaltige Finanzierung sowie offene und gut funktionierende globale Kapitalmärkte.













