Was Investoren vom Deutsche Bank-Chef lernen können

Manager bewegt Figur auf einem Schachbrett
Foto: ChatGPT
CEO-Aktienkäufe können Anlegern Hinweise auf Interessenlage und langfristige Ausrichtung eines Unternehmens geben.

Wenn Vorstandschefs eigene Aktien kaufen, kann das ein wichtiges Signal sein. Eine Analyse von Freedom24 zeigt, warum Beteiligungen des Managements für Anleger mehr sind als eine Randnotiz.

Investoren unterschätzen die Bedeutung von Investments von CEOs in die eigene Firma. Das ist das Fazit der Analyse des internationalen Online-Brokers Freedom24. Die Finanzexperten haben untersucht, welche Relevanz Aktienkäufe durch CEOs für die Entwicklung des Unternehmens haben und welche Lehren Investoren daraus ziehen können. Ausgangspunkt der Analyse war Deutsche Bank-Chef Christian Sewing.


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Dieser investiert seit 2019 monatlich 15 Prozent seines Nettogehalts in den Kauf von Deutsche Bank-Aktien. Das Ergebnis heutzutage: „Der Wert der Aktien hat sich etwa versechsfacht. Sewings Anteil hat mittlerweile einen Wert von 15 Millionen Euro“, erläutert Dominik Mayr, Director bei Freedom Finance Germany GmbH. 

Mayr zufolge tangieren Sewings systematische und mit eigenem Geld realisierten Investments in die Deutsche Bank folgende Logik aus der Unternehmensführung: Menschen treffen andere Entscheidungen, sobald sie ihr eigenes Kapital aufs Spiel setzen. 

Forschung bestätigt: höhere Marktrenditen, wenn CEOs hohen Aktienanteil halten

Dazu gehört auch Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA: Er hält etwa 3 bis 4 Prozent der Unternehmensanteile, was einem Wert von mehreren zehn Milliarden US-Dollar entspricht. „Eine solche Beteiligung bedeutet, dass sich praktisch alle strategischen Entscheidungen direkt auf sein eigenes Vermögen auswirken: In den letzten fünf Jahren hat sich NVIDIAs Aktienkurs mehr als verzehnfacht. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens hat 3 Billionen Dollar überschritten“, zeigt Mayr auf.

Auch die Finanzwissenschaft beschäftigte sich mit der Thematik „CEOs als Aktionäre“: Unternehmen, in denen der CEO und das Management einen hohen Aktienanteil ihrer Firma halten, erzielen im Durchschnitt höhere Marktrenditen. Dabei kommt die Studie „CEO Ownership, Stock Market Performance and Managerial Discretion“[1] zu konkreteren Ergebnissen: Untersuchte Unternehmen erzielten überdurchschnittliche Renditen von etwa 4 bis 10 Prozent über dem Markt pro Jahr.

„Grundsätzlich ist es wichtig, zwischen echten Investitionen und Optionen zu unterscheiden. Optionen können Teil eines Vergütungspakets sein und spiegeln nicht immer das echte Vertrauen des Managements in das Unternehmen wider. Ein viel stärkeres Signal für Investoren ist es, wenn ein CEO, wie Sewing, Aktien seines Unternehmens auf dem freien Markt systematisch mit seinem eigenen Geld kauft“, erklärt Mayr

Worauf Investoren achten sollten und welche Warnsignale es gibt

Neben dieser Frage gibt es weitere, die Investoren sich Mayr zufolge stellen sollten

  • Wie viele Aktien des Unternehmens hält der CEO?
  • Hält die Unternehmensleitung einen bedeutenden Anteil, der ihre Interessen eng mit denen der Minderheitsaktionäre in Einklang bringt?
  • Gab es in den letzten Monaten größere Verkäufe durch Insider?
  • Hängt das Vermögen des CEOs von der langfristigen Wertentwicklung der Aktien ab?

Nahezu alle Antworten auf diese Fragen sind öffentlich zugänglich. Dazu zählen unter anderem in den USA „SEC Form 4“ hinsichtlich Insidergeschäfte und in Europa Geschäftsberichte – insbesondere die Bereiche „Aktionärsstruktur“, „Beteiligungen des Vorstands“ oder „Interessen der Verwaltungsratsmitglieder“. Auch Seiten, wie Bloomberg und Yahoo Finance, bieten Antworten.

Hinsichtlich konkreter „Hausnummern“ in Bezug auf den Aktienanteil rät Mayr: „Eine kontinuierliche Beteiligung des CEOs von 1 bis 3 Prozent oder mehr ist signifikant. Bei Mid-Cap-Unternehmen wird ein Anteil von 5 Prozent oder mehr als starkes Signal gewertet. Wenn der CEO weniger als 0,1 Prozent des Unternehmens besitzt oder praktisch keine direkten Beteiligungen hält, ist dies nicht unbedingt negativ, aber die Übereinstimmung zwischen Management und Aktionären ist in der Regel geringer.“

Auch das Thema „Insidergeschäfte“ erwähnt Mayr, für die es ihm zufolge Warnsignale gibt, wie zum Beispiel den regelmäßigen Aktienverkauf durch die Unternehmensleitung, während diese rosige Aussichten für das Unternehmen vermeldet.

„Insgesamt kann man sagen, dass CEOs, die mit ihrem eigenen Geld Aktien ihres Unternehmens kaufen, für Investoren eine bessere Einschätzung darüber liefern, inwiefern die Interessen der CEOs mit denen der Aktionäre übereinstimmen. Dies sollte man nicht als nebensächliches Detail ansehen, sondern als vollwertiges Anlagekriterium“, schließt Mayr ab.

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