Frühstartrente: AfW fordert mehr Beratung in der Finanzbildungsstrategie

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Frank Rottenbacher
Foto: AfW
Frank Rottenbacher, AfW: "Wenn die Frühstartrente Eltern zum Fragen bringen soll, muss es jemanden geben, der diese Fragen beantworten kann und dafür auch finanziert wird."

Der AfW kritisiert den Entwurf der Finanzbildungsstrategie des Bundes: Vermittler fehlen als Partner, existenzielle Risiken bleiben Randthema – und bei der Frühstartrente ist laut Verband keine Beratung vorgesehen. Was der AfW fordert.

Zum Entwurf der Finanzbildungsstrategie des Bundes, der am 7. September 2026 erschien, hat der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung nun eine Stellungnahme vorgelegt. Der Verband begrüßt die geplante nationale Strategie, fordert aber Nachbesserungen. Dazu zählt die Frühstartrente: Für deren Verträge sieht der Regierungsentwurf zum Frühstartrentengesetz keine Beratung vor.

Konkret verlangt der AfW Verbesserungen in vier Bereichen. Es geht um die Absicherung existenzieller Risiken, um qualifizierte Beratung und um einheitliche Qualitätskriterien für Kodex, Label und Finanzbildungsbotschafter. Hinzu kommt die Frühstartrente selbst. Die folgende Übersicht fasst die Kritikpunkte zusammen.

KritikpunktWas der Entwurf vorsiehtForderung des AfW
Existenzielle RisikenNur kurz in Handlungsfeld vier erwähntBiometrische Risiken als Querschnittsthema verankern
Qualifizierte BeratungVermittlerschaft bislang nicht als Umsetzungspartner vorgesehenVermittlerverbände in Formate wie „Finanzbildung unterwegs“ einbinden
Kodex, Label, BotschafterUneinheitliche Anforderungen je AkteursgruppeEinheitliche, überprüfbare Kriterien statt pauschaler Grenzen zwischen den Akteursgruppen
FrühstartrenteBildungsfunktion ohne Beratungspflicht und ohne Finanzierung von BeratungBeratung muss finanzierbar sein, wenn Eltern Fragen haben

Was die Finanzbildungsstrategie vorsieht

Der Entwurf orientiert sich an Empfehlungen der OECD. Schwerpunkte setzt er bei der Altersvorsorge, bei digitalen Finanzdienstleistungen und bei nachhaltigen Finanzentscheidungen. Als Instrumente plant der Bund einen europäischen Verhaltenskodex, der national verankert werden soll. Hinzu kommen das Label „Mit Geld und Verstand“ sowie Finanzbildungsbotschafterinnen und -botschafter, die Wissen in die Breite tragen sollen.

Frühstartrente ohne Beratungspflicht

Besonders konkret wird die Kritik bei der Frühstartrente. Der Entwurf weist ihr eine Bildungsfunktion zu, denn sie soll Familien für Altersvorsorge und Kapitalmarkt sensibilisieren. Nach dem Regierungsentwurf zum Frühstartrentengesetz ist für die Verträge jedoch keine Beratung geschuldet. Zudem dürfen Anbieter bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres keine Abschluss- und Vertriebskosten erheben.

Damit fehlt die übliche Finanzierung einer persönlichen Beratung – und zwar gerade dann, wenn Eltern sich mit Fragen zu Anlage, Chancen und Risiken beschäftigen. Beschlossen ist das Frühstartrentengesetz bislang nicht, der Entwurf durchläuft weiterhin das parlamentarische Verfahren.

Was die Frühstartrente für Vermittler bedeutet

Für Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler liefert die Stellungnahme ein Argument für die eigene Positionierung. Der AfW verweist ausdrücklich auf Registrierung, Sachkundenachweis und Weiterbildungspflicht unabhängiger Vermittlerinnen und Vermittler als Qualitätsmerkmal. Wer Eltern zur Frühstartrente berät, erhält dafür nach aktuellem Stand allerdings nicht automatisch eine Vergütung.


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Existenzielle Risiken bleiben Randthema

Die Absicherung existenzieller Risiken kommt im Entwurf nur knapp in Handlungsfeld vier vor. Altersvorsorge und digitale Finanzdienstleistungen behandelt das Papier dagegen deutlich ausführlicher. Dabei legt die eigene Begründung des Entwurfs andere Prioritäten nahe. Krankheit, Sucht oder Unfall zählen mit 18,1 Prozent zu den häufigsten Ursachen privater Überschuldung. Das zeigt die Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025. Arbeitslosigkeit folgt mit 17,4 Prozent, deutlich vor einer unwirtschaftlichen Haushaltsführung mit 11,7 Prozent. Der AfW schlägt deshalb vor, die Absicherung biometrischer Risiken als Querschnittsthema in der Strategie zu verankern.

Vermittler fehlen als Umsetzungspartner

Auch qualifizierte Beratung und die Vermittlerschaft kommen im Entwurf bislang nicht als Umsetzungspartner vor. Die OECD-Bestandsaufnahme zeigt, dass nur sechs Prozent der untersuchten Finanzbildungsinitiativen auf lokaler Ebene stattfinden. Nur wenige davon erreichen gezielt Senioren, Selbstständige oder kleine Betriebe. Dagegen sind unabhängige Vermittlerinnen und Vermittler schon heute flächendeckend vor Ort und kümmern sich genau um diese Zielgruppen. Der AfW regt daher an, Vermittlerverbände in Formate wie „Finanzbildung unterwegs“ einzubeziehen.

Einheitliche Kriterien für Kodex, Label und Botschafter

Für Kodex, Label und Botschafter fordert der Verband einheitliche, überprüfbare Kriterien statt pauschaler Grenzen zwischen einzelnen Akteursgruppen. Dazu zählen aus Sicht des AfW eine anerkannte Qualifikation, die Offenlegung wirtschaftlicher Interessen und der Verzicht auf Produktvertrieb im Bildungsformat. Außerdem müssen eine Registrierung und eine entsprechende Aufsicht bestehen, wenn die jeweilige Tätigkeit einer Erlaubnispflicht unterliegt. Kodex und Label können nach Einschätzung des Verbands faktisch über den Zugang zur Umsetzung entscheiden. Allerdings nennt der Entwurf für die Botschafter bislang lediglich Bekanntheit, Glaubwürdigkeit und Reichweite als Kriterien – überprüfbare Qualifikationsanforderungen fehlen.

„Entscheidend ist, wer Finanzbildung qualifiziert, transparent und beaufsichtigt vermittelt – nicht, ob jemand dafür vergütet wird. Unabhängige Vermittlerinnen und Vermittler sind registriert, haben ihre Sachkunde nachgewiesen und bilden sich verpflichtend weiter“, sagt Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW.

„Für Kodex, Label und Botschafter müssen deshalb dieselben überprüfbaren Kriterien gelten wie für alle anderen Akteure. Und wenn die Frühstartrente Eltern zum Fragen bringen soll, muss es jemanden geben, der diese Fragen beantworten kann und dafür auch finanziert wird“, ergänzt Rottenbacher.

Zielwerte, Budget und nächste Schritte

Dem Entwurf fehlen laut AfW außerdem quantifizierte Zielwerte und ein ausgewiesenes Budget für die Umsetzung. Die praktische Arbeit soll stattdessen in der sogenannten Task Force Finanzbildung verbindlich gebündelt werden. Der AfW hat angeboten, dort mitzuarbeiten und seine Erfahrung aus der Beratungspraxis einzubringen.

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