Helvetia geht beim Altersvorsorgedepot früh in Vorlage. Der Versicherer hat eine digitale Altersvorsorgeplattform angekündigt. Darüber können Kundinnen und Kunden schon vor dem Förderstart am 1. Januar 2027 in den Vermögensaufbau einsteigen. Bei der Investmentlösung kooperiert Helvetia mit den Partnern Oddo BHF Asset Management sowie der Xaver Group. Eine eigene Versicherungslösung soll zum Start des Altersvorsorgedepots folgen.
Rechtsgrundlage für die neue Förderwelt ist das Altersvorsorgereformgesetz. Der Bundesrat billigte es am 8. Mai 2026. Am 29. Mai 2026 folgte die Verkündung im Bundesgesetzblatt, seit dem 30. Mai 2026 gilt das Gesetz.
Altersvorsorgedepot löst Riester-Rente zum Jahreswechsel ab
Zum 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente als staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt. Eine Beitragsgarantie gibt es dabei nicht. Sparer legen ihr Geld stattdessen direkt in Fonds, ETFs oder andere Wertpapiere an.
So viel Förderung bringt das Altersvorsorgedepot
Der Staat zahlt eine Grundzulage von maximal 540 Euro im Jahr. Dabei erhalten Sparer für ihren Eigenbeitrag bis 360 Euro 50 Cent je eingezahltem Euro. Darüber hinaus sind es noch 25 Cent je Euro, bis ein Eigenbeitrag von 1.800 Euro erreicht ist. Zusätzlich gewährt der Staat je Kind eine Zulage von maximal 300 Euro pro Jahr.
Außerdem gibt es einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro, wenn der Vertrag vor dem 25. Geburtstag zustande kommt. Für die volle Förderung ist zudem ein Mindesteigenbeitrag von 120 Euro pro Jahr nötig. Mehr Details zu den einzelnen Förderbausteinen liefert der Beitrag Altersvorsorgedepot ab 2027: Staat erhöht Förderung auf 540 Euro.
| Förderbaustein | Höhe | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundzulage | bis 540 Euro pro Jahr | Bei einem Eigenbeitrag bis 360 Euro zahlt der Staat 50 Cent je Euro, danach bis 1.800 Euro Eigenbeitrag 25 Cent je Euro |
| Kinderzulage | bis 300 Euro pro Kind und Jahr | je förderberechtigtes Kind |
| Berufseinsteigerbonus | einmalige Zahlung von 200 Euro | Vertragsabschluss vor Vollendung des 25. Lebensjahres |
| Mindesteigenbeitrag | 120 Euro pro Jahr | Voraussetzung für volle Förderung |
Helvetia setzt auf zwei Wege: Plattform jetzt, Versicherung ab 2027
Die neue Plattform ist auf digitale und hybride Investmentberatung ausgelegt. Kundinnen und Kunden können darüber ihren Vorsorgebedarf einschätzen, Fördermöglichkeiten berechnen und bestehende Verträge überprüfen lassen. Laut Helvetia bleibt die persönliche Beratung weiterhin Bestandteil des Prozesses. Für Vertriebspartner sollen Analyse, Vergleich, Empfehlung und Dokumentation stärker zusammenwirken. Dadurch verringert sich nach Angaben des Versicherers der administrative Aufwand.
Sobald das Altersvorsorgedepot startet, will Helvetia eine zweite Säule ergänzen. Geplant ist eine eigenständige Versicherungslösung nach dem Best-Invest-Ansatz, also eine fondsgebundene Rentenversicherung. Das bestehende Best-Invest-Produkt wirbt mit einem Kostendeckel. Er greift, wenn der Vertragswert das 1,5-Fache der eingezahlten Beiträge übersteigt. Ob er in gleicher Form auch für die neue Versicherungsvariante gilt, lässt Helvetia bislang offen.
„Die private Altersvorsorge steht vor einem wichtigen Entwicklungsschritt“, sagt Barbara Ries, Vorständin Leben bei Helvetia Deutschland. „Mit unserer Investmentlösung ermöglichen wir einen frühen Einstieg in den Vermögensaufbau.“ Zum Start des Altersvorsorgedepots will der Versicherer das Angebot nach Angaben von Ries um eine Versicherungslösung erweitern. Kunden und Vertriebspartner sollen anschließend je nach Ziel zwischen beiden Wegen wählen können.
Oddo BHF Asset Management und Xaver Group liefern die Technik
Die Kooperation der beiden Partner reicht weiter zurück als die Ankündigung von Helvetia. Bereits am 20. Mai 2026 gaben Oddo BHF Asset Management und die Xaver Group ihre strategische Partnerschaft öffentlich bekannt. Im Fokus steht eine digitale White-Label-Plattform speziell für das Altersvorsorgedepot. Branchenoffen angelegt, adressiert sie Banken, Versicherer, unabhängige Finanzberater sowie Non-Financial-Unternehmen. Wie weitere Marktteilnehmer diese Infrastruktur nutzen, zeigt der Beitrag BCA, Oddo BHF und Xaver machen Altersvorsorgedepot startklar für 2027.
Die Infrastruktur ist modular und skalierbar aufgebaut. Als End-to-End-Lösung soll sie Altersvorsorgekonten, Standarddepots und Altersvorsorgedepots verwalten. Bei sogenannten Brückenprodukten erfolgt zum 1. Januar 2027 automatisch der Wechsel in das regulierte Format. Gemeint sind Verträge, die Kunden bereits vor dem gesetzlichen Start abschließen. Helvetia nutzt diese Infrastruktur nun für ein eigenes Kundenangebot.
Was sich für Berater und Vermittler ändert
Mit dem Altersvorsorgedepot verschiebt sich das Produktangebot in der privaten Vorsorge. Erstmals können auch Selbstständige und weitere Gruppen gefördert vorsorgen, die bislang keinen unmittelbaren Zulagenanspruch hatten. Berater müssen deshalb zwischen klassischen Versicherungslösungen und depotbasierten Produkten abwägen. Alternativ bieten sie beide Wege parallel an, wie es Helvetia plant. Praxisnahe Hinweise dazu gibt der Beitrag Wie Berater Kunden beim Wechsel zum Altersvorsorgedepot unterstützen.
Weil das Altersvorsorgedepot ohne Garantie auskommt, tragen Kunden ein Kapitalmarktrisiko. Bei Produktauswahl und Dokumentation fällt dieser Punkt künftig stärker ins Gewicht als bei der Riester-Rente.













