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Immobilienbestand: „Die Energieeffizienz muss rauf, sonst geht der Wert runter“

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Werner Ottilinger, Sauter

Energieeffizienz wird immer mehr zum wertbestimmenden Faktor einer Immobilie und damit auch zum wichtigsten Entscheidungskriterium für Investitionen. Bei der Sanierung von Bestandsgebäuden sind moderne Automationssysteme in der Regel deutlich kosteneffizienter als Um- oder Neubau. Von Werner Ottilinger, Sauter Deutschland.

Die Erderwärmung könnte Europa in ein klimatisches Paradox stürzen: Während die globale Durchschnittstemperatur weiter steigt, droht dem Kontinent eine deutliche Abkühlung. Sollte sich das Atlantische Umwälzsystem (AMOC), zu dem auch der Golfstrom zählt, stark abschwächen, könnten die Temperaturen in Teilen Europas langfristig um mehrere Grad sinken. Besonders betroffen wären Nord- und Westeuropa. Ein vollständiger Kollaps des Strömungssystems gilt zwar als unwahrscheinlich, doch die Klimaforschung warnt vor schwer kalkulierbaren Folgen – und davor, dass sich das Zeitfenster für wirksame Gegenmaßnahmen rasch schließt.


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Dieses Beispiel zeigt, auf welch unsicherem und gefährlichem Pfad wir uns derzeit befinden. Gelingt es nicht, den Ausstoß von Treibhausgasen zu beschränken, drohen Klimaextreme, die sich kaum abschätzen lassen. Sicher ist nur eines: Wir stehen vor einer existenziellen Bedrohung. CO2-Reduktion ist das Gebot der Stunde, auch und gerade im Gebäudesektor, der 30 bis 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verursacht und in Deutschland regelmäßig seine Klimaziele verfehlt.

Die schleppende energetische Transformation, insbesondere bei Bestandsgebäuden, zwingt die Politik zu unpopulären Maßnahmen. Die wohl bekannteste ist das viel gescholtene „Heizungsgesetz“ der Ampelkoalition. Die schwarz-rote Regierung will das Gebäudeenergiegesetz (GEG), wie es korrekt heißt, nun reformieren. 

Technologieoffenheit ist dabei das Zauberwort: Fördern will man nicht mehr bestimmte Konzepte, sondern die tatsächlich erzielbaren CO2-Reduktionen. Parallel dazu soll der Austausch alter, fossiler Heizungen weiterhin vorangetrieben werden. Am Ergebnis für Investitionen dürfte sich aber auch unter dem neuen Namen „Gebäudemodernisierungsgesetz“ wenig ändern. Denn Physik und europäische Gesetzgebung lassen hier nur wenig Spielraum. Oder um es auf eine einfache Formel zu bringen: Die Energieeffizienz muss rauf, sonst geht der Gebäudewert runter.

Bestandsgebäude: oft wertvoller als gedacht

Das klingt zunächst nach einer Hiobsbotschaft, gerade für Nichtwohngebäude: Hier sind etwa 58 Prozent des Bestands Altbauten, die 1978 oder früher errichtet wurden, also noch vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Sie könnten schon bald zu nicht mehr vermiet- oder verkaufbaren Carbon Risk Assets werden – eine gigantische Kapitalvernichtung.

Kostspielige Um- oder gar Neubauten sind meist nicht der richtige Ausweg. Sie verursachen nicht nur hohe Kosten, sondern auch üppige CO2-Emissionen, die das Gebäude dann über viele Jahre wieder aufholen muss.

Die gute Nachricht: Der Wert vieler Bestandsgebäude ist höher als es scheint – denn sie lassen sich mit vergleichsweise niedrigem Aufwand wieder auf dem Markt konkurrenzfähig machen.

Gebäudeautomation meist der effizienteste Weg

Wer sich einmal die Heizkörper älterer Gebäude anschaut, erkennt schnell, wo er ansetzen muss: Hier dominiert der mechanische Thermostat, der die Zimmertemperatur bei 21 Grad hält – ganz gleich, ob der Raum gerade genutzt wird oder nicht.

Eine Sanierung durch Gebäudeautomation ersetzt solche 1950er-Jahre-Technologien durch zeitgemäße, multidimensionale Regelsysteme. Diese ermitteln zunächst genau den Istzustand, basierend auf modernsten Multisensoren. Sie messen präzise, kontinuierlich und in Echtzeit Temperatur, Luftqualität, Belegung, Stromverbrauch und Lichtintensität. Diese Werte werden mit externen Quellen kombiniert, beispielsweise Raumbelegung oder Wettervorhersage. Der so generierte Datenpool bildet dann die Grundlage für eine smarte Steuerung von Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung und Verschattung. Der hierfür erforderliche Automationsrechner kann sowohl lokal als auch in der Cloud bereitgestellt werden.

BACnet Secure Connect und Smart Readiness Indicator

Derart komplex vernetzte Systeme müssen sicher, dokumentiert und regelkonform ausgelegt sein. Der in der Gebäudeautomation verbreitete Kommunikationsstandard BACnet wurde daher um einen zusätzlichen, verschlüsselten Netzwerk-Layer erweitert: BACnet Secure Connect (BACnet/SC). Zudem sollte man bei jeder Investitionsentscheidung auf weitere Sicherheitsfeatures achten, etwa einen Secure-by-Design-Ansatz, wonach schon die Entwicklungsprozesse nach IEC 62443-4-1 zertifiziert sind.

Ein weiterer wichtiger Bewertungsmaßstab für Smart Buildings ist der Smart Readiness Indicator (SRI). Im Vorschlag für die Neufassung der europäischen Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD) soll er für Nichtwohngebäude mit hohem Verbrauch ab 2026 verpflichtend werden. Wichtig für Investitionen: Je höher der SRI, desto besser lässt sich ein Gebäude automatisieren und desto energieeffizienter kann die Regeltechnik arbeiten. 

Das heißt im Klartext: Automatisierung wird zu einem zentralen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Intelligente Gebäudeautomation leitet die kostbare Energie gezielt dorthin, wo sie wirklich benötigt wird. Sie steigert den Gebäudewert aber auch durch erhöhten Komfort für die Nutzung. Über offene Schnittstellen kann man auf seinem Smartphone direkt mit dem Automationsrechner kommunizieren und die Raumparameter in seinem Bereich individuell einstellen.

Langfristige Analysen, kompetente Umsetzung

Im Smart Building bildet der von der Sensorik gelieferte Datenbestand außerdem eine wertvolle Grundlage für tiefergehende Analysen. Der Betreiber erhält einen umfassenden Überblick über sämtliche Energieflüsse in seiner Liegenschaft. So kann er etwa Lastspitzen glätten und erneuerbare Energien optimal integrieren. Die Gebäudewartung erfolgt dann nicht mehr einem starren Schema, sondern daten- und damit bedarfsorientiert. Wer ein solches Energiemanagement installiert, kann bis zu 20 Prozent Energie und damit auch 20 Prozent CO2 einsparen. Dies führt zu einer Wertsteigerung im Bestandsgebäude, die die Investition schnell amortisiert.

Bei der Transformation vom Carbon-Risk-Assets-bedrohten Altbau zum zukunftsfähigen Smart Building sollte man sich auf einen kompetenten Lifecycle Partner verlassen, der zunächst den Energieverbrauch des jeweiligen Gebäudes mit standardisierten Benchmarks ermittelt und ein stetiges Monitoring anbietet. Mit Hilfe von historischen Daten kann dann eine Sanierungs-Roadmap entwickelt werden, die Einsparungsziele und Budget unter einen Hut bringt. Sauter nutzt hier unter anderem eine selbst mitentwickelte ESG-Software, die den Wärmebedarf bis 2050 prognostiziert und hierbei die Klimaentwicklung am jeweiligen Standort mit einem repräsentativen Konzentrationspfad nach dem fünften Sachstandsbericht des Weltklimarats berücksichtigt.

Wer heute im Immobiliensektor investiert, sollte global und langfristig denken. Damit wird auch vorhersehbar, dass Energieverbrauch und CO2-Emission auf lange Sicht immer teurer werden, unabhängig von der jeweiligen politischen Konstellation. Intelligente Gebäudeautomation gibt uns bereits heute überaus effektive Mittel zur Wertsteigerung von Bestandsgebäuden an die Hand. Genau hier sollten man ansetzen, zukunftsorientiert entscheiden und investieren.

Autor Werner Ottilinger ist Geschäftsführer von Sauter Deutschland, die im Bereich der Gebäudeautomation und Gebäudedienstleistungen spezialisiert ist. Der studierte Betriebswirt und Elektrotechniker arbeitet seit 39 Jahren bei Sauter und ist außerdem Vorstandsvorsitzender des Fachverbands Automation + Management für Haus + Gebäude (AMG) beim VDMA. 

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