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Interview BVT: „Starke Standbeine und spannende Perspektiven in allen Assetklassen“

Foto: Marc Oeder
Tibor von Wiedebach-Nostitz: „Die Entscheidung für eine eigene KVG war eine strategische Weichenstellung – und absolut richtig.“

Die BVT Gruppe wurde 1976, also vor 50 Jahren, gegründet und zählt zu den ältesten Anbietern und Asset Managern von Sachwertfonds. Cash. fragte Tibor von Wiedebach-Nostitz, geschäftsführender Gesellschafter der BVT, nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens sowie Planungen und Produkten.

Die BVT Gruppe feiert 2026 ihr 50-jähriges Jubiläum. Könnten Sie die Entwicklung des Unternehmens und die wesentlichen Meilensteine in diesem langen Zeitraum kurz zusammenfassen?

von Wiedebach-Nostitz: Seit ihrer Gründung im Jahr 1976 hat sich die BVT zu einem vielseitigen Investmenthaus mit Schwerpunkten in Immobilien- und Alternativen Investments entwickelt. Den Beginn markierte in den 1970er-Jahren eine Fondsserie mit Public Storage, dem weltweit größten Betreiber von Mietlager-Zentren in den USA. In den folgenden Jahrzehnten baute BVT ihr US-Portfolio gezielt aus – zunächst um renditestarke Immobilienprojekte wie Shoppingcenter und Bürogebäude, seit 2004 insbesondere um hochwertige Apartmentanlagen der BVT Residential USA-Serie.

Mit dem Aufkommen eines ökologisch bewussten Denkens Anfang der 1980er-Jahre entwickelte BVT früh eine neue, nachhaltige Anlageklasse „Umweltschutz als Kapitalanlage“. Nach ersten, kleineren Projekten in diesem Bereich wurde dann Ende der 1980er Jahre die erste deutsche Beteiligungsmöglichkeit an dem damals größten Windpark Europas in Nordfriesland realisiert – der übrigens nach einem Repowering heute noch in Betrieb ist. Dieser Meilenstein markierte den Auftakt für zahlreiche Umwelt- und Infrastrukturprojekte, von kommunalen Kraftwerken über Solarfonds bis hin zu modernen Batteriespeicherinvestments.


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Seit 1992 bietet BVT zudem deutsche Immobilienfonds an. Nach einer Phase steuerorientierter Fonds legte das Unternehmen mit der Ertragswertfondsserie ab 2004 den Fokus auf stabile Ertrags- und Ausschüttungsmodelle. Parallel erschloss BVT ab den 1990er-Jahren mit den „Alternative Investments“ neue Anlagefelder, wie zum Beispiel Private-Equity-Dachfonds, die privaten Anlegern Zugang zu Investitionen eröffneten, die zuvor institutionellen Investoren vorbehalten waren – ein Ansatz, der in den heutigen Portfoliofonds-Konzepten konsequent fortgeführt wird.

Anders als viele andere Anbieter hat die BVT das Auf und Ab der Märkte stets bewältigt. Was machen Sie anders als andere?

von Wiedebach-Nostitz: BVT zeichnet sich durch eine breit aufgestellte und ausgewogene Geschäftsstruktur aus. Seit Jahrzehnten agiert das Unternehmen in verschiedenen, sich ergänzenden Geschäftsbereichen, die insgesamt eine stabile Ertragsbasis schaffen. Diese Diversifikation wirkt wie ein Ausgleichsmechanismus: Schwächere Marktphasen in einem Segment können durch positive Entwicklungen in anderen Bereichen abgefedert werden. So gelingt es BVT, auch in volatilen Zeiten verlässlich zu wirtschaften und gleichzeitig immer wieder neue Marktchancen zu identifizieren und zu nutzen.

Der ursprünglich komplett freie und damals manchmal auch als „grau“ bezeichnete Markt der geschlossenen Fonds wurde kontinuierlich reguliert, insbesondere durch das KAGB 2013. Einerseits wurde dadurch eine Professionalisierung erreicht, andererseits wird vielfach über die enorme Bürokratie für die heutigen alternativen Investmentfonds sowie über eine Reduktion der Anbieterzahl und damit Bedeutungsverlust der Branche als Ganzes geklagt. Was überwiegt aus Ihrer Sicht?

von Wiedebach-Nostitz: Die Regulierung durch das KAGB hat die Branche ohne Zweifel verändert – und aus unserer Sicht zum Besseren. Früher war der Markt der geschlossenen Fonds teils unübersichtlich und von Anbietern geprägt, die nicht immer solide wirtschafteten. Heute sorgen klare gesetzliche Vorgaben für Transparenz, Sicherheit und Vertrauen – Faktoren, die den Sachwertinvestments insgesamt neue Stärke verliehen haben. Auch wenn der administrative Aufwand gestiegen ist, hat sich die Professionalisierung bezahlt gemacht: Gut strukturierte, nachvollziehbare Produkte mit verlässlicher Rendite sind gefragt – bei privaten wie auch institutionellen Investoren. BVT sieht Regulierung daher nicht nur als Pflicht, sondern insbesondere auch als Chance, sich mit Qualität und Glaubwürdigkeit im Markt nachhaltig zu positionieren.

Sie haben sich mit der Derigo für eine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) und damit gegen die Zusammenarbeit mit einer Service-KVG entschieden. Was waren die wesentlichen Gründe dafür und wie beurteilen Sie diese Entscheidung aus heutiger Sicht?

von Wiedebach-Nostitz: Die Entscheidung für eine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft, die Derigo, war für die BVT eine strategische Weichenstellung – und aus heutiger Sicht absolut richtig. Denn: Sie können die „DNA“ einer Firma nicht einfach fremd verwalten lassen! Inhaltlich entsprachen die hohen Anforderungen des KAGB bereits den etablierten Sicherheits- und Anlegerschutzstandards von BVT, organisatorisch jedoch bot die Eigenständigkeit die Chance, Strukturen optimal an die eigenen Qualitätsansprüche anzupassen. Heute bündelt die Derigo das gesamte Know-how der Gruppe in den Bereichen Immobilien, Energie und Infrastruktur, steht für effizientes Risikomanagement, technologische Exzellenz und nachhaltiges Denken. Die Zulassung der Derigo deckt dabei ein sehr breites Tätigkeitsfeld ab. Mit ihrer Flexibilität und der konsequenten Umsetzung der UN-Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren setzt sie die Erfolgsgeschichte von BVT fort und stärkt die Position der Unternehmensgruppe als verlässlicher Partner für anspruchsvolle Sachwertinvestitionen.

Zuletzt konzentriert sich die BVT im Neugeschäft wieder hauptsächlich auf US-Immobilien. Welchen Stellenwert haben die anderen Assetklassen im Bestand noch, vor allem deutsche Immobilien und Erneuerbare Energien?

von Wiedebach-Nostitz: Unser Fokus liegt 2026 klar auf unseren langjährigen Kompetenzbereichen – Immobilien USA sowie Energie und Infrastruktur. Gleichzeitig bleibt der Heimatmarkt wichtig: Im Bereich Immobilien Deutschland planen wir in diesem Jahr neue Spezial-AIF, zudem befindet sich ein Zweitmarkt-Immobilienfonds in der Platzierung. Sie sehen: Die BVT ist breit und zukunftsorientiert aufgestellt – mit starken Standbeinen und spannenden Perspektiven in allen Assetklassen.

In den USA stehen Wohnungsbau-Projektentwicklungen im Vordergrund. Warum sehen Sie in diesem Segment besonderes Potenzial?

von Wiedebach-Nostitz: In der Tat bietet das Wohnungsbausegment in den USA weiterhin großes Potenzial. Selbst für Haushalte mit überdurchschnittlichem Einkommen ist der Erwerb von Wohneigentum vielerorts kaum noch realisierbar. Neben jenen, die sich Eigentum nicht leisten können, wächst seit der Finanzkrise 2009 auch die Gruppe gutverdienender Amerikaner, die angesichts der sich ändernden Arbeitsmarktanforderungen bewusst flexibel bleiben möchten und daher auf den Kauf einer eigenen Immobilie verzichten. Nach dem Höhepunkt der Bautätigkeit in den Jahre 2022 und 2023 mit jeweils rund 1,1 Millionen Mietwohnungen im Bau hat sich dieser Wert im vergangenen Jahr mit rund 0,5 Millionen halbiert. Für das Jahr 2026 gehen wird ebenfalls von rund 0,5 Millionen Mietwohnungen im Bau aus. Diese Entwicklung wird nach der Absorption des Neubautätigkeit der Jahre 2022 und 2023 zu einer steigenden Nachfrage, basierend auf der rückläufigen Bautätigkeit, führen. Ab voraussichtlich Ende 2026 rechnen wir in zahlreichen Metropolregionen mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Mietwohnungen – ein Szenario, das sich positiv auf die Mietpreise auswirken dürfte. Damit entsteht ein sehr attraktives Investitionsumfeld. Wir haben das aktuell genutzt, um uns für unseren neuen Publikumsfonds bereits ein erstes Projekt vertraglich zu sichern und für eine Beteiligung nun intensiv zu prüfen. 

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Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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