Sachwertegipfel: Ebbt die Euphorie um ELTIF 2.0 ab?

Diskussionsrunde im Stehen mit fünf Herren.
Foto: Astrid Klee
Diskussionsrunde auf dem Sachwertegipfel (Ausschnitt), von links: André Wreth (Solvium), Klaus Wolfermann (VKS), Frank Rottenbacher (AfW), Michael Denk (Quadoro Investment), Volker Arndt (US Treuhand).

Die anfängliche Begeisterung für das seit Anfang des Jahres reformierte Sachwert-Vehikel European Long Term Investment Fund (ELTIF), also langfristige Investmentfonds nach EU-Recht, scheint spürbar nachzulassen.

Diesen Eindruck hinterließ die Fachtagung „Sachwertegipfel“ am Dienstag am Münchener Flughafen. Zwar plant weiterhin eine Reihe von Sachwertanbietern die Auflage eines ELTIF der neuen Generation, auch als ELTIF 2.0 bekannt. Aber die Zeitschiene hat sich teilweise deutlich nach hinten verschoben, die Planungen sind vielfach noch recht unkonkret oder wurden zunächst zurückgestellt.

So berichtete Michael Denk, Geschäftsführer bei Quadoro Investment, das Unternehmen habe sich gegen einen ELTIF entschieden und stattdessen ein offenes Infrastruktur-Sondervermögen aufgelegt (wobei mit dem Begriff „Sondervermögen“ bei Investmentfonds tatsächlich ein – separat verwaltetes – Investmentvermögen gemeint ist und nicht wie neuerdings in der Politik in Wirklichkeit Sonderschulden). Die wesentlichen kolportierten Vorteile des ELTIF haben sich demnach nicht als schlagend erwiesen.

So sei die Möglichkeit des europaweiten Vertriebs nicht wirklich relevant, weil dies ohnehin nicht vorgesehen sei und auch sonst kaum ein deutscher Anbieter mache, sagte Denk. Das Interesse des Vertriebs an dem neuen Vehikel sei zudem deutlich geringer als ursprünglich angenommen.


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Die Möglichkeit der Zulassung in Luxemburg – und damit ohne die oft langsame und sperrige deutsche BaFin – ist demnach ebenfalls kein wirklicher Vorteil des ELTIF. Quadoro habe die Genehmigung der BaFin für das Infrastruktur-Sondervermögen jedenfalls problemlos und innerhalb weniger Wochen erhalten, berichtete Denk.

Wie ein ELTIF kann auch ein offenes Infrastruktur-Sondervermögen, das sich als Vehikel vor allem für Investitionen in Erneuerbare Energien eignet, ein Rückgaberecht für die Anleger vorsehen. Es gleicht der Konzeption eines offenen Immobilienfonds und sei dem Vertrieb daher wesentlich vertrauter als das neuartige Vehikel eines ELTIF.

Sachwert im AIF konkreter

Auch die unlängst nach langer Pause ins Publikumsgeschäft zurückgekehrte Euramco will nach den Worten von Bernd Rickels, Director Business Development, zunächst keinen ELTIF auflegen und bei alternativen Investmentfonds (AIF) bleiben. Er sieht den großen Vorteil des AIF gerade darin, dass er auf eines oder wenige Objekte beschränkt werden kann und der Sachwert damit für den Kunden viel konkreter sein könne. Ein ELTIF wird wegen der gesetzlichen Vorschriften zur Risikomischung und der notwendigen Größe demnach eher als eine anonyme Kapitalsammelstelle wahrgenommen .

Weiter an der ELTIF-Planung fest hält hingegen unter anderem Solvium. Geschäftsführer André Wreth sieht darin eine Ergänzung, aber keinen Ersatz, für seinen ebenfalls geplanten Publikums-AIF. Er hofft auf den 1. Juli als Startdatum. Wreth sieht einen wesentlichen Vorteil darin, dass der Vertrieb eines ELTIF unter bestimmten Voraussetzungen auch über Finanzdienstleister mit Erlaubnis nach Paragraf 34f Absatz 1 Nummer 1 GewO möglich ist, wie die BaFin Anfang Februar in neuem FAQ-Katalog klargestellt hat. Für Publikums-AIFs ist eine Zulassung nach Nummer 2 erforderlich, über die wesentlich weniger Finanzdienstleister verfügen. Das Thema Vermögensanlagen hat Solvium hingegen nach langwierigen vergeblichen Versuchen, von der BaFin eine Prospektbilligung zu erhalten, ad acta gelegt.

Hansainvest fortgeschritten mit Private-Equity-ELTIF

Auch Alexander Hupe, Vorstand der MyHouse AG, die unlängst mit ihrem ersten Publikums-AIF in den Markt gestartet ist, plant weiterhin daneben die Auflage eines ELTIF. Und Robert Guzialowski, Leiter Business Development im Geschäftsbereich Real Assets bei der Service-KVG Hansainvest, berichtete, das Unternehmen sei recht weit fortgeschritten im Zulassungsprozess für einen Private-Equity-ELTIF mit einem etablieren Anbieter aus der Branche.

Laut Guzialowski hat der ELTIF 2.0 durchaus das „Potential zum Game-Changer“. Es gebe in der ELTIF-Regulierung aber noch viele offene Details, unter anderem im deutschem Steuerrecht. Es fehlen auch noch die finalen regulatorischen technischen Standards (RTS), die von der EU-Wertpapieraufsicht ESMA erst kurz vor Inkrafttreten der ELTIF-Novelle am 10. Januar 2024 im Entwurf veröffentlicht wurden.

Das Thema ist also keineswegs tot. Die Umsetzung ist jedoch, wie auch in Gesprächen am Rande deutlich wurde, offensichtlich bei Weitem nicht so unproblematisch wie anfangs vielfach angenommen und das Vehikel ELTIF längst nicht für alle Sachwertkonzepte geeignet. Die Konkurrenz durch etablierte Investmentgesellschaften aus dem offenen Bereich ist zudem groß.

„Sachwertegipfel“ statt „Sachwerte-Kolloqium“

Zu der Fachtagung, die statt „Sachwerte-Kolloquium“ in diesem Jahr „Sachwertegipfel“ hieß, trafen sich am Dienstag trotz Lufthansa-Streik etwa 70 Teilnehmer aus der Sachwertbranche am Flughafen München unter der Leitung der Fachjournalisten Friedrich Andreas Wanschka (wmd-brokerchannel), Markus Gotzi (Fondsbrief) und erstmals Uwe Kremer (kmi). Stefan Loipfinger (Investmentcheck) war in diesem Jahr nicht mit von der Partie. Veranstalter war wie in den Vorjahren der RedaktionMedien Verlag von Astrid Klee.

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