Wenn die strategischen Metalle eine Hierarchie hätten, wäre Titan der unangefochtene König. Benannt nach den Titanen der griechischen Mythologie, macht dieses Element seinem Namen alle Ehre. Es ist hart wie Stahl, aber nur halb so schwer, und es rostet praktisch nie. In der Raumfahrt ist es deshalb das Material, aus dem Träume und Druckkapseln gemacht sind.
Der Weg führt an dieser Stelle vom Sand zum Supermetall, denn Titan kommt auf der Erde zwar häufig vor, aber es „versteckt“ sich gerne. Unter allen Elementen ist das Titan das neunthäufigste Element der Erdkruste. Man findet es vor allem in den Mineralien Ilmenit und Rutil.
Der Prozess, um aus dem Erz reines Metall zu gewinnen, der sogenannte Kroll-Prozess, ist extrem energieintensiv und technisch anspruchsvoll. Die Hauptförderländer sind Australien, Südafrika, China und Russland. Letzteres war nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ein großes Problem, denn im Vorfeld dieses Krieges hatten sich die westlichen Länder bei der Belieferung mit Titan sehr stark auf Russland verlassen.
Kein anderes Metall ist für die Raumfahrt so wichtig wie Titan
Warum ist die Raumfahrt so verrückt nach Titan? Ganz einfach: Das Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht ist unschlagbar und bei Raketenstarts zählt wie in der Luftfahrt jedes Gramm. Viele Strukturbauteile wie beispielsweise die Skelette von Sonden und Raketenstufen bestehen deshalb oft aus Titanlegierungen.
In den Triebwerken kommt ein weiterer Vorteil des Titans zum Tragen, denn in den Brennkammern herrschen Temperaturen, bei denen andere Metalle wie Butter schmelzen würden. Titan jedoch hält stand. Deshalb ist sein Einsatz unabdingbar, wenn Düsen und Triebwerke gebaut werden.
Dieser Vorteil wird auch genutzt, wenn es darum geht, die Hitzeschilde zu konstruieren. Sie schützen bei der Rückkehr in die Atmosphäre vor den hohen Temperaturen, die infolge der plötzlich auftretenden Reibung entstehen. Auch hier schützt Titan die wertvolle Fracht.
Das russische Dilemma
Firmen wie Boeing, Lockheed Martin und Northrop Grumman verbrauchen gigantische Mengen dieses Metalls. Aber auch innovative Start-ups nutzen Titan für 3D-gedruckte Raketenteile. Diese moderne Art, Bauteile herzustellen spart Material und steigert die Effizienz.
Der weltweite Bedarf an Titan ist damit nicht zu leugnen. Dieser Bedarf ist aber auch gleichzeitig die Ursache für die geopolitische Brisanz des Titans. Um sie wissen nicht nur die westlichen Abnehmer, sondern selbstverständlich auch die Förderländer und niemand kann es ihnen verdenken, dass sie ihr Möglichstes tun, um aus diesem Vorteil nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch Kapital zu schlagen.
An dieser Stelle wird es politisch ungemütlich. Über Jahrzehnte war das russische Unternehmen VSMPO-AVISMA der weltweit größte Titanproduzent und belieferte fast die gesamte westliche Luft- und Raumfahrtindustrie mit Titan. Seit den Sanktionen gegen Russland herrscht im Westen jedoch eine Art Goldgräberstimmung: Man versucht händeringend, neue Quellen in den USA oder Norwegen zu erschließen und Recycling-Quoten zu erhöhen.
Der Westen hat erkannt: Titan ist nicht mehr nur Werkstoff – es ist ein politisches Druckmittel.
Die australische McLaren Minerals (WKN A40XP1 / ASX MML) verfügt bereits über eine dem australischen Standard JORC entsprechende Ressource an so genannten „schweren Mineralen“ (Heavy Minerals). Und bei diesen handelt es sich eben um Ilmenit, Rutil, Zirkon, Magnetit und Granat – die Ausgangsrohstoffe für Titan! Auf dem Titanprojekt McLaren im Eucla Basin, Western Australia, hat das Unternehmen bisher eine JORC-Ressource von 280 Mio. Tonnen mit durchschnittlich 4,8 % Heavy Minerals nachgewiesen. Das entspricht bereits jetzt rund 13,5 Mio. Tonnen an Heavy Minerals!
Seit März läuft auf dem Titanprojekt McLaren zudem bereits ein auf 13.000 Meter ausgelegtes Bohrprogramm zur Ressourcenaktualisierung und -erweiterung mit dem Ziel, große Teile der Ressource von der Kategorie „angezeigte in die Kategorie „gemessene“ Ressourcen hochzustufen. Zudem sollen ausgewählte Bereiche der Kategorie „abgeleitete Ressourcen“ in „angezeigte Ressourcen“ hochgestuft und die Ressource entlang des Streichs nach Süden hin erweitert werden.
Zusätzlich untersucht McLaren Minerals das das Potenzial des östlichen Shoreline-Ziels um einen Wachstumskorridor zu erschließen. Zusammen sollen so ausreichend neue Daten gewonnen werden, um eine weitere Aktualisierung der aktuellen Ressourcenschätzung zu ermöglichen und eine erste Erzreserve zu schätzen. Mit diesen könnte das Unternehmen dann nötige Daten zur Bestätigung der Entwicklungsstrategie des Projekts in Richtung einer bankfähigen Machbarkeitsstudie (BFS) gewinnen – und so einen entscheidenden Schritt nach vorn machen.
Autor Bernd Heim ist seit 1985 an der Börse aktiv und verfügt über mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung in der Analyse von Märkten, Zyklen und Unternehmen.




