Kursschwankungen, im Fachjargon Volatilität genannt, sind gewissermaßen der Preis für die Chance auf attraktive Renditen von Börseninvestments. Die Renditechancen am Aktienmarkt liegen historisch betrachtet deutlich über dem Niveau von risikoarmen Anlagen wie Sparbüchern oder Tagesgeldkonten. Doch in Phasen sinkender Kurse verfallen viele Anleger häufig vorschnell in Panik und verkaufen überhastet ihre Wertpapiere.
Dieses emotionale Handeln entpuppt sich im Nachhinein oft als gravierender Anlegerfehler. Ein strategischer Vermögensaufbau basiert nicht allein auf dem Erraten kurzfristiger Trends, sondern vor allem aus einer strukturierten Vorgehensweise und einem langen Anlagehorizont. Auch wenn der Blick in die Vergangenheit kein Garant für die Zukunft ist, sprechen die historischen Börsendaten für sich: Wer in der Vergangenheit beispielsweise 15 Jahre lang in den DAX investiert war, hat am Ende dieser Zeit noch nie einen Verlust erlitten. Im Durchschnitt lag die Rendite in solchen Zeiträumen bei etwa acht bis neun Prozent pro Jahr.
Warum Market Timing meist scheitert
Eine hohe Durchschnittrendite über 15 Jahre bedeutet jedoch auch, dass einzelne Jahre mal besser und mal schlechter abschneiden, auch Verlustjahre können also darunter sein. Ein häufiger Fehler ist der Versuch, den perfekten Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg zu finden – eine Herangehensweise, die auch als „Market Timing“ bekannt ist. Die Realität zeigt jedoch, dass dies selbst institutionellen Investoren kaum dauerhaft gelingt. Wer sich in unruhigen Marktphasen von seinen Investments trennt, verpasst oft die stärksten Erholungstage, die häufig direkt auf große Kursverluste folgen.
Und: Wer die wenigen Tage mit besonders hohen Gewinnen verpasst, generiert auf lange Sicht eine deutlich niedrigere Rendite als Anleger, die auch in turbulenten Phasen die Ruhe bewahren. Ein disziplinierter Ansatz, etwa das regelmäßige Investieren über Sparpläne oder durch das Festhalten an einer langfristigen Anlagestrategie, ist hier meist überlegen. Durch den Durchschnittskosteneffekt kaufen Anleger mit einem Sparplan bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger – und erzielen damit auf lange Sicht einen attraktiven Durchschnittskurs. Eine langfristige Anlagestrategie profitiert hingegen davon, dass die Börse trotz vorübergehender Schwächephasen in der Regel weiter aufwärts strebt. Kurzfristige Kursverluste fallen dann nicht mehr so stark ins Gewicht.
Die fünf klassischen Fallstricke für Anleger
Um das Vermögen langfristig zu schützen, sollten Anleger die typischen psychologischen Fallen kennen, die in volatilen Zeiten zuschnappen. Panikreaktionen und die Aufgabe einer langfristigen Anlagestrategie aufgrund kurzfristiger Kursverluste gehören zu den häufigsten Anlegerfehlern. Diese fünf Anlegerfehler gilt es zu vermeiden:
- Panikverkäufe: Wer bei schlechten Nachrichten und fallenden Kursen verkauft, macht aus einem häufig nur vorübergehenden Buchwertverlust einen endgültigen Kapitalverlust. Solange ein Investment nicht existenzgefährdet ist, ist es in der Regel ratsam, kurzfristige Kursverluste auszusitzen.
- Mangelnde Streuung: Einseitige Investments in einzelne Branchen oder Aktien erhöhen das Risiko unnötig. Eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und alternative Investments sowie eine Streuung über Branchen, Regionen und Währungen mindert die Verlustrisiken und sorgt für eine stabilere Rendite.
- Fehlende Langfristperspektive: Finanznachrichten sind oft auf Sensation ausgelegt. Für den langfristigen Anlageerfolg ist es erforderlich, das tägliche Marktrauschen auszublenden und sich auf die großen und nachhaltigen Wirtschaftstrends zu fokussieren.
- Unterschätzte Kosten: Häufiges Umschichten im Wertpapierdepot kostet jedes Mal Transaktionsgebühren und kann Steuerzahlungen auslösen. Eine bedachte „Buy-and-Hold“-Strategie ist nicht nur kostengünstiger, sondern meist auch rentabler. Merke: Hin und Her macht Taschen leer!
- Fehlender Notgroschen: Wer sein gesamtes Geld investiert hat, muss in Krisenzeiten seine Wertpapiere eventuell zu ungünstigen Kursen verkaufen, um private Verpflichtungen zu decken. Eine Reserve von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem sicheren Konto ist daher sehr ratsam.
Beständigkeit führt zum Ziel
Erfolgreiche Geldanlage ist weniger eine Frage des „richtigen Riechers“ und Market Timings. Es ist primär eine Frage einer langfristig angelegten, breit gestreuten Anlagestrategie und ihrer disziplinierten Einhaltung und Adjustierung. Die Weltwirtschaft hat in der Vergangenheit zahlreiche Krisen überstanden und ist stets gestärkt daraus hervorgegangen.
Wer eine klare, breit gestreute Strategie verfolgt und die Ruhe bewahrt, wird langfristig belohnt. Wahre Souveränität am Kapitalmarkt zeigt sich nicht im hektischen Handeln, sondern oft im bewussten Nichthandeln, während andere in Panik geraten. Der Vermögensaufbau ist kein Sprint, sondern ein Marathon.
Autor Nermin Aliti ist Leiter Fonds Advisory der Laureus AG Privat Finanz.












