Viel KI, wenig Vernetzung: Wo Banken bei der Betrugsbekämpfung hinterherhinken

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Foto (KI): Stephan - stock.adobe.com
Online-Betrug wird nicht nur für Banken zunehmend zur Herausforderung (KI-Symbolbild)

Banken investieren verstärkt in künstliche Intelligenz zur Betrugsbekämpfung. Doch zwischen dem eigenen Sicherheitsgefühl und den tatsächlichen Fähigkeiten klafft eine deutliche Lücke. Eine internationale Studie zeigt, woran es in der Praxis vor allem hapert.

Eine deutliche Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlicher Leistungsfähigkeit prägt die Betrugsprävention vieler Finanzinstitute. Das zeigt der „Fraud Readiness Index 2026“ des Technologieanbieters Feedzai. Für die Untersuchung wurden 1.030 Führungskräfte aus den Bereichen Betrugsprävention und Finanzkriminalität in zwölf Ländern befragt, darunter Deutschland.

Die Institute bewerten ihre Bereitschaft zur Betrugsbekämpfung im Durchschnitt mit 80,2 von 100 Punkten. Bei der Bewertung ihrer tatsächlichen Fähigkeiten in den Bereichen Dateninfrastruktur, künstliche Intelligenz, Informationsaustausch und operative Prozesse erreichen sie dagegen lediglich 66,9 Punkte. Die Differenz beträgt 13,3 Punkte. In Deutschland ist die Lücke zwischen Selbsteinschätzung und nachgewiesener Vorbereitung noch größer: 17,6 Prozentpunkte.

An mangelnder Investitionsbereitschaft liegt das offenbar nicht. 96 Prozent der Befragten in den zwölf Ländern rechnen damit, dass ihre Budgets für KI-gestützte Betrugsbekämpfung in den kommenden zwei Jahren steigen werden. Dennoch verhindern technische und organisatorische Schwachstellen vielerorts einen effizienten Einsatz der vorhandenen Ressourcen.

Manuelle Prozesse bremsen die Betrugsprävention

Besonders deutlich zeigen sich die Defizite bei der Datenverarbeitung. 73 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Analysten zu viel Zeit damit verbringen, Informationen aus unterschiedlichen Systemen manuell zusammenzutragen. Für die eigentliche Untersuchung verdächtiger Vorgänge bleibt dadurch weniger Zeit.

Hinzu kommt die unzureichende Vernetzung der Datenbestände. Lediglich 41 Prozent der Institute haben ihre Informationen aus Betrugsprävention, Geldwäschebekämpfung, Compliance und Cybersicherheit vollständig miteinander verknüpft. Bei der Prüfung verdächtiger Transaktionen müssen Mitarbeiter deshalb häufig mehrere Systeme durchsuchen, um ein vollständiges Bild zu erhalten.


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„Banken mangelt es weder an Ambitionen noch an Budget. Was sie ausbremst, sind ineffiziente Strukturen: Daten, die nicht miteinander verknüpft sind, und Analysten, die einen großen Teil ihres Arbeitstages damit verbringen, Informationen zusammenzusuchen, anstatt Betrug mithilfe moderner Technologien wie KI zu stoppen“, sagt Nuno Sebastião, Mitgründer und Vorstandschef von Feedzai.

Banken wollen Betrugsinformationen stärker austauschen

Neben der internen Datenvernetzung gewinnt die Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten an Bedeutung. In zehn der zwölf untersuchten Länder verursachen Betrugsfälle, bei denen Täter ihre Opfer zur eigenständigen Überweisung von Geld bewegen, inzwischen die höchsten Verluste.

Die Bereitschaft zum institutsübergreifenden Informationsaustausch ist entsprechend hoch. 87 Prozent der befragten Führungskräfte würden erwägen, Informationen über Betrugsmuster sicher mit anderen Banken zu teilen – auch mit direkten Wettbewerbern. Damit könnten verdächtige Aktivitäten früher erkannt werden, selbst wenn Täter mehrere Institute ins Visier nehmen.

Bei der technischen Umsetzung bestehen allerdings erhebliche Unterschiede. Nur 25,5 Prozent der untersuchten Institute erreichen mit mindestens 76 von 100 Punkten die höchste Bewertungskategorie „Leading“. Diese Gruppe zeichnet sich laut Feedzai insbesondere durch vernetzte Datenbestände und einen geringeren Anteil manueller Tätigkeiten aus.

KI-Agenten gewinnen bei der Betrugsbekämpfung an Bedeutung

Der branchenweite Fraud Readiness Index liegt bei 69,3 von 100 Punkten. Insgesamt 73 Prozent der Institute fallen in die mittlere Kategorie „Capable“, die einen Wert zwischen 51 und 75 Punkten umfasst.

Gleichzeitig wächst das Interesse an KI-Systemen, die einzelne Aufgaben eigenständig übernehmen können. 68 Prozent der Institute nutzen sogenannte KI-Agenten bereits für mindestens drei Anwendungsfälle in der Betrugsbekämpfung oder planen deren Einsatz. Die größte Herausforderung sehen die Befragten dabei im Vertrauen in autonome Entscheidungen der Systeme.

Die Studie basiert auf einer Befragung zwischen dem 13. Juli und dem 4. August 2026. Neben Deutschland wurden elf weitere Länder untersucht, darunter die USA, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Singapur. Die Ergebnisse zu Betrugsverlusten glich Feedzai mit Daten aus mehr als 120 Milliarden Transaktionen ab.

Ab dem 22. Oktober 2026 stellt Feedzai zudem ein Online-Werkzeug bereit, mit dem Finanzinstitute ihre eigene Betrugsabwehr anhand der Ergebnisse des Index bewerten und mit anderen Instituten vergleichen können.

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