Der Erlebnisfaktor

Cash.-Chefredateur Frank O. Milewski steht vor dem Cash.-Logo
Frank O. Milewski, Cash.-Chefredakteur

Was hat Altersvorsorge mit Nachhaltigkeit zu tun? Auf den ersten, flüchtigen Gedanken nicht viel. Denkt man allerdings länger auf den Bedeutungen dieses Begriffspaares herum, werden die Verbindungen schon deutlicher. Das Editorial zum Cash.EXTRA von Chefredakteur Frank O. Milewski

Offensichtlich hat auch die EU-Kommission nachgedacht, will sie doch mittels Direktive ab 2021 dafür sorgen, dass nachhaltiges Handeln sowohl im Asset Management als auch in der Finanzberatung europaweit Einzug hält. Auch wenn das möglicherweise für einige Schwarze Schafe die Möglichkeit bietet, sich als nachhaltig darzustellen, obwohl sie es gar nicht sind – die Branche hat dafür den Begriff „Greenwashing“ geprägt – könnte dieser Trend, der spätestens seit „Fridays for Future“ zum Megatrend geworden ist, der Altersvorsorge hierzulande zu neuem Schwung verhelfen.

Schließlich kümmern sich, seit die Niedrigzinsen vor rund zehn Jahren in Europa eingefallen sind und wohl auf unbestimmte Zeit auch nicht mehr verschwinden werden, immer weniger Deutsche um ihre finanzielle Vorsorge für das Alter. Die Abwärtsspirale verschärfte sich unlängst noch einmal weiter durch die Coronakrise und die damit einhergehenden Folgen vermehrter Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Vielfach wurden die Altersvorsorgeverträge beitragsfrei gestellt oder aber zumindest die Sparraten reduziert. Eine Entwicklung, die angesichts einer sich weiter verschärfenden Altersarmut und eines zunehmenden Demografieproblems mehr als nachteilig ist.

Möglicherweise schafft es aber das Thema Nachhaltigkeit, das derzeit in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik eine große Welle reitet, die Altersvorsorge neu zu befeuern. Schließlich gestalten viele Menschen ihren Alltag bereits verantwortungsvoller, indem sie bewusster leben, sich gesünder ernähren und sich ökologisch fortbewegen. Wenn es gelingt, diese Ansätze auch auf das Thema Geldanlage und Vermögensaufbau zu übertragen, könnte die Altersvorsorge eine Art haptische Komponente erhalten, die mehr Menschen davon überzeugt, sich doch mit der finanziellen Vorsorge für den Lebensabend zu befassen. Vielleicht fällt es auch dem Vertrieb leichter, die Wichtigkeit des Themas an die Kunden zu transportieren, wenn Altersvorsorge zu einem Erlebnis wird. 

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