„Der Fonds begegnet den Herausforderungen Raubbau, Klima und Wasser“

Foto: Ökoworld
Alexander Funk, Ökoworld

Der Fonds Ökoworld Klima ist zum Sieger in der Kategorie Nachhaltige Investmentfonds gekürt worden. Cash. befragte Fondsmanager Alexander Funk zur Strategie des Fonds und zu den Anlagechancen und Perspektiven für verantwortungsvolles Investieren.

Der Fonds Ökoworld Klima hat den diesjährigen Financial Advisors Award in der Kategorie „Nachhaltige Investmentfonds“ erhalten. Was bedeutet die Auszeichnung für Sie?
Funk
: Es ist eine großartige Auszeichnung und Ehre für das Fondsmanagement und Nachhaltigkeitsresearch, diesen Preis für die Mühe und Leistung der vergangenen 12 Jahre entgegen zu nehmen. Besonders erfreulich ist, dass der Vorwurf „nachhaltige Investments bedeuten Renditeverzicht“ unbegründet ist. Die erzielte Wertentwicklung des Ökoworld Klima verdeutlicht ganz klar, dass ökonomische und ökologische Rendite Hand in Hand gehen.

Herr Funk, ist das Klima noch zu retten?
Funk
: Angesichts der Tatsache, dass am Tag der festlichen Preisverleihung in Hamburg mehr als 20.000 Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern für das Klima i.R. der Fridays for Future-Bewegung streikten, ist die Notwendigkeit zu einem Umdenken nicht nur in unseren Breitengraden, sondern weltweit angekommen. Viele Firmen bieten zwischenzeitlich Lösungen an, die dem Forschungsstadium entsprungen sind und einen wirklichen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels beisteuern können.

Der Fonds ist bereits seit 2007 am Markt und hat seitdem fulminante Erträge eingefahren. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Funk
: Als erste Stufe ist unsere Ideengenerierung, d.h. das Aufspüren von künftigen Investmenttrends und den dazugehörigen Unternehmen zu nennen. Nach einer ersten fundamentalen Einschätzung gelangt das Unternehmen zu unserem hauseigenen Nachhaltigkeitsresearch, wo es hinsichtlich unserer ethisch, ökologisch und sozialen Kriterien beleuchtet wird. Erst nach einem positiven Entscheid kann und darf in das Unternehmen investiert werden. Die strikte Umsetzung unseres krisenerprobten Investmentprozesses gehört sicherlich zu den Erfolgsfaktoren unserer Fonds. Da setzt eine tiefe Finanzanalyse der Unternehmen ein mit den Kernpunkten der Beurteilung des Managements und die einwandfreie bilanzielle Qualität.

Ziel ist es, die künftigen Umsatz- und Ergebnistreiber zu identifizieren, die für das künftige Wachstum des Unternehmens stehen. Eine konsequent durchgeführte Verkaufsdisziplin rundet die Erfolgsfaktoren ab. Insgesamt lässt sich feststellen, dass der zweigeteilte Investmentansatz, d.h. die strikte Trennung von Fondsmanagement und Nachhaltigkeitsresearch einzigartig sind und damit die Grundpfeiler sind für die ökonomische und ökologische Qualität des Fonds.

Was sind die Kern-Investmentthemen des Fonds?
Funk
: Anlageschwerpunkte sind Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Recycling und Wiederverwertung, neue Werkstoffe, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, nachhaltiger Transport, Erhalt der natürlichen Artenvielfalt, nachhaltige Wassernutzung, Verringerung der Schadstoffbelastung von Luft, Böden und Gewässern. Der Fonds begegnet damit den drei zusammenhängenden Herausforderungen Raubbau (Rohstoffverknappung, Belastung der Ökosysteme), Klima und Wasser. Ausgeschlossen sind Unternehmen, die ohne nachhaltige Lösungen zur Vergrößerung der Probleme beitragen.

Können Sie uns ein oder zwei Beispiele von Investments und deren Impact in Sachen Klimaschutz geben?
Funk
: Sehr gerne, zunächst zum Thema Recycling: LKQ ist einer der führenden Händler von Gebrauchtteilen für die Wartung und Reparatur von Kraftfahrzeugen in Nordamerika. Der weit überwiegende Teil der Ersatzteile stammt dabei aus recycelten Altfahrzeugen. Um die Versorgung zu sichern, betreibt das Unternehmen zahlreiche Recyclingstandorte, in denen Autos und Autoteile zerlegt werden. Die Dienstleistungen von LKQ tragen zur Verlängerung des Lebenszyklus von Fahrzeugen sowie von Komponenten bei und schonen Ressourcen.

Ein weiteres Beispiel zum Thema Energieeffizienz: Monolithic Power Systems (MPS) ist ein Hersteller von Mikrochips und Komponenten für integrierte Energiesparlösungen, etwa für industrielle Anwendungen, Cloud-Computing und Telekommunikation. Das Unternehmen gilt als „Erfinder“ von System-on-a-Chip-Lösungen, die in komplexen Energiemanagement-Anwendungen eingesetzt werden.

Mittlerweile entwickelt MPS zahlreiche Chips und Elemente zur Steuerung von Sensoren und LEDs sowie Stromrichter und Lösungen für das Batteriemanagement. In Rechenzentren können die Produkte von Monolithic zur Einsparung von CO2-Emissionen beitragen, da Strom effizienter genutzt wird. Das Unternehmen betreibt darüber hinaus ein umfangreiches Umwelt- und Arbeitsschutzmanagement.

Der Klimawandel und die Klimapolitik werden in der Öffentlichkeit stark diskutiert. Inwieweit ist die Zielsetzung in Ihren Augen richtig?
Funk
: Es ist ganz klar zu begrüßen, dass die Politik einen Rahmen und somit Anreizsysteme für Technologien und Maßnahmen vorgibt, um die erste frühe Entwicklungsphase zu ermöglichen (Stichwort Start-up und Risikokapital). Ziel sollte jedoch sein, dass die Produkte und Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels sich mittel- bis langfristig selbst tragen, um die Innovationen und Technologieführerschaft weiter voran zu treiben.

Oftmals haben wir gesehen, dass die Produkte und Technologien bereits zahlreich in den privaten Haushalten vorhanden sind mit einer hohen Akzeptanz. Ein Beispiel von vielen sind die Wärmepumpen als Alternative zur Öl- oder Gasheizung oder die LED-Beleuchtungssysteme, die ebenfalls für ein besonderes und energieeffizientes Wohlfühlklima sorgen.

Ab Herbst bzw. Winter bekommt Deutschland voraussichtlich eine neue Bundesregierung. Was sind Ihre Wünsche und Hoffnungen in Bezug auf das immer dringlichere Thema Klimawandel?
Funk
: Der erste Wunsch ist eine stabile Regierung, die sich auch wirklich um die Belange des Klimaschutzes bemüht und vor allem tätig wird mit einem deutlichem Impact. Wie wir wissen, es ist fünf vor zwölf, ein weiterer Aufschub aus überparteilichen Interessen heraus können wir uns nicht leisten und dürfen wir unseren nachfolgenden Generationen nicht aufbürden.

Noch einmal zurück zum Fonds. Auch wenn dieser keinen Sektoransatz verfolgt, gibt es dennoch Regionen in der Welt, die in Sachen Klimaschutz bereits deutlich weiter sind als andere und dadurch größere Marktchancen bieten? 
Funk
: Hm, ich denke schon, dass Deutschland und Europa eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen – angefangen von den Technologien bis zur Einbettung der Maßnahmen z.B. in die Produktionsabläufe der Industrieunternehmen. Ein sehr starkes Wachstumspotenzial und Tendenzen identifizieren wir derzeit im Reich der Mitte, wo es doch deutliche Regulierungsvorgaben hin zur klimafreundlichen Energieerzeugung gibt. Zahlreiche chinesische Unternehmen entlang der „grünen“ Wertschöpfungskette steuern derzeit zu einer erfreulichen Wertentwicklung des Fonds bei.

Die Fragen stellte Frank O. Milewski, Cash.

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