Infinus-Skandal: Staatsanwaltschaft Wien ermittelt

Die Folgen des Skandals um die Dresdener Unternehmensgruppe könnten noch schwerwiegender sein als bisher angenommen. Medienberichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien gegen Infinus wegen des Verdachts der Geldwäsche. Unterdessen warnt ein Experte davor, dass ein Insolvenzverfahren bis zu einem Jahrzehnt andauern könnte. 

Die Wiener Staatsanwaltschaft prüft den Verdacht der Geldwäsche gegen Infinus wegen dubiosen Rentenversicherungsverträgen mit einem östereichischen Versicherer.

Laut Handelsblatt-Recherche prüft die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts der Geldwäsche die Versicherungsgeschäfte der „Infinus Ihr Kompetenzpartner AG“ (rote Infinus). In diesem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft der österreichischen Hauptstadt zudem gegen weitere 15 Personen, die im „wirtschaftlichen Einflussbereich und Umfeld der Infinus“ stehen.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen demnach 13 fondsgebundene Rentenversicherungen, die die rote Infinus zwischen August und Dezember 2012 an eine der größten Versicherungsgesellschaften Österreichs, die „Wiener Städtische Versicherung“, vermittelt hatte. Die Laufzeiten der Policen lagen bei 35 bis 40 Jahren, monatliche Raten beliefen sich auf bis zu 5.000 Euro.

Für die 13 strittigen Versicherungen wurden rund eine dreiviertel Million Euro an Provisionen durch die rote Infinus eingenommen. Zudem wurde der österreichische Versicherer dazu verpflichtet, das eingezahlte Kapital in Finanzprodukte von Infinus-Töchtern anzulegen. So habe die Infinus doppelt profitiert.

Infinus-Skandal: Verdacht auf Geldwäsche und Scheingeschäfte

Die Wiener Städtische Versicherung gibt an, ursprünglich nicht gewusst zu haben, dass die Versicherungsnehmer der 13 strittigen Policen jeweils Vermittler, Makler oder Direktionsmanager der Infinus-Unternehmensgruppe waren. Ende 2012 beziehungsweise Anfang 2013 habe Infinus auf Nachfrage der Versicherung nach dem dahinterstehenden Interesse „keine zufriedenstellenden Angaben“  gemacht.

Das Geschäft mit der Infinus sei daraufhin eingestellt worden. Nachdem sich wiederholt die Versicherungsnehmer der 13 Versicherungen nach nur einjähriger Laufzeit einen Teil der Einzahlungen ausbezahlen ließen, habe die Wiener Städtische Versicherung zudem die Behörden eingeschaltet.

Da die Verträge weiter mit den monatlichen Einzahlungen bedient wurden, sieht die Staatsanwaltschaft Indizien für Geldwäsche, und vermutet, dass mit den Teilentnahmen weitere Prämien finanziert werden sollten. Zudem bestehe der der Verdacht auf Scheingeschäfte, da die Policen von Infinus zum Zwecke der Generierung hoher Provisionszahlungen abgeschlossen worden seien.

Erste Schritte für Vermittler und Anleger

Im Zuge des Infinus-Skandals haben sich Anleger, Rechtsanwälte und Gläubiger mit Anfragen an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gewandt. Diese hat ihre Antworten auf die häufigsten Fragen ins Netz gestellt. Auch der vorläufige Insolvenzverwalter der zur Infinus-Gruppe gehörenden Future Business, Dr. Bruno M. Kübler, hat erste Informationen  für Anleger auf einer Website gesammelt. Die Berliner Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte hat die wichtigsten Fragen und Antworten für Vermittler zusammengestellt.

Gegen Infinus wird wegen Betrugsverdachts ermittelt. Beamte der Staatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamts Sachsen hatten im Zuge einer Razzia am 5. November die Geschäftsräume von rund 30 Firmen sowie Privaträume in Deutschland und Österreich untersucht. Sechs Beschuldigte wurden festgenommen. Bisher haben insgesamt 18 der 30 Unternehmen der Dresdener Gruppe vorläufige Insolvenzanträge gestellt. Mit einer Eröffnung der Insolvenzverfahren ist nach Expertenmeinung frühestens Ende Februar 2014 zu rechnen.

Rechtsanwalt Lutz Arnold von der auf Vermittlerrecht und Anlegerschutz spezialisierten Anwaltskanzlei Arnold in Dresden geht davon aus, dass die Insolvenzverfahren der Unternehmen der Infinus-Gruppe nach Eröffnung acht bis zehn Jahre dauern können. Das sei der unübersichtlichen Unternehmensstruktur und der Vielzahl der eingesetzten Insolvenzverwalter geschuldet.

Seite zwei: Infinus-Skandal: Anleger sollten Ruhe bewahren

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