Anzeige
23. März 2015, 14:38
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

AIF-Prospekte: Von wegen Transparenz

Mit der Regulierung sollte alles besser werden. Doch bei den Fondsprospekten ist das Gegenteil der Fall. Der Löwer-Kommentar

Cash L Wer750 in AIF-Prospekte: Von wegen Transparenz

Stefan Löwer, Chefanalyst von G.U.B. Analyse sieht in AIF-Prospekten erhebliche Informationslücken.

Weiß sollte sie sein und schön: Die neue Welt der voll regulierten alternativen Investmentfonds (AIF). Der Grauschleier gelüftet, alles kontrolliert, hochwertig und transparent.

Von wegen. Zumindest hinsichtlich der Fondsprospekte ist der Schuss nach hinten losgegangen. Sie sind alles andere als transparent und informativ. Dass sie häufig keine Prognoserechnung enthalten, ist das eine. Dass bei einigen der AIF-Prospekte für Blind Pools sogar ein tabellarischer Investitionsplan fehlt, das andere.

In diesen Fällen bleibt der geneigte Leser nach der Lektüre von 80 oder 100 Seiten in staubtrockenem Juristendeutsch, die ihm ohne erkennbare Layout-Bemühungen präsentiert werden, mit nicht viel mehr zurück als einem Berg von Fragezeichen.

Mittelverwendung bleibt offen

Ungeklärt bleibt dann beispielsweise eine so zentrale Frage wie die genaue Finanzierungsstruktur des Fonds. Die Anlagebedingungen begrenzen regelmäßig lediglich das Fremdkapital auf die gesetzliche Höchstgrenze von 60 Prozent des Wertes der Vermögensgegenstände. Welche Fremdkapitalquote der Fondsplanung tatsächlich zugrunde liegt, bleibt hingegen offen.

Noch gravierender ist, dass ohne Investitionsplan auch die Mittelverwendung nicht vollständig ersichtlich ist. In den Anlagebedingungen müssen nur die direkten Fondsgebühren zum Beispiel für die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) und die Verwahrstelle fixiert werden.

Daneben fallen jedoch weitere Kosten etwa für externe Bewerter, Makler oder Rechtsberater an, deren Höhe dort nicht beziffert wird. Bei Immobilienfonds können diese zusätzlichen „Weichkosten“ – auch wegen der Grunderwerbsteuer – locker acht bis zehn Prozent des Eigenkapitals ausmachen. Entsprechend weniger fließt in die Substanz.

Offenes Tor für Anlegeranwälte

Das kann dann auch für den Vertrieb zum Problem werden. Schließlich ist laut Bundesgerichtshof (BGH) „… für die Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung und damit aufklärungspflichtig, in welcher Höhe der Anlagebetrag nicht dem Kapitalstock der Anlage zufließt oder – wie hier – nicht in den Gegenwert an Immobilien investiert wird“ (Aktenzeichen: II ZR 404/12).

Dem Urteil zufolge ist die Gesamthöhe der Weichkosten sogar wichtiger als der separate Ausweis der Provisionen. Der Richterspruch erfolgte in Zusammenhang mit der Haftung eines Treuhänders, dürfte aber auf den Vertrieb übertragbar sein und öffnet bei Prospekten ohne vollständigen Investitionsplan ein weites Tor für Anlegeranwälte.

Für den Vertrieb bleibt dann nur zu hoffen, dass die bisherige Rechtsprechung mit der Regulierung und den neuen Vorschriften des KAGB obsolet ist. Doch das ist zweifelhaft, sagen Experten.

Seite zwei: Die Richtigkeit der Angaben im Prospekt untersucht die BaFin nicht

Weiter lesen: 1 2

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

2 Kommentare

  1. nur der Form halber “Product Governance“

    Kommentar von Frank L. Braun — 25. März 2015 @ 10:10

  2. Wer Rücknahmen-Restrisiken ab sofort ausschließen will, sollte sich grds. mit der Beweislastumkehr beschäftigen. Diese Beratungsvorgehendweise mit vorheriger Klärung, ob hälftige oder vollständige Ausfälle verkraftbar sind, wird ab 3.1.17 durch die „Product Gouvernance“ sowieso verpflichtend.

    Von besonderem Vorteil dabei ist, das der Aufwand der Verträglichkeitsprüfung gegen Honorar abgerechnert werden kann, wenn es nicht zu Abschlüssen kommt.

    Wird dazu der Regelkreis der DIN ISO 22222 zugrunde gelegt, bringt das einen Image-Zuwachs in bisher nie erlebten Umfang, wie unsere Softwareanwender berichten, s. mwsbraun.de

    Kommentar von Frank L. Braun — 25. März 2015 @ 09:11

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 8/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Durchstarter Indien – Führungskräfte absichern – Bausparen – US-Immobilien


Ab dem 20. Juli im Handel.

Cash. 7/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

US-Aktien – Unfallpolicen – Altersvorsorge – Ferienimmobilien

+ Heft im Heft: Cash.Special Vermögensverwaltende Fonds

Versicherungen

Versicherungsbetrug: Versicherer trifft Beweislast

Liegt ein Versicherungsfall vor und der Versicherer vermutet einen Versicherungsbetrug, muss er die vorsätzliche Herbeiführung beweisen. Das hat das Landgericht (LG) Dortmund in einem aktuellen Fall entschieden. Eine nachvollziehbare Vermutung ist demnach nicht ausreichend.

mehr ...

Immobilien

LBS 2016 erneut ohne Gewinn

2016 konnte die bayerische Landesbausparkasse LBS zum zweiten Mal in Folge keinen Gewinn erwirtschaften. Hauptursache seien die sinkenden Erträge aus Darlehenszinsen. Vorstandschef Franz Wirnhier erwartet, dass die LBS die anhaltend tiefen Zinsen überleben wird.

mehr ...

Investmentfonds

Union Investment: “Evolution des Sparens zeigt Wirkung”

Union Investment, die Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Bankengruppe, ist weiter auf Wachstumskurs und hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch einmal besser abgeschnitten als im Vergleichszeitraum 2016.

mehr ...

Berater

AfW gewinnt neues Fördermitglied

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, hat sich der Kreis der Förderer des Verbands um ein neues Mitglied erweitert. Die Hamburger Online-Plattform Winninger AG ist das neueste AfW-Fördermitglied.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweistellige Renditen für Anleger von PI Pro-Investor

Der Asset Manager PI Pro-Investor aus Röthenbach an der Pegnitz (bei Nürnberg) hat die Portfolien seiner beiden ersten Immobilienfonds – hauptsächlich Wohnungen – verkauft und damit sehr beachtliche Ergebnisse für die Anleger erzielt.

mehr ...

Recht

Immobilienkauf: Wer haftet für Mängel?

Oft fallen Schäden an einer Immobilie erst nach dem Kauf auf. Ob dann der Verkäufer auch haftet, hängt davon ab, um welche Art von Mangel es sich handelt. Baufi24.de hat zusammengefasst, was Käufer wissen müssen.

mehr ...