Anzeige
11. August 2016, 14:50
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Tegernseer Bank kassiert Strafzins von Reichen

Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt von reichen Sparern künftig Strafzinsen – als zweites Institut in Deutschland. Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) sieht darin einen Einzelfall und kein Warnsignal für normale Sparer.

Tegernseer Bank kassiert Strafzins von Reichen

Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt von reichen Sparern künftig Strafzinsen.

Lagern Banken Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB), müssen sie ihr 0,4 Prozent Strafzins zahlen. Diese Gebühr verlangt die Raiffeisenbank Gmund ab September von Privat- und Firmenkunden für Einlagen über 100.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten zurück. “Die ersten 100.000 Euro sind frei. Die nächsten 100.000 kosten künftig 400 Euro im Jahr”, sagt Bankchef Josef Paul. “Es geht nur um 139 Kunden, die 40 Millionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten parken.”

Raiffeisenbank Gmund gibt Kosten nach Verursacherprinzip weiter

Er hüte seit geraumer Zeit 40 Millionen Euro, die von einem Tag auf den anderen abgehoben werden könnten und die er nicht verwerten könne. “Die liegen bei mir auf dem Zentralbankkonto und verursachen 0,4 Prozent Kosten”, sagte der Bankchef. “Ich kann nicht für jede Million 4.000 Euro hinlegen.” Die Kosten gebe er nach dem Verursacherprinzip nun weiter.

Das Bargeld einfach in den Tresoren der Raiffeisenbank liegen zu lassen, wäre viel zu gefährlich: “Ich hab’ schon vier Überfälle erlebt, ich möcht nicht noch den fünften”, sagte der Bankvorstand. Die meisten Kunden hätten Verständnis und wechselten auf andere Anlageformen. Nur wenige wanderten zu anderen Banken ab.

Genossenschaftsverband Bayern: EZB verursacht Banken erhebliche Kosten

Der Genossenschaftsverband Bayern erklärte: “Der extreme geldpolitische Kurs der EZB verursacht bei allen Banken erhebliche Kosten.” Sie allein zu tragen, sei “betriebswirtschaftlich dauerhaft nicht möglich”. Einige deutsche Banken haben deshalb ihre Gebühren für Kontoführung, Kreditkarten oder Überweisungen erhöht. Mit Strafzinsen für Einlagen ab drei Millionen Euro hatte die Thüringer Volks- und Raiffeisenbank Altenburger Land mit ihrer Skatbank-Filiale 2014 Schlagzeilen gemacht.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB, sagte: “Wir erwarten nicht, dass Privatkunden flächendeckend Entgelte für Einlagen bezahlen müssen, dazu ist der Wettbewerb in Deutschland unter Banken und Sparkassen viel zu stark.” Ein Banker sagte, am Tegernsee gebe es “eine Klientel, die vom Vermögen etwas üppiger ausgestattet ist. Das kann für eine kleine Bank zum Problem werden”, wenn sie kostenlos Geld hüte. Die 1911 gegründete Genossenschaftsbank Gmund hat Zweigstellen in Bad Wiessee, Rottach-Egern, Kreuth und Tegernsee. In der Region wohnen bekannte Schauspieler, Sportler und Unternehmer.

Dem Genossenschaftsverband Bayern “sind derzeit keine weiteren Banken bekannt, die einen Auslagenersatz für Einlagen von Privatkunden berechnen”, sagte Sprecher Ernst. Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, hatte Ende Juni erklärt: “Die Schwelle, ins Negative zu gehen gegenüber dem Privatkunden, ist sehr, sehr hoch.” Die Konkurrenz sei hart, und es drohe die Abwanderung von Anlegern zur Konkurrenz. “Die Kunden in Deutschland werden sich das in der Breite nicht gefallen lassen.” (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Grundrente wird offensichtlich konkreter

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil plant eine Grundrente für Geringverdiener. Erste Präzisierungen wurden jetzt bekannt. 

mehr ...

Immobilien

Wüstenrot Immobilien: Vermittlungsrekord und Absage an das Bestellerprinzip

Die Wüstenrot Immobilien GmbH (WI) konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 erneut einen neuen Rekord bei den Vermittlungen verbuchen und spricht sich gegen das geplante Bestellerprinzip aus.

mehr ...

Investmentfonds

Absolute-Return: “Volatilität ist an sich nichts schlechtes”

Steigende Volatilität allein ist noch kein Grund, in Absolute-Return-Strategien zu investieren. Über die Stärken und Schwächen der Assetklasse sprach Cash. mit Claudia Röring, Leiterin Produktmanagement bei Lupus alpha.

mehr ...

Berater

Rankel: Mit Social Media Kunden gewinnen

Jeder zweite Facebook-Account eines Maklers ist inaktiv. Das zeigt: Viele Berater nehmen sich zwar vor, über Social Media Kunden zu gewinnen. Doch sie wissen nicht wie.

Die Rankel-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

Solar-Emission in Schwierigkeiten

Die te Solar Sprint IV GmbH & Co. KG warnt davor, dass sich gegenüber den Anlegern ihrer Nachrangdarlehen die Erfüllung der Verpflichtungen auf Zins- und Rückzahlung verschiebt. Es bestehe die Gefahr des Ausfalls von Forderungen gegenüber Projektgesellschaften.

mehr ...

Recht

Incentives – so bleiben sie steuerfrei

Viele Unternehmen sichern ihre Mitarbeiter mit sogenannten Zukunftssicherungsleistungen gegen allerlei Ungemach ab. Damit solche Gehaltsextras auch steuerfrei bleiben, kommt es auf die richtige vertragliche Gestaltung an.

mehr ...