3. Juli 2018, 09:19
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Ruhestandsplanung: Politik sieht Vertriebe in der Pflicht

Welche Lösungsansätze sollten in Sachen Alterssicherung verfolgt werden und wie lässt sich Altersarmut effektiv bekämpfen? Diese Fragen wurden auf dem Bundeskongress Ruhestandsplanung in Berlin diskutiert – dabei waren Politiker und Publikum nicht immer einer Meinung.

20180629 134527 in Ruhestandsplanung: Politik sieht Vertriebe in der Pflicht

Diskutierten in Berlin über das Thema Alterssicherung (v.l.): Pascal Kober (FDP), Max Straubinger (CSU), Klaus-Dieter Rommeiß und Peter Härtliing (beide Bundesverband der Ruhestandsplaner)

Zunächst gab es aber Kritik von Seiten der Opposition an der Bundesregierung: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober, Obmann des Ausschusses Arbeit und Soziales, bemängelte, dass die Ergebnisse der von Union und SPD eingesetzten Rentenkommission, die 2020 vorliegen sollen, erst ab dem Jahr 2025 umgesetzt werden. Beim Thema Alterssicherung müsse Politik in Generationen denken, nicht in Legislaturperioden, so Kober.

Doch auch die Bürger nahm Kober von seiner Kritik nicht aus – wenngleich er sie überspitzt forumlierte, wie er zugab: “Das Geld für so manchen Mallorca-Wochenendtrip wäre als Altersvorsorge besser angelegt.” Wichtig sei deshalb ein verbessertes Bewusstsein für die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter. Es sei Aufgabe der Politik, Transparenz über die Höhe des Alterseinkommens zu schaffen – und zwar in jeder Lebensphase.

Renteninformation häufig ohne größere Beachtung

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger, Mitglied des Ausschusses Arbeit und Soziales, betonte, dass die Große Koalition ein Portal schaffen wolle, auf dem alle Alterseinkünfte zusammengefasst und addiert dargestellt werden.

Ob dies allerdings dazu führen werde, dass sich mehr Deutsche um ihre Alterseinkünfte kümmern, sei fraglich, gab Straubinger zu. Schließlich habe auch die jährliche persönliche Renteninformation der gesetzlichen Rentenversicherung nicht zu einem veränderten Verhalten der Bürger geführt. Dieses Schreiben werde häufig ohne größere Beachtung abgeheftet oder weggeworfen.

Kein staatlicher Zuschuss für Ruhestandsplanung

Von der Vermittlung von Finanzwissen schon an Grundschulen und Gymnasien hält er nichts – wenn überhaupt, könnte damit an Berufsschulen begonnen werden. Vielmehr nahm Straubinger, der auch Versicherungsvertreter der Allianz ist, die Finanzvertriebe in die Pflicht, über das Thema Alterssicherung aufzuklären. Bei einigen Ruhestandsplanern im Publikum sorgte diese Bemerkung für Kopfschütteln und lautstarke Widerrede.

Auch den von Peter Härtling, Präsident des Bundesverbands der Ruhestandsplaner, ins Spiel gebrachten staatlichen Zuschuss für die Ruhestandsplanung – der dafür sorgen könnte, dass sich alle Bürger eine entsprechende Beratung leisten können – lehnte er ab. Dann wäre man nicht mehr weit weg von der Honorarberatung, so Straubinger, der sich als Verfechter der provisionsgestützten Beratung bezeichnete. (kb)

Foto: Bundesverband der Ruhestandsplaner

 

 

 

1 Kommentar

  1. Da wundern sich die Politiker, dass die Bürger ihr Verhalten nicht ändern. Ich wundere mich über die Politiker. Bislang haben sie doch jedem Sparer nach einigen Jahren durch irgendeinen Beschluss das Fell über die Ohren gezogen – ob das die Abgeltungssteuer war, Krankenkassenbeiträge auf Direktversicherungsrenten, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der sparende Mensch wird ja von ihnen als derjenige “mit den breiten Schultern” definiert, der solidarisch sein soll und etwas aushält. Ich bin überzeugt, dass Beschlüsse der Politik, die Alterssparen belohnen, zum gewünschten Ergebnis führen würden (z.B. das Altersansparkonto ohne Steuerbelastungen bis zu einem bestimmten Betrag wie in Frankreich)…

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 3. Juli 2018 @ 14:22

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Getsafe-Chef Wiens: “Insurtechs sind krisenfest”

In der vergangenen Woche ist das US-amerikanische Insurtech Lemonade an die Börse gegangen, das Versicherungen per Smartphone-App anbietet. Der Aktienwert hat sich binnen 24 Stunden verdoppelt, die Bewertung des Unternehmens lag kurzfristig bei über vier Milliarden Dollar. Für Christian Wiens, CEO und Gründer des Wettbewerbers Getsafe, ist dies “ein positives Signal”.

mehr ...

Immobilien

Cash.EXTRA Wohngebäude-Versicherung: Schutz vor Extrem-Risiken

Eine Immobilie ist ein wertvoller Besitz. Egal ob Haus oder Wohnung. In beidem stecken erhebliche Werte. Daher sollte der Versicherungsschutz für Haus und Wohnen eigentlich essenziell sein, ist es aber bei Weitem nicht. Mit welchen Herausforderungen Versicherer und Assekuradeure zu kämpfen haben, zeigt das Cash.Extra Wohngebäudeversicherung mit Domcura-Produktvorstand Rainer Brand, Thomas Nairz, Hauptbevollmächtigter bei Iptiq Deutschland und Michael Neuhalfen, Leiter Vertrieb bei der Alte Leipziger Allgemeine.

mehr ...

Investmentfonds

Grönemeyer initiiert neuen Gesundheitsfonds

„Medizin mit Herz und Seele“. Das ist das Motto von Professor Dietrich Grönemeyer. Der Arzt, Wissenschaftler, Publizist, Unternehmer und Investor ist bisher an einer Reihe von nichtbörsennotierten Unternehmen beteiligt. Jetzt hat er einen Gesundheitsfonds initiiert, der seinen Namen trägt, den „Grönemeyer Gesundheitsfonds Nachhaltig“.

mehr ...

Berater

Wenn das Smartphone zur Versicherungszentrale wird

Das Smartphone dürfte sich in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Vertriebskanal für Versicherungen entwickeln. Zwar haben bislang nur sechs Prozent der Bundesbürger eine Versicherung über ihr Smartphone abgeschlossen, jeder Dritte (33 Prozent) kann es sich aber in Zukunft vorstellen. Das ist das Ergebnis einer Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

mehr ...

Sachwertanlagen

Immer weniger Deutsche wollen reich werden

Nur noch eine knappe Mehrheit der Deutschen findet es erstrebenswert, reich zu sein. Gleichzeitig werden die Chancen auf ein hohes Vermögen immer schlechter eingeschätzt – auch wegen Corona. Das ergab eine repräsentative Umfrage der GfK für die “4. Reichtumsstudie” des Private-Equity-Spezialisten RWB Group.

mehr ...

Recht

ifo Institut: Ein Fünftel der deutschen Firmen hält sich für gefährdet

Ein gutes Fünftel der deutschen Unternehmen sieht sein Überleben durch die Coronakrise gefährdet. Das ergibt sich aus der neuesten Umfrage des ifo Instituts. 21 Prozent der Firmen antworteten im Juni, die Beeinträchtigungen durch Corona seien existenzbedrohend. „In den kommenden Monaten könnte sich eine Insolvenzwelle anbahnen“, sagt ifo-Forscher Stefan Sauer. Welche Branche sich als besonders gefährdet einschätzt.

mehr ...