„Absurdes Beispiel für Überregulierung des Vertriebs“

Durch die ständig steigende Regulatorik geraten mehr und mehr Makler unter extremen wirtschaftlichen Druck, so dass davon auszugehen ist, dass 20 bis 30 Prozent der Berater diesen fortschreitenden Prozess nicht „überleben“ werden. Gastbeitrag von Dr. Bernward Maasjost, PMA 

Bernward Maasjost

Zum Thema Provisionsdeckel gibt es aus meiner Sicht nur eine klare Meinung: Der Provisionsdeckel ist ein absurdes Beispiel für die Überregulierung des Vertriebs in der Lebensversicherung. Hier stehen Aufwand und Wirkung in keinem Verhältnis.

Das bestätigt auch ein Gutachten des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa), das zu dem Ergebnis kam, dass die Einführung eines Provisionsdeckels bei Laufzeiten von mehr als 30 Jahren nur zu einer marginalen Erhöhung der Rendite für den Versicherungsnehmer führen wird. Das Ifa bezeichnet das Instrument Provisionsdeckel als untauglich, um die von der Politik gewünschte Renditesteigerung im Sinne der Kunden zu erzielen.

Ich halte den Provisionsdeckel für eine Übersprungshandlung der Politik. Wir haben ein geradezu historisch niedriges Niveau von Kundenbeschwerden in der Lebensversicherung. Warum also in ein bewährtes System eingreifen? Die Politik versucht, die Spuren der Bankenkrise einer Branche zuzusprechen, die nichts mit eben jener zu tun hatte. Es waren Staaten, die betrogen haben, Banken, die bestehende Systeme ausnutzten und einen Mangel an finanziellen Reserven hatten. Die Maklerbranche war in keinster Weise involviert.

„Bürokratiemonster“ 

Doch nun sind sie da, die Bürokratiemonster Insurance Distribution Directive (IDD) und Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), eine drohende Aufsicht der Bafin ab 2021, die zu Doppelstrukturen durch die Aufsicht von Gewerbeämtern und der Bafin führen wird und natürlich der mögliche Provisionsdeckel.

Ich glaube nicht, dass der Politik bewusst ist, was es für einen durchschnittlichen Vermittler bedeutet, diese Richtlinien in seine Beratungsprozesse zu implementieren; weder vom bürokratischen Aufwand her noch von der zusätzlichen finanziellen Belastung. Als PMA mussten wir allein für die Umsetzung der IDD-Richtlinien rund 100.000 Euro aufwenden. Nicht zuletzt durch die ständig steigende Regulatorik geraten mehr und mehr Makler unter extremen wirtschaftlichen Druck, so dass davon auszugehen ist, dass 20 bis 30 Prozent der Berater diesen fortschreitenden Prozess nicht „überleben“ werden.

Und genau in diese angespannte Situation platzt die Ankündigung der Bundesministerien für Finanzen und Justiz, dass 2021 die Aufsicht über freie Finanzanlagenvermittler auf die Bafin übertragen werden soll. Da rund 80 Prozent dieser Vermittler auch als Versicherungsvermittler bei den Industrie- und Handelskammern registriert sind, sind bürokratische Doppelstrukturen vorgezeichnet. Da die Bafin den Aufwand für zusätzliches Personal und Technik den Beaufsichtigten in Rechnung stellt, steigt der Kostendruck erneut. 

Bernward Maasjost ist Geschäftsführer der PMA Finanz- und Versicherungsmakler GmbH

Foto: PMA

 

 

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