Roundtable: „Die Politik betreibt seit Jahren Greenwashing“

Nachhaltig zu investieren wird immer wichtiger und kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine ESG-konforme Anlage lanciert wird. Vier Nachhaltigkeitsexperten diskutieren die Chancen des Megatrends ESG und die Anforderungen an den Vertrieb und die Politik.

Vier Experten diskutierten das Thema Nachhaltigkeit: Jan Sachau (ecoplanfinanz) Frederik Waller (bessergrün GmbH), Bianca de Bruijn van der Gaag (ING), Jan Roß (Zurich)

 

Laut einer aktuellen Studie der Zurich ist für 90 Prozent der Befragten ein Produkt dann nachhaltig, wenn es Klima- und Umweltschutz berücksichtigt. Gehen Sie damit konform, was ist für Sie nachhaltig?

Roß: Man muss das Thema deutlich weiter fassen. Wir orientieren uns eher an den ESG-Kriterien. Neben dem Umweltschutz sind es auch die sozialen und die Governance-Themen, wenn es darum geht, die Unternehmensführung nachhaltig und ethisch sauber sowie transparent auszurichten. Letztlich geht es nicht nur um die Inhalte eines Produkts, sondern um die Ausrichtung des Gesamtunternehmens sowie um die Einbeziehung der Kerngeschäftspraktiken.

de Bruijn-van der Gaag: Da stimme ich zu. Es wird derzeit viel über Nachhaltigkeit gesprochen und natürlich fällt den Menschen zunächst einmal das Thema Klima ein. Aber auch für die ING hat das Thema sehr viel mehr Facetten. Wir sind in vierzig Ländern präsent, ein Großteil betrifft sicherlich klimatische Aspekte, aber auch sehr viel soziales Engagement.

Wir gehen viel in Schulen, weil wir festgestellt haben, dass Kinder teilweise keine Ahnung davon haben, wie man nachhaltig mit Geld umgeht. Beim Thema Immobilien geht es sehr stark um die Frage, wie energieeffizient sind die Immobilien, die wir finanzieren?

Sachau: Also das Ergebnis der Studie kann ich so auch aus unserer Erfahrung widerspiegeln. Den Leuten ist, wenn es um Nachhaltigkeit geht, in erster Linie das Thema Klima wichtig. Spricht man dann aber über Wertevorstellungen, die Kunden für ein Finanzkonzept haben, kommen auch andere Themen ins Spiel. Vor allem das Ethische hat mittlerweile eine große Bedeutung. Das gilt auch für unsere Produktpartner, die idealerweise sämtliche ESG-Themen abdecken sollten.

Waller: Viele Kunden denken tatsächlich nur in Richtung Klima. Aber auch wir versuchen mit der Initiative „bessergrün“, den Begriff Nachhaltigkeit breiter zu fassen. Es gibt den Katalog der UNO mit 17 Nachhaltigkeits-Kriterien, und wir versuchen, diesen zu entsprechen und sie als Impuls an die Menschen sowie an unsere Vertriebspartner heranzutragen, um die vielen Möglichkeiten der Nachhaltigkeit aufzuzeigen.

Der Begriff stammt aus der deutschen Forstwirtschaft, und bedeutet nichts anderes, als dass man nicht mehr Ressourcen verbraucht als letztlich nachwachsen. Das ist ein guter Ansatz, den wir zu vermitteln versuchen.

Roß: Um es auf den Punkt zu bringen, Nachhaltigkeit ist eigentlich all das, was darauf einzahlt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt werden. Das betrifft in jedem Fall auch die Kapitalanlage und die Beratung in Geldanlage- und in Altersvorsorgethemen. Das zahlt auch ein Stück weit darauf ein, dass ich selbst für mich Sorge trage und eben nicht nachfolgende Generationen damit belaste.

Wenn 90 Prozent der Befragten das Umweltpolitische in den Vordergrund stellen, weil es vielleicht gerade in Mode ist, dann liegt es doch an uns, das Thema breiter zu fassen und nach außen zu tragen. Schlussendlich muss der Makler als Betreuer des Kunden verstehen, warum es weiter zu fassen ist und auch entsprechend transportieren.

 

Seite 2: Anlagen, die ESG-Kriterien berücksichtigen, schneiden besser ab

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