Eine Frage der Zeit

Portraitfoto von Kim Brodtmann
Foto: Cash.
Kim Brodtmann, Ressortleiter Berater, Recht & Steuern brodtmann@cash-online.de

Dass die Corona-Pandemie das Tempo der Digitalisierung in der Finanzdienstleistungsbranche stark beschleunigt hat, ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Und auch dass die persönliche Beratung trotzdem weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird, wird fast schon gebetsmühlenartig wiederholt.  

In der Branche scheint weitgehend Einigkeit darüber zu bestehen, dass der Austausch mit einer Beraterin oder einem Berater bei komplexen Geschäftssparten wichtig bleiben wird. Der Tenor lautet: Für beratungsintensive Altersvorsorgeprodukte oder Berufsunfähigkeitsversicherungen wird auch künftig ein Berater benötigt, der die Kundin oder den Kunden an die Hand nimmt. Dennoch ist fraglich, ob das langfristig so bleibt, denn die technologischen Möglichkeiten entwickeln sich rasant weiter. Schon auf dem „Digital Day 2019“ in Frankfurt am Main raunte der Chef eines großen deutschen Maklerpools, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Künstliche Intelligenz (KI) Kunden auch zu anspruchsvollen Produkten beraten könne. Und aus der Insurtech-Branche ist zu hören, daran werde längst gearbeitet. 

Schon jetzt ist die Bereitschaft der Kunden groß, sich bei der Altersvorsorge von KI unterstützen zu lassen: Eine Mehrheit (54 Prozent) würde sich gerne von einer KI, die automatisch und regelmäßig die persönliche Lebenssituation analysiert, beraten lassen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Bitkom. Knapp die Hälfte (48 Prozent) will eine KI-Beratung nur ergänzend zu einer klassischen Beratung in Anspruch nehmen, sechs Prozent können bei einem KI-Einsatz aber ganz auf die tradierte Beratung verzichten. Vor allem bei den Jüngeren von 18 bis 29 Jahren ist das Vertrauen in eine KI-Beratung hoch: Ein Zehntel (10 Prozent) würde dann auf Gespräche mit klassischen Beratern ganz verzichten. Man kann davon ausgehen, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren weiter steigen wird – denn die digitale Affinität der jüngeren Generationen nimmt stetig zu. Den Beratern bleibt deshalb nur eine Möglichkeit: Sie müssen beweisen, dass sie besser sind als KI. 

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Weitere Artikel
Wissen, was los ist – mit den Newslettern von Cash.
Wissen, was los ist – mit den Newslettern von Cash.