Hitliste der Maklerpools 2022: Neue Methode – bekannter Gewinner

Fonds Finanz
"Der Zuwachs unserer Provisionserlöse um weit über 30 Millionen Euro innerhalb eines Jahres spricht für sich", sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Fonds Finanz Norbert Porazik.

Fair und transparent: Um die Cash. Hitliste der Maklerpools noch aussagekräftiger und relevanter zu gestalten, hat die Cash.-Redaktion die Methodik bei der Abfrage verändert. Der Münchner Maklerpool Fonds Finanz hat sich erneut den ersten Platz gesichert.

Die Cash. Hitliste der Maklerpools ist in diesem Jahr nach einer neuen Erhebungsmethodik erstellt worden. Es bestand Reformbedarf, denn nach der Veröffentlichung der letzten Hitliste im August 2021 war eine Diskussion in der Branche entbrannt, ob die bisherige Methodik noch zeitgemäß sei.

Daraufhin hat die Cash.-Redaktion – im konstruktiven Austausch mit Pools und Verbänden – bei der bisherigen Abfragesystematik einige Veränderungen vorgenommen, die aus Sicht der Redaktion notwendig waren, um die Relevanz der Hitliste zukünftig zu gewährleisten.

Die wichtigste Neuerung: Mit dem Rohertrag haben wir ein neues Kriterium für die Platzierung eingeführt. Der Grund: Der Rohertrag ist eine fest definierte betriebswirtschaftliche Kennzahl und damit als Rangkriterium unabhängig vom konkreten Geschäftsmodell das transparenteste und fairste Kriterium, um die wirtschaftliche Situation der diversen Pools miteinander vergleichbar machen zu können.

Alle anderen Unternehmenskennzahlen – auch die bisher für die Platzierung ausschlaggebenden Provisionserlöse – wurden ebenfalls abgefragt und werden in der Tabelle ausgewiesen, jedoch nicht als Rangkriterium verwendet. Nicht alle Marktteilnehmer sind mit der neuen Methodik einverstanden. Fondsnet, Blau Direkt und Wifo haben deshalb auf eine Teilnahme verzichtet. Die große Mehrheit reagierte aber positiv auf die Änderungen, zu denen auch gehört, dass künftig nur noch die Zahlen von Maklerpools, Pool-Töchtern von Versicherern und Servicegesellschaften erhoben werden.

Domcura wurde als reiner Assekuradeur nicht mehr berücksichtigt. Vier Pools haben ihren Rohertrag nicht angegeben und wurden deshalb ohne Platzierung separat gelistet.

Hier finden Sie alle Ergebnisse in der tabellarischen Übersicht:

Gewinner sitzt in München und knackt die 200 Millionen

Das Ergebnis der ersten Hitliste nach der neuen Erhebungsmethodik: Für die deutliche Mehrzahl der von Cash. exklusiv befragten Unternehmen verlief das Jahr 2021 positiv. Insgesamt konnten 71 Prozent der Unternehmen ihren Rohertrag steigern, nur drei Häuser mussten rückläufige Zahlen hinnehmen.

Am erfolgreichsten war die Fonds Finanz aus München – dort stieg der Rohertrag um 17,78 Prozent auf 51 Millionen Euro. Bei den Provisionserlösen hat das Unternehmen wie schon in den Vorjahren mit 220,8 Millionen Euro klar die Nase vorn. „Wir sind mit dem Geschäftsjahr 2021 sehr zufrieden, da wir erneut ein über Plan liegendes Rekordergebnis erzielt haben. Der Zuwachs unserer Provisionserlöse um weit über 30 Millionen Euro innerhalb eines Jahres spricht für sich. Dieses Plus verdanken wir vielen Faktoren und Maßnahmen, die wir immer zugunsten unserer angebundenen Partner initiieren“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Norbert Porazik.

Führende Rolle in der Finanzdienstleistungsbranche

Das Ziel sei, die führende Rolle in der Finanzdienstleistungsbranche zu spielen. „Im laufenden Geschäftsjahr verfolgen wir mit wegweisenden Projekten unsere Wachstums- und Digitalisierungspläne und sind hier auf einem sehr guten Weg. Unsere Signale stehen weiterhin auf Wachstum. So erwarten wir nach aktuellem Stand für das Ergebnis 2022 eine erhebliche Steigerung – sowohl im Umsatz als auch im Gewinn.“

Im Dezember hatte die Fonds Finanz mit der Ankündigung, dass der britische Investor Hg 60 Prozent der Gesellschaftsanteile von den Eigentümern Porazik und Markus Kiener übernimmt, für den wohl größten Paukenschlag der Branche im Jahr 2021 gesorgt. Das Unternehmen ist in London, München und New York ansässig, sein Portfolio umfasst mehr als 35 Software- und Technologieunternehmen mit einem Gesamtwert von rund 92 Milliarden US-Dollar und über 55.000 Mitarbeitern weltweit. „Hg begleitet uns bei unseren Wachstumsplänen und unterstützt mit einem sehr starken Netzwerk – vor allem bieten sie wertvolle Kontakte zu hochkarätigen IT-Spezialisten, die ein immenses Know-how mitbringen“, begründet Porazik im Cash.-Interview ab Seite 58 den Deal.

Platz 2 belegt Jung, DMS & Cie.

Auf Platz zwei landet Jung, DMS & Cie. aus München. Der Rohertrag stieg um 23,74 Prozent auf 41,7 Millionen Euro, bei Provisionserlösen in Höhe von 142 Millionen Euro. „Was Umsatz, Marge, Ergebnis und Wachstum angeht, war 2021 bei weitem das beste Jahr der Unternehmensgeschichte“, freut sich Vorstandschef Dr. Sebastian Grabmaier. Dies gelte für das Kapitalanlage- und das Versicherungsgeschäft gleichermaßen. „Sicher hat hierbei die sehr gute Entwicklung der Kapitalmärkte und das gute Jahresendgeschäft im Lebensversicherungsbereich geholfen, jedoch haben sich auch das Immobilien-, Sachwerte- und Finanzierungsgeschäft erfreulich entwickelt. 2022 startete erneut mit einem sehr erfreulichen Wachstum von über 20 Prozent. Ab Ende Februar sind allerdings die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, von Inflationsdruck und steigenden Zinsen zu spüren.“

Grabmaier will dennoch expandieren: Anfang Juli teilte die Muttergesellschaft JDC Group mit, gemeinsam mit Bain Capital und der zu Great-West Lifeco gehörenden Canada Life Irish Holding Company die Gründung eines langfristigen Joint Ventures zum Erwerb und Halten von Versicherungsmaklern und -agenturen in Deutschland und Österreich geschlossen zu haben. Im Rahmen dieser Kooperation werde ein neues Unternehmen gegründet, hieß es in einer Adhoc-Mitteilung der JDC Group. Die von diesem Gemeinschaftsunternehmen erworbenen Makler und Agenturen sollen mittels Service-Vereinbarungen an die Abwicklungs-Plattformen von JDC angeschlossen werden.

„Der Vorstand der JDC Group geht davon aus, dass die Kooperation in den kommenden Jahren einen deutlich positiven Einfluss auf Umsatz und Ergebnis haben wird“, heißt es in der Mitteilung. Die Höhe dieses Effekts werde maßgeblich davon abhängen, in welcher Zahl, mit welchem Volumen und zu welchen Zeitpunkten das Gemeinschaftsunternehmen entsprechende Akquisitionen realisieren könne. Die kanadische Holdinggesellschaft Great-West Lifeco ist 2019 als Großaktionär bei JDC eingestiegen.

Dritter Platz geht an Netfonds Gruppe

Den dritten Platz belegt die Netfonds Gruppe aus Hamburg. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Rohertrag um 39,86 Prozent auf 38,6 Millionen Euro, bei Provisionserlösen in Höhe von 101,4 Millionen Euro. „Das Wachstum der Netfonds Unternehmensgruppe hat sich während des vergangenen Jahres weiterhin beschleunigt fortgesetzt. Die erfolgreiche Einführung unserer neuen cloudbasierten 360-Grad-IT-Plattform ‚finfire‘ stellt einen Meilenstein in der Unternehmensentwicklung dar. Hierdurch sind wir von nun an in der Lage, noch deutlich skalierbarer zu wachsen“, so Vorstandschef Martin Steinmeyer. „Unsere wichtigen Wachstumstreiber waren und sind das Investmentfondsgeschäft, die Versicherungsvermittlung, die Vermögensverwaltungsplattform für Strategieportfolios, die Regulatorik inklusive Haftungsdach, das Fondsadvisory bzw. Fondsmanagement sowie die Immobilienplattform der Netfonds Gruppe.

Alle Bereiche konnten im abgelaufenen Geschäftsjahr ein zweistelliges Wachstum vorweisen.“ Auch bei Netfonds wird fleißig an der Zukunft gebastelt: Anfang Juli gab das Unternehmen gemeinsam mit der VB Select AG bekannt, eine Überkreuzbeteiligung beschlossen zu haben. Dabei werden 50,1 Prozent der Aktien von VB Select im Zuge einer Sachkapitalerhöhung in die Netfonds AG eingebracht. VB Select erhält im Gegenzug Aktien an der Netfonds AG. Beide Unternehmen arbeiten im Bereich der Wertpapieranlagen seit mehr als zwölf Jahren zusammen. Durch das Wachstum der vergangenen Jahre sind die VB-Select-Berater zum größten Partner im Haftungsdach von Netfonds Financial Services (NFS) geworden.

Im Zuge der Überkreuzbeteiligung soll die Zusammenarbeit auf weitere Dienstleistungsbereiche ausgebaut werden: In einem ersten Schritt will die Netfonds Gruppe mit der neuen Tochtergesellschaft Netfonds Credit Service (NCS) ein zusätzliches Dienstleistungsangebot im Bereich der Finanzierungs-Services anbieten. Dabei soll NCS die bestehende Infrastruktur und das gemeinsame Geschäftsvolumen von VB Select und Netfonds nutzen, um die Dienstleistung im eigenen Beraterkreis zu etablieren. Sieben Maklerpools gelang es 2021 zweistellige Wachstumsraten beim Rohertrag zu erzielen.

Steigerung bei Fondskonzept aus Illertissen besonders deutlich

Neben Netfonds fiel die Steigerung auch bei Fondskonzept aus Illertissen besonders deutlich aus (plus 33,33 Prozent auf 12 Millionen Euro, bei Provisionserlösen in Höhe von 110 Millionen Euro). Vorstandschef Hans-Jürgen Bretzke zieht vor diesem Hintergrund eine positive Bilanz: „Das Geschäftsjahr 2021 war für Fondskonzept eines der erfolgreichsten der Firmengeschichte mit bis zu dreistelligen Steigerungsraten bei Umsatzerlösen, Bestandsvolumen und Nettomittelzuflüssen. Unser Dank gilt den Maklerinnen und Maklern, die die Vorteile einer volldigitalen Architektur mit ’smartMSC‘ als neueste Version des Maklerservicecenters wirkungsvoll ausspielen und neue Servicedimensionen für ihre Kunden erreichen. Dies gilt auch für den Versicherungsbereich, der neben dem Online-Marketing weiter ausgebaut wird.“ Digitale Wertschöpfung bleibe für den Markterfolg von zentraler Bedeutung.

Die BCA aus Oberursel konnte den Rohertrag um 16,8 Prozent auf 14,6 Millionen Euro steigern, bei Provisionserlösen in Höhe von 72,5 Millionen Euro. „Wir haben unsere gesetzten Jahresziele erreicht und übertroffen. Somit sind wir mit dem Ergebnis für das Geschäftsjahr 2021 überaus zufrieden“, lautet das Fazit von Vorstandschef Rolf Schünemann. Die Entwicklung der Branche in 2020/21 sei insbesondere von der Coronakrise geprägt gewesen. „Aktuell befinden wir uns aufgrund des Inflationsdrucks und infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine in einem sehr volatilen Markumfeld. Trotz anspruchsvollen Marktbedingungen und geopolitischen Krisen ist unsere laufende Umsatzentwicklung über den Halbjahresumsatzerlösen von 2021. Demzufolge blicken wir mit unserem sehr guten Geschäftsmodell und Leistungsangebot trotz aller Herausforderungen zuversichtlich auf das laufende Geschäftsjahr 2022.“

Drei Pools mit einem Rückgang des Rohertrags

Drei Pools weisen für 2021 einen Rückgang des Rohertrags aus. Bei der WWK-Tochter 1:1 Assekuranzservice aus Augsburg sank er leicht um 0,68 Prozent auf 18,67 Millionen Euro, bei Provisionserlösen in Höhe von 44,6 Millionen Euro. „Das Jahr 2021 war durch die gesetzlichen Änderungen ab dem Jahr 2022 im Vorsorgebereich – Rechnungszinsabsenkung und deren Folgen sowie die letzte Vertriebschance zu Riester – ein sehr erfolgreiches Vertriebsjahr, mit starkem Wachstum im Bereich der Vorsorgeabsicherung“, kommentiert Vorstand Dr. Patrick Afflerbach das abgelaufene Geschäftsjahr. „Für das laufende Geschäftsjahr 2022 hat 1:1 eine Konzentration auf die biometrischen Risiken gelegt, da auch aufgrund der Teuerungsraten und Inflation die Gelder für den Bereich Altersvorsorge nicht mehr zur Verfügung stehen. Weiterhin investiert 1:1 im Verbund antizyklisch trotz pessimistischem Marktausblick in die IT und Techniklandschaft für die Partner sowie neue Deckungskonzepte und Vertriebsideen, die zu mehr Einkommenschancen im Vertrieb führen.“

Ebenfalls leicht rückläufig war der Rohertrag bei der Degenia aus Bad Kreuznach – um 0,94 Prozent auf 4,51 Millionen Euro, bei Provisionserlösen in Höhe von 14,22 Millionen Euro. „Weder Corona noch Ukraine-Krieg hatten bisher negative Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell. Die Reaktion der Versicherungsnehmer auf die anhaltend hohe Inflationsrate von sieben bis acht Prozent wird vermutlich anders sein, denn sinkendes Realeinkommen der Haushalte wird auf steigende Versicherungsprämien treffen. Um so wichtiger wird es, unsere Makler mit absoluten Top-Produkten im privaten Kompositbereich zu marktfähigen Prämien auszustatten“, betont Vorständin Halime Koppius. Wie sich die Pools in der von ihr skizzierten Gemengelage aus Ukraine-Krieg, Inflation und anhaltender Pandemie behaupten können, wird Cash. in der Hitliste der Maklerpools im Jahr 2023 analysieren. Die Erwartungen sind überwiegend positiv: 61 Prozent der von Cash. befragten Vorstände und Geschäftsführer rechnen damit, dass der Rohertrag steigen wird. Und 72 Prozent erwarten keine Auswirkungen des Kriegs auf das laufende Geschäftsjahr.

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