Deutsche Bank kommt Zombie-Fonds-Anlegern entgegen

Rechtsanwältin Katja Fohrer, Mattil & Kollegen
Rechtsanwältin Katja Fohrer, Mattil & Kollegen

Katja Fohrer, Rechtsanwältin der auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei Mattil & Kollegen, die rund 50 Anleger vertritt, begrüßt das Kompromiss-Angebot. Sie geht aber davon aus, dass die Deutsche Bank sich damit vor Schadensersatzklagen schützen will: „Das flächendeckende Vergleichsangebot ist sicher weniger schmerzhaft als der Imageverlust durch tausende von Anlegerklagen. Die Deutsche Bank hat sich dem Druck von Anlegerseite gebeugt und sieht offensichtlich ihre Fehler ein.“

Fehler wurden laut Mattil & Kollegen nicht nur bei der Fondskonzeption, sondern auch bei der Vermittlung gemacht: „Die Berater hatten offensichtlich vor allem die eigene Provision vor Augen, als sie Anlegern den Fonds als ’sichere Anlage‘ verkauften.“ Sie haben der Kanzlei zufolge eine Vermittlungsprovision in Höhe von 9,5 Prozent erhalten. „Anleger, denen das Produkt als risikolos verkauft wurde, sollten dringend die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen aus fehlerhafter Anlageberatung gegen die Bank  überprüfen lassen“, raten die Anwälte.

Den Vorwürfen der Fehlberatung widerspricht die Deutsche Bank gegenüber cash-online deutlich: „Im Beratungsgespräch wurde über die Struktur des Produktes mit seinen Chancen und allen Risiken informiert. Es erfolgte im Wesentlichen auch auf Grundlage des Prospekts, in dem alle relevanten Informationen deutlich erkennbar erläutert und dokumentiert sind.“

Trotzdem rät Dr. Tilman Langer von der Schutzvereinigung DB Kompass Life Fonds davon ab, das Vergleichsangebot anzunehmen. In einem entsprechenden Rundschreiben an die Anleger heißt es: „Wenngleich ich Ihnen natürlich keine Handlungsempfehlung geben kann, so kann ich Ihnen doch versichern, dass ich persönlich das Angebot der Deutschen Bank definitiv NICHT annehmen werde.“

Gemeinsam mit dem Anwalt von Ferber habe Langer die verschiedenen Veröffentlichungen der Deutschen Bank und der Fondsgesellschaft noch einmal im Detail studiert und sei auf vielerlei Ungereimtheiten und „geradezu unfassbare Sachverhalte“ gestoßen. Dies habe die beiden veranlasst, der Fondsgesellschaft am 15. Oktober ein Schreiben mit 27 Fragen zu schicken, das bis dato nicht beantwortet worden sei.

Bis zum 27. November können die Anleger entscheiden, ob sie sich mit 80 Prozent ihres eingesetzten Kapitals begnügen, oder auf das Laufzeitende im Jahr 2015 setzen. Die Nachfrage nach dem Vergleichsangebot der Deutschen Bank lässt sich nicht eruieren, da das Institut keine Wasserstandsmeldungen abgibt.

Eine weitere Alternative für Investoren ist der Zweitmarkt. Momentan allerdings keine sonderlich verlockende – der Preis für die letzte auf der Online-Handelsplattform www.zweitmarkt.de registrierte Transaktion  lag beim DB Kompass Life Fonds bei mageren 47,5 Prozent des Nominalwerts. (hb)

Fotos: Shutterstock, Mattil & Kollegen

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