MPC Capital muss Bulker-Fonds „Rio Manaus“ rückabwickeln

Das Hamburger Emissionshaus MPC Capital hat sein Platzierungsziel mit dem ersten Schiffsfonds seit drei Jahren nicht erreicht – trotz des „Ausschüttungs-Turbo-Konzepts“.

MPC-Vorstand Alexander Betz
MPC-Vorstand Alexander Betz

Dem Initiator MPC Capital ist es nicht gelungen, für seinen Bulker-Fonds MS „Rio Manaus“, das prospektierte Eigenkapitalvolumen in Höhe von gut 36,7 Millionen US-Dollar bei den Anlegern einzuwerben. Trotz einer Platzierungsdauer von neun Monaten, muss der Fonds deshalb rückabgewickelt werden. Welche Summe zusammenkam, will MPC Capital wie üblich nicht mitteilen. Die Anleger, die den Fonds gezeichnet hatten, würden ihre Einlagen vollständig zurückbekommen, die Eigenkapitalzwischenfinanzierung werde von mehreren Banken sichergestellt, sagte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage von Cash.Online.

Im Cash.-Interview anlässlich des Platzierungsstarts des Schiffsbeteiligungsangebots MS „Rio Manaus“ Anfang Januar 2011 war MPC-Vertriebsvorstand Alexander Betz noch so zuversichtlich, dass der Testballon nicht platzen wird und bezeichnete die „Rio Manaus“ als Forschungsschiff. Auf die Frage „Sind Anleger und Vertrieb schon reif für Ihren neuen Ein-Schiffsfonds „Rio Manaus“?“ antwortete Betz: „Genau das wollen wir mit der Rio Manaus unter Beweis stellen und haben den Fonds entsprechend konzipiert. Das Schiff stammt aus unserer Pipeline und ist – wie andere auch – bereits voll durchfinanziert“.

Dabei hatten die Hanseaten alles daran gesetzt, ein Beteiligungsangebot auf den Markt zu bringen, das bei Anlegern und Vertrieben Anklang findet: Bei dem Fondsschiff handelt es sich zwar um eine gängige Größenklasse in dem überhitzten Bulkermarkt (Massengutfrachter mit einer Tragfähigkeit von 180.000 tdw), der jedoch nach der für Anfang Januar 2012 geplanten Ablieferung für knapp zehn Jahre an die japanische Sanko Line verchartert ist. Die Anfangscharter beträgt 37.950 US-Dollar pro Tag, ab November 2021 sinken die Tageseinnahmen vereinbarungsgemäß auf 36.500 US-Dollar.

Im Hinblick auf die geplanten Auszahlungen an die Anleger hatten sich die MPC-Konzeptionäre ein ungewöhnliches und anlegerfreundliches Modell einfallen lassen: Während der Erstbeschäftigung des Schiffes sollten durchschnittlich zehn Prozent der Einlage pro Jahr ausbezahlt werden. Neun Prozent davon sollten konzeptionsgemäß als Barauszahlung an die Kommanditisten fließen.

Der Differenzbetrag sollte thesauriert und in einem Sicherheitendepot geparkt werden, das am Ende der Erstbeschäftigung aufgelöst und entweder an die Anleger ausgeschüttet oder zur Tilgung verwandt werden sollte. Diese von Betz als „Ausschüttungsturbo“ bezeichnete Konstruktion sollte dadurch refinanziert werden, dass der größte Teil der Tilgung auf die zweite Hälfte der Fondslaufzeit verschoben werden sollte – dann jedoch zu Lasten der Ausschüttungshöhe. Nach der Veräußerung des Bulkers zum kalkulierten Ende der Fondslaufzeit im Jahr 2029 prognostizierte MPC Capital dennoch einen Gesamtmittelrückfluss an die Kommanditisten in Höhe von 215 Prozent der Einlage. Das Gesamtinvestitionsvolumen des Fonds sollte sich aus 61 Millionen US-Dollar Fremdkapital, einem Beitrag der Gründungsgesellschafter in Höhe von 60.000 US-Dollar und dem einzuwerbenden Eigenkapital in Höhe von gut 36,7 Millionen US-Dollar zusammensetzen. (af)

Foto: MPC Capital

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