Schiffsfinanzierung: Der große Bluff

Je länger die Krise dauert, desto mehr Schiffsfonds müssen durch Fortführungskonzepte – sprich Entgegenkommen der Banken und frisches Kapital der Anleger – gestützt werden. Schlimmer noch: Nicht wenige Fonds, für die eine solche Maßnahme bereits erfolgreich umgesetzt wurde, benötigen wohl eine zweite Finanzierungsrunde.
Die Konzepte gingen in der Regel von einer Markterholung spätestens ab 2012 aus. Doch diese ist derzeit nicht absehbar. Nun müssen womöglich die durch drei Jahre Existenzkrise ohnehin ausgelaugten Emissionshäuser und Vertriebe, die dafür in der Regel keine oder nur eine winzige Vergütung erhalten, die bereits nicht weniger restlos bedienten Anleger um weiteres Geld bitten – keine schöne Vorstellung.

Gleichzeitig ziehen die Banken die Zügel weiter an. Das in den Vorjahren auf den Hansa Foren von Bank-Vertretern stets verbreitete Credo „Wir lassen die Branche nicht fallen und werden gemeinsam Lösungen finden“ gilt schon lange nicht mehr. Die Zeichen stehen auf Konfrontation.
Vor allem Wiebers‘ Äußerungen machten deutlich, dass die Banken die Geduld verlieren und allenfalls weitere Tilgungsstreckungen akzeptieren werden. Auf neue Kredite dürfen die Fonds nicht hoffen. Und wohl auch nicht darauf, dass die staatliche KfW-Bank der Branche aus gesamtwirtschaftlichen Gründen entgegenkommt.

Festzuhalten bleibt: Die Aussichten für Schiffsfonds sind alles andere als rosig. Die Drohkulisse der Drei-Jahres-Frist für Tilgungsaussetzungen aber war ein Bluff der Banker. Die Guillotine fällt nicht zwangsläufig und nicht automatisch. Das immerhin ist eine gute Nachricht.

Stefan Löwer ist Chefanalyst der G.U.B., Deutschlands ältester Ratingagentur für geschlossene Fonds, und begleitet den Themenbereich geschlossene Fonds in der gesamten Cash.-Unternehmensgruppe. Als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst beobachtet Löwer die Branche und ihre Produkte insgesamt bereits seit mehr als 15 Jahren.

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