„Kampagnen sind keine Sprints, sondern Langstrecke“

Cash.: Die Platzierungsergebnisse der VGF-Mitglieder aus dem dritten Quartal 2011 stimmen nicht sehr zuversichtlich … Welche Wege könnten die Branche mittelfristig aus dem Dilemma führen?

Romba: Ruhe bewahren und Kurs halten. Nicht aufhören, an sich zu arbeiten und immer wieder kommunizieren mit Anlegern, mit Vertrieben und mit den Medien. Die Produkte sind gut und sie sind überwiegend marktgerecht. Anbieter und Vertriebe setzen sich intensiv mit der kommenden Regulierung auseinander und bereiten sich vor. Aber diese Maßnahmen ändern nichts am Zustand der europäischen Finanzmärkte und der Reaktion der Anleger darauf. Bei dem, was täglich an Nachrichten von dort kommt, tun sich auch versierte Privatanleger schwer, ihr Geld mittel- und langfristig zu binden. Und das spürt unser Markt ebenso wie die Aktienfonds oder die offenen Immobilienfonds.

Cash.: Der Fall der 91-jährigen Rentnerin Irmgard Greiner, der ein Commerzbank-Berater einen geschlossenen Fonds mit 15-jähriger Laufzeit empfohlen hat, sorgte für Schlagzeilen und schädigt auch das Image der Anlageklasse. Hat der VGF als Initiatorenverband überhaupt eine Chance, da gegenzusteuern?

Romba: Unsere Aufgabe sind die Interessen der Anbieter. Die enden aber nicht, wenn der Prospekt aus der Druckerei kommt. Die Anbieter haben natürlich ein Interesse daran, dass ihre Produkte an die richtigen Anleger vermittelt werden. Das heißt an Personen, deren Portfolio in Größe und Struktur, aber auch deren Verständnis von der Investition den Anforderungen eines geschlossenen Fonds entspricht. Sich an diesen Größen nicht zu orientieren, hat Ergebnisse wie das eben genannte zur Folge. Insofern: Wir wollen uns des Themas annehmen, auch weil wir sehen, dass die Vertriebsqualität ein zusehends neuralgischer Punkt ist.

Cash.: Wie soll das konkret aussehen?

Romba: Wir prüfen die Möglichkeit, uns gemeinsam mit Vertriebsverbänden und IHKs für spezielle Weiterbildungsangebote zu engagieren. So wäre denkbar, dass es zertifizierte Lehrgänge für Vermittler geschlossener Fonds gibt, in denen eben jene Punkte vermittelt werden, die dafür sorgen, dass das Produkt den richtigen Anleger findet.

Cash.: Was erwartet uns nach diesem schwierigen Jahr auf dem VGF Summit 2012 am 7./8. Februar in Frankfurt?

Romba: Der Kongress steht im Zeichen der Anforderungen, die Regulierung und Finanzmarktsituation an die Branche stellen. Neben Produkttrends wie erneuerbaren Energien und Immobilien liegt der Schwerpunkt daher auf Vertriebsthemen. Der Markt braucht den fachlichen Austausch und die Präsenz seiner Akteure – das sehen wir auch an den durchweg positiven Rückmeldungen der Sponsoren.

Interview: Andreas Friedemann, Cash.

Foto: HJ Buchholz

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