16. November 2012, 17:10
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Insolvenz-Welle wird weitere (Ein-)Schiffsgesellschaften erfassen

Die See wird auch im fünften Jahr der Krise rau bleiben. Auf dem Podium des dem 16. „Hansa-Forum Schiffsfinanzierung“, das am 15. November 2012 in Hamburg stattfand, war wieder kein Platz für Zuversicht. Im Gegenteil.

TT HansaForum in Insolvenz-Welle wird weitere (Ein-)Schiffsgesellschaften erfassen

Schiffsinvestoren und Reedereien müssen sich weiter auf schwierige Zeiten einstellen. Insbesondere unter den Ein-Schiffsgesellschaften werden die Insolvenzfälle zunehmen. Das Zusammenspiel zu geringer Einnahmen aus Fracht- und Charterraten, sinkender Schiffswerte sowie steigender Betriebskosten wird weiter gehen. Zudem verfügen weder die Reeder noch die Anleger oder die Emissionshäuser über die Mittel, um weitere Restrukturierungen zu finanzieren. Besonders drastisch gestalte sich die Schieflage im Segment der Containerschiffe, so die wenig überraschende Einschätzung der Experten.

Entsprechend gedrückt war auch die Stimmung unter den knapp 600 Teilnehmern an Deutschlands wichtigster Konferenz zur Schiffsfinanzierung, die den Weg ins Hamburger Hotel Grand Elysée.

Eine offiziell angekündigte Gedenkminute für Jürgen Salamon, der am Abend des 13. November 2012 verstorben war und das Dortunder Emissionshaus Dr. Peters zu einem der bedeutendsten Schiffsfinanzierern in Deutschland aufgebaut hatte, hätte der Veranstaltung gut zu Gesicht gestanden.

Der eine oder andere Besucher, darunter Vertreter von Banken, Emissionshäusern, Finanzvertrieben, Reedereien, Branchenexperten und Journalisten hat das sicherlich dennoch getan. Zudem waren Fachpolitiker der CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen eigens aus Berlin angereist. Sie nahmen im zweiten der vier Panels auf dem Podium Platz, um dem bewährten Moderatoren-Trio aus Hansa-Chefredakteur Nikos Späth, dem freien Journalisten Michael Hollmann und dem ehemaligen Hauptgeschäftsführer des Reederverbands VDR Dr. Bernd Kröger Rede und Antwort zu stehen. Der Kongress stand in diesem Jahr unter dem Motto „Deutsche Schifffahrt im Netz von Banken, Märkten und Politik“.

Seit Ausbruch der Wirtschafts- und Schifffahrtskrise hat es bereits 113 Insolvenzen deutscher KG-Schiffsfonds gegeben. In der noch fahrenden Flotte ist nach Angaben der Analysten der Deutschen Fonds Research fast jedes zweite deutsche Schiffsgesellschaft (KG) ein Sanierungsfall oder steht unmittelbar vor einer erneuten Restrukturierung, weil die Einnahmen die täglichen Ausgaben nicht mehr decken. Zudem gewähren die Banken, die selbst strengeren Regularien zur Risikovorsorge unterworfen sind, kaum noch Kredite. Wichtige Schiffsfinanzierer wie die Commerzbank-Gruppe, zu der die ehemalige Deutsche Schiffsbank und die Dresdner Bank gehören, haben sogar ihren kompletten Rückzug verkündet oder wie die HSH Nordbank große Teile ihres Portfolios in eine Abwicklungsbank (“Bad Bank”) geparkt.

„Das heißt aber nicht, dass wir in jedem Fall eine schnelle Zwangsverwertung anstreben“, betonte Matthias Pohl, Leiter Portfoliomanagement bei der Schiffsbank/Commerzbank.. Vielmehr sei geplant, das Schiffskreditportfolio von derzeit 20 Milliarden Euro sukzessive auf 14 Milliarden Euro zu reduzieren.

Auch Christian Nieswandt von der HSH Nordbank verwies darauf, dass intensiv daran gearbeitet werde, möglichst viele notleidende Schiffsgesellschaften zu retten. „So lange der Markt aber so schlecht ist wie er ist, gibt es bei allen Beteiligten einen großen Handlungsdruck.“

Die Bremer Landesbank (BLB) werde zwar grundsätzlich an der Schiffsfinanzierung festhalten, ihr Portfolio aber ebenfalls bereinigen müssen, sagte Björn Nullmeyer, Leiter der Spezialfinanzierung und Generalbevollmächtigter bei der BLB. Dazu werde sie durch gesetzliche Rating-Vorgaben (Bafin) gezwungen. Nach Ablauf des dritten Krisenjahres ohne Tilgung sei eine Bank verpflichtet, einen Kredit als Ausfall zu verbuchen und mit Eigenkapital „höher als 40 Prozent“ zu unterlegen. Für Schiffsgesellschaften mit positiver Fortführungsprognose, darin stimmten alle Bankenvertreter auf dem Podium überein, sei auch künftig eine Sanierung möglich, „aber wir müssen dies nicht mehr unbedingt tun“, so Nullmeyer. Angesichts der heutigen Schiffswerte wäre das für die Bank auch nicht zielführend. So spielen alle Marktteilnehmer auf Zeit und hoffen, dass die Märkte bald wieder anziehen.

Seite 2: Gescheiterte Konsolidierungsbemühungen von Reedereien und Emissionshäusern

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