Klassische Sachwerte neu verpackt

Nachdem der Testballon einen guten Start hatte, folgte im Juli 2011 der Börsengang einer zweiten Investitionsgesellschaft, deren Aktien dem Unternehmen einen Börsenwert von rund 384 Millionen Britische Pfund bescherten und unter anderem zur Finanzierung dreier Flieger des gleichen Typs und Leasingnehmers genutzt wurden.

„Die Nachfrage seitens institutioneller Investoren auf unser erstes Beteiligungsangebot war riesig. Allerdings zeigte sich, dass einigen die Tranche zu klein war, weil die Investoren zumeist nur bis zu zehn Prozent des Gesamtvolumens zeichnen können und daher an großen Transaktionen interessiert sind. Daher haben wir anschließend ein weiteres Paket aus vier A-380-Flugzeugen geschnürt und über eine Anleihe im März 2012 emittiert“, berichtet Matthias Böhm, Geschäftsführer der Offenbacher Doric Select. „Das Fremdkapital in Höhe von rund 600 Millionen US-Dollar haben wir über die Flugzeuganleihe Enhanced Equipment Trust Certificate (EETC) über Goldman Sachs ausschließlich bei institutionellen Investoren und überwiegend in Nordamerika platziert. Allerdings haben auch institutionelle Asset Manager, Pensionskassen und private Vermögensverwalter aus Asien und Europa ihr Interesse signalisiert, so dass das Papier dreifach überzeichnet war“, sagt Böhm.

Um deren Nachfrage zu bedienen, habe sein Haus zusätzlich den Doric Aviation Bonds I in Luxemburg aufgelegt, weil der Börsenplatz bei der Investorenzielgruppe besonders hohes Ansehen genieße. Mit dem Emissionsvolumen von 65 Millionen Euro soll ein weiterer A-380-Flieger finanziert werden, der für zwölf Jahre an die Fluggesellschaft Emirates verleast wird. Das entspricht der angedachten Laufzeit der Anleihe, deren Gläubiger eine jährliche Zinszahlung in Höhe von neun Prozent des Zeichnungsbetrages erhalten sollen, der vierteljährlich ausbezahlt wird. „Die Luxemburger Verbriefungsstruktur unterliegt sehr strengen Regulierungsvorgaben, die international anerkannt sind. Daher dürfen wir die Anleihe privaten und institutionellen Investoren europaweit anbieten. Der Vertrieb hat dabei KWG- und WpHG-konform zu erfolgen“, betont Doric-Geschäftsführer Böhm.

Bei der Strukturierung des Produkts gibt es jedoch Gestaltungsspielräume, die seine Konzeptionäre auch genutzt haben: Der Vertrag mit Emirates enthält eine Klausel, derzufolge die Veräußerung des Flugzeugs bereits nach Ablauf von zehn Jahren möglich ist. Entsprechend würden die Anleger ihren Einsatz, also den Nennwert der Anleihe, früher zurückbekommen.

Andererseits kann der Verkauf des Flugzeugs bis ins Jahr 2024 hinausgezögert werden, wenn das unter den jeweiligen Marktbedingungen sinnvoll erscheint. Gerade bei dem vergleichsweise jungen Flugzeugtyp fehlt es noch an Erfahrungen hinsichtlich der Wertentwicklung, die ja nicht nur von der Substanz des Flugzeugs, sondern auch dem Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage abhängig ist.

Anders als die Gesellschafter eines geschlossenen Fonds mit KG-Struktur, hat der Anleihe-Investor als Fremdkapitalgeber keine Mitbestimmungsrechte, auch nicht, was die Veräußerung des Assets betrifft. Schon im Jahr 2012 ist Doric damit aber gelungen, worum sich viele andere Initiatoren mühen: Neben deutschen Privatanlegern auch Profianleger für seine Sachwertbeteiligungen zu gewinnen. Dem geschlossenen Publikumsfonds wollen die Hessen jedoch nicht den Rücken kehren, sondern im laufenden Jahr mit dem bewährten Kooperationspartner Hansa Treuhand ein Flugzeug im KG-Mantel anbieten.

Asset-Bond in KG-Mantel gehüllt

Eine Kombination aus beiden Anlagevehikeln bietet das Hamburger Emissionshaus Buss Capital seit Mai 2012 den Privatanlegern an. Von außen betrachtet kommt der Buss Global Containerfonds 12 im gewohnten KG-Mantel daher. Ab 15.000 Euro können die Anleger zu Kommanditisten werden und in ein Portfolio aus verschiedenen Containern investieren, wenn auch nur mittelbar: Mit der Einlage wird eine Anleihe gezeichnet, die von der zur Buss-Gruppe gehörden Buss Global Marine Assets Ltd. emittiert wird. Das eingeworbene Kapital wird schließlich in die neue ebenfalls in Singapur ansässige Gesellschaft Buss Global Asset 1 investiert, die mit dem frischen Fremdkapital das Containerportfolio aufbaut und hält.

„Anleger legen verstärkt Wert darauf, dass Fonds verlässlich und planbar sind. Da die Anleihe eine feste Laufzeit von sechseinhalb Jahren hat, wissen sie genau, wann sie mit der Schlusszahlung rechnen können“, betont Dr. Dirk Baldeweg, geschäftsführender Gesellschafter des Initiators Buss Capital. „Die Anleihe-Struktur sichert uns zudem entscheidende Wettbewerbsvorteile, weil große Containerleasingfirmen ihre Flotten ähnlich finanzieren. Die Banken kennen diese Struktur und schätzen sie als besonders risikoarm. Dadurch können wir bessere Konditionen bei der Finanzierung aushandeln und unsere Investitionsmöglichkeiten verbessern“, erläutert Baldeweg.

Neu an dem Fondskonzept ist aber nicht nur das Investitionsvehikel der Anleihe. Weil die Anleger heute Beweise dafür sehen wollten, dass ein Initiator an seine Fonds glaubt, hat Baldeweg weitere Konzeptionsmerkmale einbauen lassen. So verpflichtet sich die Emissionshaustochter Buss Capital Singapur dazu, fünf Prozent des Anleihekapitals selbst zu zeichnen und bürgt dafür, dass zumindest 88 Prozent des Nennbetrages an die Anleihegläubiger zurückfließen. Zusätzlich soll eine Erfolgsbeteiligung Anreize dafür schaffen, dass sich das gemanagte Containerportfolio besser entwickelt als prospektiert. Ihren Anlegern stellen die Hanseaten 6,5 Prozent der Einlage als jährliche Ausschüttung in Aussicht. Sie werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen eingestuft und sind damit abgeltungssteuerpflichtig.

Mit Blick auf den Vertrieb schlägt dagegen der KG-Fonds-Charakter des Beteiligungsangebotes durch, so dass auch Vertriebspartner ohne eine Erlaubnis nach Paragraf 32 KWG das Produkt vermitteln können. Bei Anleihen, die als verbriefte Inhaberschuldverschreibungen und damit als Wertpapiere im Sinne des WpHG eingestuft werden, ist das nicht möglich. Sie dürfen ausschließlich am Bankschalter, über Haftungsdächer oder anderen KWG-Lizenzinhabern angeboten werden. Abhängig davon, welche Vertriebskanäle ein Emissionshaus nutzt, dürfte diese eher politische Erwägung durchaus eine Rolle spielen, gilt es doch in der anhaltenden Absatzkrise alle Vertriebskanäle offen zu halten.

Seite 3: Versicherungslösungen mit SICAV-Struktur locken Institutionelle

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