„Wir können uns einiges vorstellen“

Michael Kohl, Geschäftsführer der Commerz Real Fonds Beteiligungsgesellschaft mbH (CFB), zu Investitionsmöglichkeiten im Umfeld Windkraft und Solar.

Windkraft: Michael Kohl, CFB
„Wir führen eine ‚NIMBY-Debatte‘ – also ‚not in my backyard‘ – , in der die Diskussionsteilnehmer erneuerbare Energien toll finden, aber niemand die Anlagen und Transportleitungen vor der Haustür haben möchte.“

Cash.: Wie bewerten Sie die gegenwärtige Diskussion um die Förderung erneuerbarer Energien?

Kohl: Die Energiewende muss ob ihrer Dimension und der Frage der Finanzierbarkeit zu kontroversen Debatten führen. Die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ist insofern sicherlich neu auszurichten, rückwirkende Eingriffe müssen aber vermieden werden.

Wir führen nach wie vor eine ‚NIMBY-Debatte‘ – also ‚not in my backyard‘ – , in der die Diskussionsteilnehmer erneuerbare Energien toll finden, aber niemand die Anlagen und Transportleitungen vor der Haustür haben möchte oder dafür bezahlen will.

Im Jahr 2011 hat Commerz Real die Mehrheit des Übertragungsnetzbetreibers Amprion samt seiner Leitungen übernommen. Bleiben Infrastruktureinrichtungen im Umfeld von Erneuerbaren-Energien-Anlagen interessante Investitionsobjekte für Ihr Haus?

Die Bedeutung von Speicher- und Leitungssystemen für Strom wird weiter steigen – nicht nur, weil die wachsende Energiemenge dorthin transportiert werden muss, wo sie gebraucht wird, sondern auch als Investitionsobjekt.

Assets wie Leitungsnetze oder Pump-Speicherkraftwerke beispielsweise, mit denen sich stabile, gut kalkulierbare Erträge erzielen lassen, wären durchaus vorstellbare Investitionsziele für Fondsgesellschaften. Gleiches gilt auch für Gas- und Wasserverteilungseinrichtungen.

Wollen Sie keinen weiteren Solarfonds auflegen?

In 2013 werden wir unseren aktuellen Solarfonds mit einem Eigenkapitalvolumen von 50 Millionen Euro ausplatzieren. Seit Ostern sind bereits mehr als zehn Prozent eingesammelt worden. Zu unserer Philosophie gehört die Nachhaltigkeit. Wenn wir neue Assetklassen erschließen, suchen wir immer nach langfristigen und strategischen Partnerschaften, von der beide Seiten profitieren können. Gemeinsam mit uns ist Belectric zum größten Solarparkentwickler der Welt geworden. Das lässt sich nicht so einfach auf einen anderen Bereich wie beispielsweise die Windkraft übertragen.

Sie planen also einen Windkraftfonds?

Wir können uns so einiges für private und institutionelle Anleger vorstellen. Ob es im Hinblick auf die neuen Diversifizierungsanforderungen des neuen KAGB sinnvoll ist, Windkraft mit anderen regenerativen Energieerzeugungsmethoden im Portfolio zu kombinieren, ist dabei ebenfalls eine Überlegung wert.

Interview: Andreas Friedemann

Foto: Alexander Böhle und Shutterstock

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