22. September 2010, 15:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Anlegerschutz: Sanierungsplan für offene Immo-Fonds steht

Der lange erwartete Entwurf zum Anlegerschutzgesetz hat das Bundeskabinett passiert. Neben dem Banken- und Versicherungsvertrieb bezieht sich das geplante Regelwerk auch auf offene Immobilienfonds. Vor allem Kleinanleger sollen besser geschützt werden.

Baustelle in Anlegerschutz: Sanierungsplan für offene Immo-Fonds steht

Text: Hannes Breustedt

Die zentralen Instrumente, mit denen die seit Oktober 2008 unter kurzfristigen Mittelabzügen leidende Anlageklasse stabilisiert werden soll, wurden in den vergangenen Monaten bereits hinlänglich diskutiert. Dennoch enthält der Gesetzentwurf einige Neuigkeiten, so zum Beispiel verbindliche Regeln zur Abwicklung von Fonds, die keine Anteile zurücknehmen.

Mit der Einführung einer Mindesthaltefrist von zwei Jahren sollen Liquiditätsengpässe aufgrund von Kapitalflucht in Zukunft verhindert werden. Ausgenommen sind Beträge bis zu 5.000 pro Monat und Investor. So soll die Flexibilität für Kleinanleger gewahrt bleiben. Für Alt-Anleger, die ihre Anteile vor Inkrafttreten des Gesetzes gekauft haben, gilt die Mindesthaltefrist bereits als erfüllt.

Der Fondsverband BVI begrüßte die Vorschläge: „Wir sind auf einem guten Weg. Für Privatanleger werden offene Immobilienfonds grundsätzlich liquide Anlagen bleiben, Großanleger und Institutionelle müssen sich aber längerfristig binden“, so BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip. Die Neuregelung werde die faktische Trennung von institutionellen und privaten Anlegern vollziehen.

ZEW-Forschungsprofessor kritisiert Mindesthaltefrist

Kritik gibt es indes von Immobilienexperte Steffen Sebastian, Professor der International Real Estate Business School und Direktor am Center for Finance der Universität Regensburg sowie Forschungsprofessor am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW): „Die geplante Mindesthaltefrist von zwei Jahren ist wenig sinnvoll. Damit wird im Zweifel nur erreicht, dass die Anleger ihre Anteile für zwei Jahre halten und dann gegebenenfalls auch massenhaft die Fonds verlassen.“

Das Zusammenbrechen eines Fonds würde so also nur aufgeschoben. Der Immobilienexperte ist der Ansicht, ein verpflichtender Ausgabeaufschlag auch für institutionelle Anleger reiche völlig aus, um zu verhindern, dass Immobilienfonds als kurzfristige Anlage missbraucht werden.

Seite 2: Rücknahmeabschläge statt Kündigungsfrist

Weiter lesen: 1 2 3

1 Kommentar

  1. Ich finde alle Beiträge zu diesem Thema nicht gut und halte sowohl die ewig dauernde Schließung der Immobilienfonds, die einmal als private Vorsorge angeraten wurden, für katastrophal wie auch die jetzt andauernde Diskussion und den Streit der Ministerien darüber, während eine große Zahl der auf die monatlichen Auszahlungen angewiesenen sog. Kleinanleger nicht mehr an ihr Geld kommen, keine Kredite erhalten und nicht mehr wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Das interessiert den Staat in keiner Weise!! Es ist ihm egal, wie es seinen artig sparenden Bürgern geht, während er den Krisenverursachern bzw. Bankern Millionen an Abfindung und Provisionen zuschiebt!!! Das ist ethisch nicht vertretbar: Ein Soviel an Ungerechtigkeit und Mißbrauch mit den angesparten Geldern anderer hat es lange nicht in diesem Land gegeben!! Ich bin 80 Jahre alt und habe bewußte Altersvorsorge betrieben mit dem Anlegen des mühsam Gesparten in diese mir als ‘absolut sicher und vorteilhaft’ empfohlenen Immobilienfonds. Jetzt bleibt mir bei der geringen Rente noch das Verramschen meiner Rücklagen an der Börse mit zusäztlich gefordertem Anteil der Bank an diesem Geschäft!!! –
    In diesem Land mag ich nicht mehr leben, da bin ich ehrlich!

    Kommentar von Ingrid Weber — 6. Oktober 2010 @ 17:02

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Getsafe-Chef Wiens: “Insurtechs sind krisenfest”

In der vergangenen Woche ist das US-amerikanische Insurtech Lemonade an die Börse gegangen, das Versicherungen per Smartphone-App anbietet. Der Aktienwert hat sich binnen 24 Stunden verdoppelt, die Bewertung des Unternehmens lag kurzfristig bei über vier Milliarden Dollar. Für Christian Wiens, CEO und Gründer des Wettbewerbers Getsafe, ist dies “ein positives Signal”.

mehr ...

Immobilien

Cash.EXTRA Wohngebäude-Versicherung: Schutz vor Extrem-Risiken

Eine Immobilie ist ein wertvoller Besitz. Egal ob Haus oder Wohnung. In beidem stecken erhebliche Werte. Daher sollte der Versicherungsschutz für Haus und Wohnen eigentlich essenziell sein, ist es aber bei Weitem nicht. Mit welchen Herausforderungen Versicherer und Assekuradeure zu kämpfen haben, zeigt das Cash.Extra Wohngebäudeversicherung mit Domcura-Produktvorstand Rainer Brand, Thomas Nairz, Hauptbevollmächtigter bei Iptiq Deutschland und Michael Neuhalfen, Leiter Vertrieb bei der Alte Leipziger Allgemeine.

mehr ...

Investmentfonds

Grönemeyer initiiert neuen Gesundheitsfonds

„Medizin mit Herz und Seele“. Das ist das Motto von Professor Dietrich Grönemeyer. Der Arzt, Wissenschaftler, Publizist, Unternehmer und Investor ist bisher an einer Reihe von nichtbörsennotierten Unternehmen beteiligt. Jetzt hat er einen Gesundheitsfonds initiiert, der seinen Namen trägt, den „Grönemeyer Gesundheitsfonds Nachhaltig“.

mehr ...

Berater

Wenn das Smartphone zur Versicherungszentrale wird

Das Smartphone dürfte sich in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Vertriebskanal für Versicherungen entwickeln. Zwar haben bislang nur sechs Prozent der Bundesbürger eine Versicherung über ihr Smartphone abgeschlossen, jeder Dritte (33 Prozent) kann es sich aber in Zukunft vorstellen. Das ist das Ergebnis einer Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

mehr ...

Sachwertanlagen

Immer weniger Deutsche wollen reich werden

Nur noch eine knappe Mehrheit der Deutschen findet es erstrebenswert, reich zu sein. Gleichzeitig werden die Chancen auf ein hohes Vermögen immer schlechter eingeschätzt – auch wegen Corona. Das ergab eine repräsentative Umfrage der GfK für die “4. Reichtumsstudie” des Private-Equity-Spezialisten RWB Group.

mehr ...

Recht

ifo Institut: Ein Fünftel der deutschen Firmen hält sich für gefährdet

Ein gutes Fünftel der deutschen Unternehmen sieht sein Überleben durch die Coronakrise gefährdet. Das ergibt sich aus der neuesten Umfrage des ifo Instituts. 21 Prozent der Firmen antworteten im Juni, die Beeinträchtigungen durch Corona seien existenzbedrohend. „In den kommenden Monaten könnte sich eine Insolvenzwelle anbahnen“, sagt ifo-Forscher Stefan Sauer. Welche Branche sich als besonders gefährdet einschätzt.

mehr ...