1. Dezember 2011, 17:31
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Offene Immobilienfonds am Scheideweg

Offene Immobilienfonds galten rund 45 Jahre als Hort der Stabilität. Aktuell zeigt sich, dass langfristige Anlagen und kurzfristige Handelbarkeit nicht zueinander passen. Immer mehr eingefrorene Publikumsfonds werden abgewickelt.

Haus-Pfeil-auf-ab-127x150 in Offene Immobilienfonds am ScheidewegBis Mitte November hätten sie theoretisch noch Zeit gehabt. Doch schon vier Wochen vor Ablauf der maximal zweijährigen Frist für die Aussetzung der Anteilsscheinrücknahme haben mit dem Axa Immoselect und dem Degi International die offenen Immobilienfonds (OIF) Nummer fünf und sechs innerhalb nur eines Jahres ihre Pforten für immer geschlossen. Die rund 2,5 respektive 1,6 Millionen Euro schweren Anlagevehikel werden abgewickelt. Damit summiert sich das Volumen der aktuell in Liquidation befindlichen OIFs – darunter auch der der Morgan Stanley P2 Value, der Degi Europa, der TMW Weltfonds von Pamerica, sowie das Nischenprodukt Kanam US-Grundinvest – auf etwa sieben Milliarden Euro. Komplett vom Markt verschwunden sind im Übrigen auch der ursprünglich auf Großanleger abzielende offene Immobilienfonds Degi Global Business (Volumen rund 250 Millionen Euro) sowie der Dachfonds Premium Management Immobilien-Anlagen von Allianz Global Investors (knapp 1,2 Milliarden Euro Volumen). Die Abwicklung beider Vehikel wurde jeweils im August bekanntgegeben.

“Aussichtslos” lautete das Fazit der Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) Aberdeen Immobilien und Axa Investment Managers mit Blick auf die Chancen einer erfolgreichen Wiedereröffnung ihrer jeweiligen OIFs. Das hatten Umfragen unter Vertrieben ergeben, so die Anbieter unisono in ihren im Abstand von nur einer Woche veröffentlichten Verlautbarungen zum Fall der Fonds. Demnach hätten trotz forcierter Objektverkäufe die jeweils verfügbaren liquiden Mittel für eine Beendigung der Rücknahmeaussetzung nicht ausgereicht. Die Anzahl der Anleger, die bei einer Wiederöffnung ihre Anteilsscheine zurückgeben wollten, sei noch immer zu hoch. Eine geordnete Auflösung sei daher “alternativlos” gewesen – diese derzeit viel bemühte Formulierung wird sinngemäß auch von den KAGs gebraucht.

Laut Axa Investment Managers beeinflusse auch die erneute Zuspitzung der Eurokrise die Anleger negativ, indem sie diese verunsichere und Entscheidungsprozesse bei potenziellen Immobilienkäufern verzögere. Objektverkäufe wären zur Schaffung der erforderlichen Liquidität in Höhe von in der Branche geschätzten mindestens 25 bis 30 Prozent des Fondsvermögens allerdings zwingend nötig gewesen. Die aktuelle Liquiditätsquote des Axa Immoselect liegt nach Angaben des Fondsmanagements hingegen bei nur rund zehn Prozent.

Überrascht haben beide Entscheidungen Branche und Anleger kaum. Die Börse Hamburg, an der auch die Anteilsscheine der von der Rücknahme ausgesetzten OIFs gehandelt werden, hatte diese Entwicklung bereits an der Kursentwicklung absehen können: “Bei uns wurde der Axa Immoselect zuletzt mit einem Abschlag von 42,8 Prozent zum letztmalig festgestellten Nettoinventarwert gehandelt”, sagt der Geschäftsführer der Börsen Hamburg und Hannover Dr. Thomas Ledermann. Eine ähnliche Größenordnung sei zuletzt beim Degi International notiert worden. “Die Abwicklungen wurden von den Anlegern in den Kursen offensichtlich in den letzten Wochen bereits eingepreist”, so Ledermann weiter. Die Entscheidung, den Fonds abzuwickeln, erfolgte nach Unternehmensangaben in beiden Fällen in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Nun heißt es: alles muss raus. Die KAGs haben drei Jahre Zeit, um die Immobilienportfolios möglichst erfolgreich zu versilbern.

Seite 2: Schadenersatzklagen drohen

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Concordia Versicherungen leiten Vorstandswechsel ein

Bei den Concordia Versicherungen kündigt sich für 2020 ein Führungswechsel an: Nach über 25 Jahren, davon 18 Jahre an der Spitze der Concordia, wird Dr. Heiner Feldhaus zum 29. Februar 2020 die Leitung des Konzerns übergeben und sich in den Ruhestand verabschieden.

mehr ...

Immobilien

Wo Düsseldorf Köln beim Immobilienkauf abhängt – und umgekehrt

Welche rheinische Großstadt liegt beim Immobilienkauf vorne: Düsseldorf oder Köln? Der Baufinanzierer Hüttig & Rompf analysiert in seinem neuen Marktreport „Immobilienfinanzierung Köln / Düsseldorf“ die typischen Käufer in beiden Städten. 
mehr ...

Investmentfonds

Moventum: Defensivere Ausrichtung der Portfolios

Moventum Asset Management richtet seine Portfolios angesichts der steigenden Risiken defensiver aus. Das wurde nach der quartalsweisen Asset-Allokation-Konferenz beschlossen. „Die Weltwirtschaft wächst langsamer, das Risiko einer Rezession hat signifikant zugenommen“, sagt Sascha Werner, Portfoliomanager bei Moventum AM.

mehr ...

Berater

Zinstief drückt Bankgewinne – womöglich Strafzinsen für mehr Kunden

Das Zinstief wird zur Dauerbelastung für Deutschlands Banken und Sparkassen – und könnte bald auch zu Lasten von mehr Kunden gehen. Ein weiterer Rückgang der Gewinne der Institute in den nächsten Jahren sei “sehr wahrscheinlich”, stellten die Finanzaufsicht Bafin und die Deutsche Bundesbank am Montag fest.

mehr ...

Sachwertanlagen

PATRIZIA erwirbt Wohnanlage in Aarhus, Dänemark

Die PATRIZIA AG, der globale Partner für paneuropäische Immobilieninvestments, hat zusammen mit Universal-Investment im Auftrag der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) ein Wohnbauprojekt mit 136 Einheiten im dänischen Aarhus erworben. Der Ankauf erfolgte im Rahmen einer off-market Transaktion. Verkäufer ist ein Konsortium privater Investoren.
mehr ...

Recht

ifo Institut sieht Licht und Schatten im Klimapaket

Das ifo Institut sieht im Klimapaket Licht und Schatten. Die CO2-Bepreisung über Zertifikate sei der richtige Weg. Die Vorgabe von festen CO2-Preisen bis 2025 sei jedoch mit einem funktionierenden Zertifikatesystem unvereinbar. Ein Kommentar von Clemens Füst, Präsident des ifo Instituts.

mehr ...