Flüchtlingszustrom bringt für die Immobilienwirtschaft Chancen

Alleine im vergangenen Jahr kamen rund 900.000 Flüchtlinge nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen. Vor diesem Hintergrund analysiert die 19. Ausgabe des Quantum Focus die Struktur des Flüchtlingszustroms und deren immobilienwirtschaftliche Konsequenzen.

Quantum rechnet mit einem Mehrbedarf von 185.000 Wohnuneinheiten.

Die Studie der Research Unit der Quantum Immobilen AG diskutiert auf 27 Seiten, wie die Zuwanderung insbesondere in deutschen Großstädten die Nachfrage nach günstigem Wohnraum verstärkt und durch Beschäftigung und Konsum der Asylberechtigten auch der gewerbliche Immobilienmarkt beeinflusst wird.

Die Studie prognostiziert, dass rund 1,1 Millionen der 2015 und 2016 ankommenden Flüchtlinge als Asylberechtigte mittel- bis langfristig in Deutschland bleiben und so voraussichtlich für einen zusätzlichen jährlichen Bedarf von rund 185.000 Wohneinheiten sorgen werden.

Konzentration auf Metropolen

Die Wohnungsnachfrage werde sich dabei auf die Metropolen und Großstädte konzentrieren, die bereits heute als angespannte Wohnungsmärkte gelten. Für Hamburg berechnet die Prognose beispielsweise einen Zuzug von 52.000 Personen. Geht man von einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von drei Personen aus, würden über 17.000 Wohneinheiten für die Asylberechtigten fehlen. Mit Ausnahme von Essen und Dortmund seien in Großstädten leerstehende Wohnungen, die einen gewissen Anteil des Bedarfs decken könnten, nicht verfügbar.

Für die gewerblichen Immobilienmärkte sei die Integration der anerkannten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt maßgeblich. Die Mehrzahl Flüchtlinge habe allerdings eine geringe Qualifikation und werde nur langsam in Arbeit kommen. Die Effekte für die Bürobeschäftigung würden daher kurz- bis mittelfristig weniger stark sein.

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Umnutzung reduziert Leerstand

Sehr viel stärker würde sich aber die Umwidmung von leerstehenden Gewerbeimmobilien und der Verwaltungsausbau zur Bewältigung der Flüchtlingskrise auf die Büromärkte auswirken. So würden viele dauerhaft leerstehende Bürogebäude zur Unterbringung der Flüchtlinge langfristig durch die Städte angemietet, wodurch sich der Leerstand deutlich reduziere.

Auch im Einzelhandel seien Nachfrageimpulse durch die Zuwanderung beobachtbar, die insbesondere auf das untere Preissegment wie Discounter oder preisorientierte Textilanbieter gerichtet seien.

Nachfrageimpulse durch Einwanderung

„Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen bringt der Flüchtlingszustrom für die Immobilienwirtschaft vor allem Chancen mit sich: Mehr Einwohner bedingen eine höhere Wohnungsnachfrage, einen zusätzlichen Einzelhandelskonsum und zumindest langfristig auch ein Beschäftigtenwachstum“, so Dr. Andre Scharmanski, Leiter Quantum Research. (kl)

Foto: Shutterstock

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